Africa Twin geht mit Euro-4 ins Modelljahr 2017.

Honda Africa Twin (Modelljahr 2017) im Test Aus 3 wird 4

Technisch absolut unverändert, aber mit Euro 4-Homologation und einer neuen Farbe (nein, es ist nicht die im Bild) geht die Honda Africa Twin ins Modelljahr 2017.

Warum die von der Reisefraktion lang erwartete Africa Twin nicht von Anfang an nach Euro 4, sondern noch nach der alten Euro 3-Norm homologiert wurde, darüber kursieren in der Branche mehrere Theorien. Die eine besagt, dass die ohnehin verzögerte Markteinführung mit Euro 4 nochmals nach hinten hätte verschoben werden müssen, eine andere besagt, dass Honda die Möglichkeit nutzen wollte, den Rustikalen unter den Reisenden ein ABS-loses Bike anzubieten. Wie dem auch sei, der Markt sog die ersten Lieferungen der Twins auf, wie ein Verdurstender in der Wüste das ihm gereichte Wasser.

Und auch wenn sich der erste Ansturm nun gelegt hat, steht nicht zu befürchten, dass sich diese Honda zu einem Ladenhüter entwickelt. Dafür ist ihr Konzept viel zu gut, welches da lautet: Halte dich nicht mit Dingen auf, die auf langen Reisen und/oder abseits befestigter Straßen keinen Vorteil bringen. Uferlos viel Leistung etwa oder komplizierte, potenziell defektanfällige elektronische Gimmicks für Fahrwerk oder Motor. So wird etwa das gut ausbalancierte und in seiner Grundabstimmung hinreichend straffe Fahrwerk nach alter Väter Sitte mit dem Schraubendreher bzw. Handrad feinjustiert.

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Mit „nur“ 95 PS, die der mittels zweier Ausgleichswellen kultivierte Reihentwin mit 270 Grad Kurbelwelle ans exakte Sechsganggetriebe (wahlweise und für 1100 Euro Aufpreis gibt es die Doppelkupplungsvariante) schickt, fühlt man sich spätestens abseits unlimitierter deutscher Autobahnen auch keineswegs untermotorisiert. Dazu kommt der gleichmäßige Drehmomentverlauf, der bei rund 6000 Touren mit knapp 100 Nm seinen Gipfel erreicht. Es überrascht nicht wirklich, dass die Leistungskurven des 2016er und 2017er Motors quasi deckungsgleich sind. In der Praxis ist man zwischen 2500 und besagten 6000 Umdrehungen unterwegs und erfreut sich ebenso wie der willkommene Sozius an einer relaxten Sitzposition sowie einem ordentlichen Windschutz. Vortrieb auf schottrigem Geläuf erlaubt die ab- und in drei Stufen einstellbare Traktionskontrolle. Verbräuche unter fünf Litern sind ohne Verrenkungen machbar, sodass selbst mit nur 18,8 Litern Tankinhalt Reichweiten von knapp 400 Kilometern realisierbar sind. Der recht kleine Tank trägt auch zum relativ niedrigen Gewicht von vollgetankt 233 Kilogramm bei. Einer der wenigen Punkte, bei denen man sich eine Änderung gewünscht hätte, betrifft die Erstbereifung namens Dunlop Trailmax D 610. Schon im Top-Test (siehe MOTORRAD 3/2016) wurde ihnen nur mittelmäßige Performance in puncto Nass- und Kaltgrip sowie Rückmeldung attestiert. Auch dürften sie nicht ganz unschuldig am mitunter kippeligen Fahrverhalten in größeren Schräglagen sein. Das hat sich bis heute nicht verändert. Dessen ungeachtet sorgt die Honda gerade auf kleinen Straßen ihres wuseligen Handlings wegen für ein hohes Maß an Fahrspaß. Beim abschließenden Rundgang um die fein verarbeitete Honda entdeckt der genaue Betrachter, dass es neben der neuen Farbe, es ist eine Art Weinrot, doch zumindest eine Änderung gegenüber dem Vorjahresmodell gibt: Das ehedem geschraubte blecherne Typenschild wich einem aufgeklebten Kunststoff-Derivat.

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