Alpen-Masters 2012 Teil 2 und Finale

Für die Sieger der fünf Gruppen geht es um alles oder nichts. Im K.-o.-System wird der neue König der Berge gewählt.

Halb neun Uhr morgens. Die Sonnenstrahlen haben sich längst ihren Weg durch das Buschwerk am Fuß des Col de la Lombarde gesucht. Die vom Regen in der Nacht noch feuchten Straßen dampfen wie ein zu nass gebügeltes Laken. Es ist der vierte Tag des MOTORRAD-Alpen-Masters 2012. Und die Bestätigung, dass sich die Reise in die französischen Seealpen gelohnt hat. Die nur 130 Kilometer entfernte Côte dAzur fächert die warmen Winde des Mittelmeers bis hierher in die französisch-italienische Grenzregion bei Barcelonnette. Bald werden die Straßen trocken geföhnt sein.
Eine Gegend, die mit alpinen Reizen nur so gespickt ist. Der Col d’Izoard und der Col du Galibier im Norden, die auch von der Rallye Monte Carlo bekannten Pässe wie der Col de Turini im Süden und mittendrin die Krönung aller Klettertouren, der mit 2715 Metern höchste asphaltierte Alpenpass, der Col de la Bonette. Enge Kehren, weite Schwünge, meist guter Asphalt - für Motorradfahrer ein
wahr gewordener Traum. Ein Traum, der Mensch und Maschine aber auch an ihre Grenzen bringen kann und deshalb perfekt ins Drehbuch des größten Tests des Jahres von MOTORRAD passt.
Was zählt, ist auf dem Platz. Nach diesem Motto entscheiden beim Alpen-Masters im bergigen Terrain wichtige Kriterien wie Durchzug in großer Höhe, Fahrverhalten bei Beladung, Verzögerung bergab et cetera. In dieser Hinsicht periphäre Aspekte wie Topspeed oder Garantie werden weniger oder gar nicht berücksichtigt. Es geht um alles. Denn nur die Sieger der jeweiligen
Gruppen dürfen im Finale zum Showdown gegen die amtierende Alpen-Meisterin, die BMW R 1200 GS antreten.
Noch immer leuchten die Augen, wenn die Redakteure von MOTORRAD und deren vier internationalen Schwesterzeitschriften (siehe Vorstellung Seite 43) von den vergangenen drei Tagen erzählen. Wenn sie von der traumhaften Zielgenauigkeit der BMW F 800 R (Sieger Allrounder), vom geschmeidig laufenden Dreizylinder der Triumph Tiger Explorer (Sieger Reiseenduros) oder von der unbändigen Kraft der 206 PS starken Kawasaki ZZR 1400 (Sieger Sportler) schwärmen.
Wahrscheinlich ist es auch die Vorfreude auf die beiden kommenden Tage. Schließlich gehen mit den Funbikes und Naked
Bikes nun die beiden kompromisslosesten Gruppen auf die 155
Kilometer lange Testrunde (siehe Kasten unten). Motorräder, denen herzhaftes Beschleunigen, extremes Abbremsen und zackiges
Abwinkeln in die Wiege gelegt wurden. Aus deren Sicht Gepäck oder Sozius nichts an einem Motorrad zu suchen haben. Die mit dieser Konzentration auf das Wesentliche maximalen Fahrspaß auf den Schleifen des Col de la Lombarde, des Col de la Bonette oder des Col de Larche versprechen - und sich um die An- oder Abfahrt in die Alpen nicht die Bohne scheren.
Das Buschwerk lichtet sich, die Sonne hat das freiliegende Asphaltband bereits trocken geleckt. Keine Menschenseele ist unterwegs. Wie viele Kehren besitzt eigentlich der Lombarde? Jetzt nur ruhig bleiben, nichts übertreiben. Noch zwei Tage bis zum Finale

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Kawasaki ZZR 1400 320 Punkte

BMW F 800 R
Triumph Tiger Explorer 373 Punkte

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Nach der Tour in die Region um den Col du Galibier in den Jahren 2007 und 2008 kehrte das MOTORRAD-Alpenmasters für die Ausgabe 2012 in die französischen Alpen zurück. Der Grund: zumeist moderater Verkehr, griffiger Asphalt und die Häufung vieler langer Passauffahrten. Zudem interessant: die Nähe zur nur 130 Kilometer entfernten malerischen Côte dAzur. Für die Vorrunde, also die Festlegung der insgesamt fünf Gruppensieger, konzentrierte sich das Testteam auf eine 155 Kilometer lange Runde (siehe Karte). Hier kommen nahezu alle für das Gebirge typischen Straßenverhältnisse vor. Bereits der Col de la Lombarde bietet mit seiner verschlungenen Ostrampe (21 Kilometer) und der über den Retorten-Skiort Isola 2000 führenden weitläufigen Westseite fast alle Facetten alpinen Straßenbaus. Denen das - im Wortsinn - Highlight folgt: der 25 Kilometer lange Aufstieg zum 2715 Meter hohen Col de
la Bonette.

Nach der Abfahrt nach Jausiers biegt die D 900 zum Col de Larche ab. Die äußerst schnellen Schwünge werden erst kurz nach der relativ niedrigen Passhöhe (1991 Meter) von 14 zurück ins Sturatal führenden Kehren unterbrochen.
Den Ausgangspunkt des MOTORRAD-Alpen-Masters 2012 bildete das einzige Hotel im italienischen 120-Seelen-Dorf Pietraporzio (www.reginadellealpi.com). Mit moderaten Preisen (Zimmer mit Halbpension ab 55 Euro), sehr gutem Essen, selbst gemachtem Eis, Hallenbad und Motorrad-Garagen kann die MOTORRAD-Redaktion das Haus der Italienisch, Französisch und Englisch sprechenden Eheleute Maura und Massimo nur empfehlen.
Karte und Grafik: Claudia Werel

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