04.05.2004 Von: Eva Breutel
Erschienen in: 11/ 2004 MOTORRAD

Große Medienresonanz auf Rossis Formel-1-Test (Archivversion) Die Rote Versuchung

Der Formel-1-Grand-Prix in Imola stand unmittelbar vor der Tür, doch in der vorletzten Aprilwoche sorgte im sportbegeisterten Italien vor allem ein Motorradstar für fette Schlagzeilen: Valentino Rossi.

Der 25-Jährige hatte drei Tage nach seinem spektakulären MotoGP-Auftaktsieg in Südafrika mit Michael Schumachers Formel-1-Renner rund 40 Runden auf Ferraris Teststrecke in Fiorano gedreht. Praktisch unkenntlich, angetan mit Schumachers Helm und Overall, schaffte Rossi mit dem rund 900 PS starken Zehnzylinder-F2004 nach einem Dreher und einem Ausflug ins Grüne Rundenzeiten unter einer Minute und lag damit nur drei Sekunden über dem Streckenrekord. Für einen Neuling ein mehr als beachtliches – und selbst für eingefleischste Rossi-Jünger kaum zu fassendes – Ergebnis.

Der Formel-1-Test des populären MotoGP-Weltmeisters sorgte für ein gewaltiges Rauschen im italienischen Blätterwald. Die großen Tages- und Sportzeitungen des Landes vermeldeten das Ereignis jeweils auf den Titelseiten und feierten Rossi zusätzlich mit mehrseitigen Reportagen.

Dabei wurde »Rossmacher«, wie die Medien den Zweirad-Champion flugs nannten, bereits zum künftigen Superstar der Formel 1 erklärt. »Sie wollen ihn uns wegnehmen«, klagte denn auch das Motorradblatt »Motosprint« auf seiner Titelseite. Formel-1-Guru Bernie Ecclestone nährte die Ängste der Zweiradszene: »Klar will ich Valentino Rossi haben. Er ist ein Siegertyp und würde der Formel 1 sehr gut tun.«

Während der Großteil der Motorradbranche den Abgang ihres Lieblings fürchtet, gibt es aber auch vereinzelte Gegenstimmen: »Vielleicht wär’s gar nicht schlecht, wenn Rossi ginge«, meint Carlo Pernat, Manager von Loris Capirossi und intimer Kenner der Szene. »Heute will jeder Sponsor nur Rossi und sonst keinen. Alle anderen, besonders in den kleineren Klassen, haben Mühe, überhaupt Geld für eine einzige Saison zusammenzukriegen.« Sei’sn drum. Dem Motorradsport kann Rossis Exkurs jedenfalls nur nützen – egal, auf welche Weise.


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