Eicma-Reportage Brautschau

Auf der Eicma in Mailand zeigten sich mal wieder viele Schönheiten - Motorräder gab es auch zu sehen.

Bevor man sich ´ne Neue anlacht, sollte man erst mal das Angebot checken - diese Weisheit gilt in mehrfacher Hinsicht bei Motorrädern eben auch. Dafür sind Messen wichtig. Neben der Intermot ist dabei Mailand eine Reise wert, weil dort viele Neuheiten erstmals der Branche und den Kunden präsentiert und zudem noch aufs Feinste dekoriert dargereicht werden - egal, wie kaputt
der Motorradmarkt in Italien gerade ist. Ein Phänomen, das man am Stiefel schon seit der Römerzeit kennt: Egal, wie‘s läuft, Hauptsache das Volk hat Unterhaltung. Neben viel Brimborium stand deshalb auch viel spärlich bekleidete weibliche Zier parat, als bei Ducati,
MV Agusta, Bimota, Aprilia, Guzzi und Benelli die Hüllen (über den Neuheiten) gelüftet wurden. Aber auch KTM, Triumph, BMW und Honda nutzten die Mailänder Messe Eicma zur Präsentation ihrer sportlich orientierten Neuheiten.
Den Anfang in der norditalienischen Metropole macht traditionell immer Ducati. Die Marke ist nicht nur wegen des Audi-Einstiegs vom italienischen Markt weitestgehend unberührt geblieben. Ducati-Boss Gabriele Del Torchio verbreitete jedenfalls ungebremsten Wachstums-Optimismus und zeigte sensationelle Ergebnisse rund um den Globus, der sich immer tiefer Ducati-rot färbt und nun auch China und Brasilien einschließt. Dann folgte der große Auftritt von Entwicklungschef Claudio Domenicali, der auch einiges zu bieten hatte. Allen voran die R-Version der Panigale, mit der Ducati 2013 um die Superbike-WM-Krone mitkämpfen will und die nun auch für zahlungsbereite Kunden (knapp über 31 000 Euro) bereitsteht. Details waren schon in PS 12/2012 zu lesen. Auch zur neuen Hypermotard lieferten wir in der vorigen Ausgabe schon die technischen Details. Neben der Standard und einer SP-Version gibt es sie auch etwas tiefergelegt und touriger ausgestattet als Hyperstrada für Kurztrips. Eine Diavel
für solche Zwecke wird auch kommen.
Knalleffekt, noch mehr Mädchen, Schnittchen und Prosecco: Aufsehen erregte in den Messehallen dann MV Agusta. Die kleine Firma aus Varese zeigte neben den neuen Brutales mit
800 Kubik (siehe PS 12/2012) auch einen dreizylindrigen Ableger, die Supermoto Rivale 800 (siehe Foto auf Seite 8). Eckdaten: 125 PS, 170 Kilo, Elektronikpaket mit TC und Ride-by-Wire für 10990 Euro. Die Rivale avancierte bei den Besuchern zum "schönsten Bike der Messe". Ein Titel, den das Superbike F4 vor Jahren auch schon eingeheimst hat, aber heuer als an Motor und Chassis völlig überarbeitetes Bike auf der Eicma gezeigt wurde.
Bei Aprilia bestand der Sport im Auftritt von Weltmeister und Neurentner Max Biaggi, der die RSV4 R jetzt mit ABS präsentierte. Ganz neu ist der Multistrada- und GS-Konkurrent Caponord mit wassergekühltem V2 aus der großen Dorsoduro-Supermoto, der hier 128 PS leisten soll. Gegen Aufpreis gibt‘s ein semi-aktives Fahrwerk.
Benelli bietet jetzt eine 600er an.
Aber statt um einen Sportler, der jahrelang durch die Branchenblätter geisterte, handelt es sich bei der BN 600 um ein Naked Bike, das mit 82 PS nicht gerade zu den kräftigsten zählt. Dem Bike merkt man an einigen Stellen auch den chinesischen Eigner an, der auch die kleinen, neu gezeigten 125er liefert. Vielleicht soll die BN 600 irgendwann den asiatischen Markt bedienen, Preise gab es noch nicht.
Auch Moto Guzzi gab ein Lebenszeichen von sich - ein gewichtiges sogar. Von der neuen California wird es die Custom in Power Cruiser-Optik geben, die im Lager von Diavel bis zu Harley-Cruisern räubern soll. Allerdings gelingt es Guzzi weiterhin nicht, richtig Power aus dem Twin zu kitzeln, denn 96 Pferdchen lassen PS-Freaks nicht gerade das Wasser im Munde zusammenlaufen.
Das dürfte Bimota leichter fallen. Die kleine Schmiede aus Rimini präsentierte überraschend viel Neues. Die DB 11 ist ihr Supersportler mit 1198-Ducati-Twin, den es als DB 12 sogar als Bimotas ersten Sporttourer geben wird (dann mit Diavel-Konfiguration). Wem die DB 11 als Standard-Superbike mit 162 PS zu wenig Saft bietet, bekommt sie als VLX-Sondermodell mit Kompressor. 191 PS sind dann wohl eine Ansage. Gezeigt wurde auch eine Studie, die BB2 mit dem BMW
S 1000 RR-Motor, die allerdings etwas arg nach 80er-Retro aussah und hinter Glas den Blick deutlich einschränkte.
Den gab schließlich das Triumph-Girl ungetrübt auf die neue Daytona frei. Wie die Präsentation der Streety auf der Intermot schon andeutete, hat auch der Triple-Supersportler nun den Auspuff rechts unten. Neben dem neuen Heck, der Schwinge und dem Rahmen hat die Daytona auch einen ganz neuen Motor mit neuem Hub/Bohrungsverhältnis (49,6/76,0 mm). Auch die Daten zur Daytona gab es bereits in PS 12/2012,
in der nächsten Ausgabe folgt dann schon der erste Fahrbericht aus Cartagena.
Auf den müssen wir bei Honda noch etwas warten. Die neue CBR 600 RR kommt erst Ende Januar. Entgegen aller Erwartungen gab
es kein Elektronikpaket für den Supersportler, sondern nur kleinere Überarbeitungen am Motor und ein neues Design. Dafür kostet sie 500 Euro (12290 Euro) weniger als das aktuelle Modell. Noch deutlich günstiger geht Sport - zumindest optisch - mit der CBR 500 R, einem Ableger der CB-Bikes mit 48-PS-Twin, die PS im letzten Heft ausführlich vorgestellt hat.
Der ungekrönte "King of Show" war allerdings KTMs Superduke 1290 R. Beim Anblick und der Hörprobe des Ende 2013 käuflichen Naked Bike-Hammers standen den versammelten Vertretern der Weltpresse die Münder offen - und wir freuten uns gewaltig, dass uns KTM die Chance geboten hatte, das Bike als einzige vorher zu sehen, zu hören und zu fühlen. Mehr dazu gab es - Sie ahnen es bereits - exklusiv in PS 12, wie auch Infos zur neuen 390 Duke und der R-Version der 690 Duke. Das Video zur Superduke finden Sie bei Facebook auf "PS Das Sport-Motorrad Magazin".

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