Im Test: Harley-Davidson Softail Slim Abschluss-Zeugnis Harley-Davidson Softail Slim

Wer bitte nennt ein 319-kg-, 1690-cm³- und 132-Nm-V2-Motorrad "Slim", also "schmal"? Harley-Davidson. Wegen eines Reifens.

? Lässiges Erscheinungsbild ? V2 mit "good vibrations" bei niedrigen Drehzahlen? Immenses Drehmoment? Wartungsfreundlicher
Riemenantrieb? Preisstabil, weil eine Harley
? Fahrwerk kommt schnell an seine Grenzen? Kaum Schräglagenfreiheit? Schaltung mitunter unpräzise? Teuer, weil eine Harley
Schwarz
Rot
650 mm
1635 mm
18,9 Liter
319 kg
Der hintere ist schuld: 140 Millimeter breit. Nur. Sogar eine Kawasaki ER-6n tritt hier massiver auf, mit einem 160er nämlich. Der Grund für diese gar nicht amerikanische Zurückhaltung liegt, wie so oft, in der Geschichte der Marke Harley-Davidson: In den Nachkriegsjahren waren überbreite Hinterreifen noch nicht
en vogue. Und das neue Modell aus der Softail-Reihe möchte diese Zeit aufleben lassen. Die Insignien aus dem Harley-Teilebaukasten sind Drahtspeichenräder, ein sogenannter Hollywood-Lenker mit Querstrebe, ein Heck-Kotflügel ohne Soziusbrötchen und ohne Gepäckträger sowie Trittbretter und Schaltwippe. Der luftgekühlte V2-Motor protzt mit 103 Kubikzoll Hubraum (schnell mit sechzehnkommavier malnehmen; ergibt 1690 cm³), so viel wie eine MV Agusta F3 und eine BMW S 1000 RR zusammen. Ob die Slim für den Null-auf-hundert-Sprint auch so lange braucht, wie die beiden genannten
Motorräder zusammen, kann nur ein Erbsenzähler fragen: Darauf kommt es doch überhaupt nicht an! Es geht um Entspannung. Abschalten. Loslassen. Cruisen. Mit einem lässigen Dreh aus dem Handgelenk den herumtrödelnden VW Eos zu überholen. Von überall weg zu wollen und nirgends hin zu müssen. Deshalb verzeiht man der Harley auch ihre zögerliche Einscheiben-Bremse: Man will ja gar nicht anhalten. Und wenn man muss, packt man eben ein bisschen fester zu. Zupacken muss auch der Käufer in seinem Geldbeutel: Ab 18 795 Euro ist die Slim zu haben. Unter den Softail-Harleys ist sie damit ein Schnäppchen, absolut betrachtet aber
nichts für ein schmales Budget. (mf)
Jene Harleys, die ihre Federbeine unter dem Getriebe liegend montiert haben und so ein starres Heck vorgaukeln, gehören zur Softail-Reihe. Deren erster Vertreter kam 1984 auf den Markt und hieß schlicht "Softail".
Suzuki Intruder C 1800 R
Wasserkühlung, dohc-Motor und
Kardanantrieb: Die Suzuki ist innerlich deutlich moderner, als sie aussieht, und zieht wie ein Büffel. Preis: 14 790 Euro
Triumph Thunderbird Storm
Ein riesiger Reihenzweizylinder und ein gut abgestimmtes Fahrwerk inklusive Schräglagenfreiheit charakterisieren die Engländerin. Preis: 15 390 Euro
Yamaha XVS 1300 Midnight Star
Wer auf den ganz dicken Hubraum verzichten kann, findet bei Yamaha ein echtes Schnäppchen im klassischen Streamline-Design. Preis: 10 995 Euro
Motor
Der V2 ist das, was er sein will: Ein drehmomentstarker, faszinierender, angenehm vibrierender Kumpeltyp. Fahrleistungen? Nebensache.
Fahrwerk
Das Softail-Konzept erlaubt wenig Federweg, und wenig Federweg schlägt durch, wenn’s heftig wird. Die wulstigen Reifen helfen ein wenig.
Bremsen
Die einzelne Scheibe vorn hat mit
dem schweren Motorrad etwas zu kämpfen. Die hintere Bremse und ein ABS unterstützen sie aber gut.
Ausstattung
Trittbretter, Schaltwippe und ABS - Ende. Nicht einmal der Tankdeckel ist abschließbar. Die gediegene Verarbeitung verdient den zweiten Stern.
Komfort
Die Körperhaltung ist nur auf den ersten Blick bequem, auf langen
Strecken strengt sie an. Das Fahrwerk hält das Nötigste vom Fahrer ab.
Einsteigertauglichkeit
Wer sich zutraut, 319 Kilo Metall zu rangieren, findet in der Softail Slim einen verlässlichen, gutmütigen und berechenbaren Einsteig. Für viel Geld.
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