MOTORRAD des Jahres Preisverleihung Die Wahl, die Sieger, das Fest

Uhhh, what a night – 200 Gäste aus allen Bereichen der Motorradbranche erfuhren aus erster Hand, welche Modelle die MOTORRAD-Leser 2015 nach ganz oben aufs Treppchen gewählt ­haben. Manche kamen hemdsärmelig, andere mit Schlips und Kragen. Und die BMWler hatten, mal wieder typisch, eine weiß-blaue Kiste dabei.

Sie ist die Oscar-Nacht der deutschen Motorradbranche; beinahe so glamourös, mindestens so seriös – aber weit weniger botoxös: die feierliche Preisverleihung an die Gewinner der Wahl zum Motorrad des Jahres. Und die hat Tradition. Zum 17. Mal seit 1999 hatte MOTORRAD die Vertreter von Herstellern, Importeuren, Zubehörbranche, Handel und führenden Motorradverbänden dazu eingeladen. Rund 200 Gäste durften Redaktion und Verlag für einen launigen März-Abend in den roten Plüschsesseln eines unweit der Stuttgarter Motor Presse gelegenen Theaters begrüßen.

Dass es weder filzigen Vollbart noch tätowierte Trapezmuskeln braucht, um eine der Grundregeln aufrechten Biker-Lifestyles zu erfüllen, machte Verlagsgeschäftsführer Volker Breid in seiner Begrüßungsrede deutlich: Ob in Kutte oder mit Krawatte – ein Mann steht zu seinem Wort. Hatte der promovierte Betriebswirt doch einst als neuer Chef des Stuttgarter Verlags ein Versprechen gegeben. Den Gästen der MOTORRAD-Leserwahlfeier 2012 versicherte er: „Ich habe keinen Motorrad-Führerschein, aber werde ihn machen!“

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„And the winner is …“

So kam er 2015 auf einer Ducati Scrambler auf die Bühne und ans Mikro gefahren. „Sieben Monate, sieben Fahrstunden und gefühlte 27 Stunden bei diversen Fahrerlaubnisbehörden“, habe es ihn gekostet, bis er nach erfolgreich absolvierter Praxisprüfung die Klasse A2 auf dem Kärtchen stehen hatte (Bikergruß und Glückwunsch seitens der Redaktion an dieser Stelle). Doch neben unterhaltsam Privatem berichtete Breid, wieder ganz Geschäftsführer, auch informativ Professionelles: Notariell beglaubigte 48 118 Wahlstimmen von MOTORRAD-Lesern (Ergebnisse, Verlosungsgewinner, siehe oben und Heft 6/2015) sowie 47 279 weitere von Lesern der MOTORRAD-Schwesterblätter aus acht anderen Ländern sind 2015 abgegeben worden. Den Reigen der Wahlergebnisse, also welche Modelle die meisten Stimmen in ihren jeweiligen Kategorien für sich verbuchen konnten, moderierten schließlich Chefredakteur Michael Pfeiffer und Conférencier Matthias Schröter an. Von den Naked Bikes, Tourern und Supersportlern bis hin zu den neuen Klassen Crossover-Bikes und Modern Classics machte es jeweils ein MOTORRAD-Redakteur spannend. Etwa indem er erst begründete, warum genau seine Klasse doch so viel wichtiger als alle anderen sei. Bis es endlich hieß: „And the winner is …“

Vier- von neunmal war es BMW, zweimal KTM, zweimal Ducati, einmal Vespa.
Japan? Fehlanzeige. Dafür Ruhrpott, Auftritt Testredakteur Thomas Schmieder. Der wurde Sieger der Herzen, denn ihm gelang mit seiner Rede der schwierige Spagat zwischen beißender Satire, guter Unterhaltung und ernster Politik. Die ist in diesem Rahmen eher unüblich. Doch Schmieders Zündfunke, abgefeuert gegen Putins Ukraine-Politik, bekam Szenenapplaus. Seine anschließenden Einlassungen in Sachen Chopper und Cruiser genauso: „Die Bikes mit dem inneren Buddha“, Coolness serienmäßig. Und in Richtung Neu-Biker und Geschäftsführer Breid: „Weißte Volker, Chopper und Cruiser sind gerade in Zeiten ­immer knapperer Rohstoffe DER Tipp. Kaufste einmal, haste so viel Eisen dran, kannste später wieder einschmelzen, nä?!“

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„MOTORRAD als mit Abstand größtes Motorrad-Medium in Europa“

„Jetzt wird’s wieder ernsthaft, seriös und auch aussagekräftig“ – staubtrocken und treffend stichelte Peter-Paul Pietsch gleich anschließend gegen Schmieders Karnevalisten-Einlage. Ein gelungener Übergang, konnte der Verlagsbereichsleiter doch gleich die Gelegenheit nutzen, das gut g­elaunte Publikum für ein paar wichtige Zahlen in eigener Sache zu gewinnen: 670 000 Leser pro Ausgabe, plus MOTORRAD online, als Apps und in den Social Media. Kurz: „MOTORRAD als mit Abstand größtes Motorrad-Medium in Europa.“

Dieses Medium hat mithilfe der Leserwahl und daraus gewonnener Daten wieder viel Interessantes herausgefunden. Zum Beispiel, welcher Hersteller in den Augen der Motorradfahrer die bestaussehenden Maschinen baut. Ducati nämlich, danach kommt lange nichts. Doch BMW, einst in Sachen Design ebenso klar am anderen Ende der Skala platziert, holt auf. Geht’s dagegen um handfeste Tugenden wie Verarbeitung, ist BMW wieder vorn. Jedoch, so berichtete Pietsch mit ernstem Blick in Richtung Münchner Manager, „im Vergleich zum Vorjahr hat die gute Verarbeitung spürbar gelitten.“ Doch nicht bloß BMW verlor hier in der Lesergunst. Langfristig, so berichtete Pietsch weiter, habe die Verarbeitungsqualität auch bei den in dieser Kategorie zweit- und drittplatzierten Marken Honda und Yamaha „aus der Sicht aller Aktionsteilnehmer“ nachgelassen. Ernste Töne im sonst heiteren Rahmen. In dem aber die Leute saßen, die sie hören sollten. And the winner is: am Schluss auch ein bisschen der MOTORRAD-Leser.

Ergebnisse

BMW R 1200 GS: (Reise-)Enduros; BMW S 1000 RR: Sportler; BMW R 1200 RS: (Sport-)Tourer; BMW R nineT: Modern Classics; KTM 1290 Super Duke: Naked; KTM 125 Duke: 125er; Ducati Multistrada 1200: Crossover; Ducati Diavel: Chopper/Cruiser; Vespa GTS 300: Roller.

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