Fahrtipps mit Ecke, Teil 12: Ziel erreicht

Ein Jahr lang plauderte Ex-IDM-Supersport­Pilot Pascal Eckhardt aus dem Nähkästchen, gab wertvolle Tipps an Rennstreckenfahrer weiter. Hier nun der letzte Teil der Fahrtipps-Serie in PS.

Foto: racepixx

Wie schnell doch so ein Jahr vergeht. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie aufgeregt ich vor dem ersten Teil meiner „Fahrtipps mit Ecke“-Serie war. Ich war mir nicht sicher, ob ich mein Wissen an euch, die PS-Leser, weitergeben kann. Sollte ich meine Tipps doch unterhaltsam und nicht schulbuchmäßig nüchtern an euch herantragen. Eure Reaktionen zeigen aber, dass dies anscheinend ganz gut gelungen ist – und da bin ich schon ein wenig stolz drauf.

Was die reine Fahrtechnik betrifft, habe ich meines Erachtens alles Wichtige angesprochen. Klar kann man jedes Thema noch bis ins kleinste Detail zerlegen und wissenschaftlich belegen, aber darum ging es hier ja nicht. Ich wollte euch einfach mal einige Tipps mit auf den Weg geben, die nicht unbedingt in diesen ausgelutschten Fahrtechnik-Bibeln stehen.

Ich selbst habe in meiner Lernphase mehr mit den Tipps erfahrener Piloten anfangen können als mit Büchern. Das Problem dabei war und ist, dass ausgebuffte Rennfahrer ihre Tipps nicht gerne zum Besten geben, da sind eben alle Rennsportler ein biss­chen egoistisch. Und das war ich in meiner aktiven Phase ehrlich gesagt auch. Doch jetzt im Ruhestand hat es mir wirklich Spaß gemacht, euch ein wenig zur Seite zu stehen.

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Trainingskilometer bringen Sicherheit

Mich haben kürzlich noch zwei Fragen erreicht, auf die ich zum Abschluss der Serie gerne eingehen möchte. Eine davon lautete: „Wie viel Training brauche ich eigentlich, um auf der Rennstrecke schnell zu sein beziehungsweise schnell zu bleiben?“ Dies lässt sich, wie so vieles, pauschal nicht beantworten, denn jeder Mensch ist anders.

Das beste Beispiel ist immer noch der Vergleich zwischen meinem ehemaligen Teamkollegen Christian Kellner und mir. Ich denke, „Kelle“ ist ein sehr großes Fahrtalent. Egal, wie lange er nicht mehr auf dem Motorrad gesessen hat, er kommt, steigt auf und ist von der ersten Runde an richtig schnell. Das hat mich manchmal echt zur Verzweiflung gebracht. Ich dagegen war Ich fing meistens relativ langsam an, verbesserte dann meine Rundenzeiten sprunghaft. Am Ende des Tages waren wir meistens gleich schnell.

Und was sagt uns das jetzt? Dass jeder für sich sein persönliches Trainingspensum finden muss. Der eine braucht weniger Training, der andere mehr. Unumstößlicher Fakt ist aber, dass viele Trainingskilometer einfach schneller und sicherer machen! Und dabei geht es noch nicht einmal um die absolute Rundenzeit während des Trainings. Wer mehr fährt steht einfach besser im Saft, ist reaktionsschneller und das Popometer ist besser geeicht.

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Kein Risiko bei Verletzungen

Die zweite Frage ging in die Richtung „Verletzung im Rennsport“. Jemand wollte wissen, wie mit Blessuren bei der Rennerei umzugehen ist. Ich weiß nicht, ob die Frage auf den Vorfällen der diesjährigen MotoGP-Saison fußt, in der Jorge Lorenzo bei der schnellen Rückkehr aufs Bike die Messlatte sehr hoch gelegt hat. Meine Meinung dazu: Denkt einmal darüber nach, was wir hier machen. Keiner von uns verdient seine Brötchen mit dem Rennfahren. Es sieht bei uns doch so aus, dass wir am Abend des Rennsonntags alle wieder in unsere Transporter steigen, einen langen Weg nach Hause fahren, um montags wieder beim Arbeitgeber auf der Matte zu stehen.

So war es auch bei mir, als ich noch aktiv IDM gefahren bin. Na klar bin auch ich schon neun Tage nach einem doppelten Schlüsselbeinbruch wieder auf dem Rennmoped gesessen, doch da ging es für mich noch um die deutsche Meisterschaft. Um was geht es bei euch?

Spätestens jetzt sollte uns klar sein, worauf es ankommt. Denkt in Ruhe darüber nach, was ihr noch erreichen wollt – und realistisch erreichen könnt. Und dann wägt das Risiko ab. Logisch, dass bei unserem liebsten Sport ganz viel unkalkulierbar bleibt, aber mit ein bisschen Vernunft macht er genauso viel Spaß und ihr könnt am Montag wieder arbeiten gehen.

Jetzt ist also ein guter Zeitpunkt, den Hut zu nehmen, sozusagen Feierabend zu machen. Lasst uns mit Respekt und den nötigen fünf Prozent Luft nach oben auf der Rennstrecke ballern gehen und Spaß haben. Vielleicht sehen wir uns dabei mal auf irgendeiner Strecke. Es würde mich freuen! Bleibt sitzen und viel Erfolg.

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