Im Test: MV Agusta Brutale 675 Die Überraschung: MV Agusta Brutale 675

Die italienische Edelmarke hat ein radikal scharfes Dreizylinder-Naked im Programm: die Brutale 675. Was will sie, was darf sie, was kann sie?

Ist das die neue Emm-Vau? Diese Frage hört der Brutale-Fahrer oft und in allen
Nuancen. Der Nobelhobel fällt einfach auf, fasziniert, verzaubert. Und kaum einer der Verzauberten tippt den richtigen Preis: "Deutlich fünfstellig!, "Zwölf-ungrad?, "mehr als meine CBR 600. Nein, meine Herren: achttausendneunhundertneunzig Euro plus Nebenkosten. Die Brutale geht also nicht nur technisch, sondern auch finanziell auf Konfrontation mit einem gewissen Naked Bike aus England. Allerdings bietet
die Italienerin deutlich mehr Finesse: Ihr sehr kurzer Radstand und der steil stehende Lenkkopf machen sie handlich bis an die Grenze zur Nervosität. Der starke Dreizylinder genießt es sichtlich, bis in den roten Bereich jenseits der 10 000/min gequetscht zu werden. Dank einer obendrein knackig-kurzen Übersetzung fabriziert die Brutale Beschleunigungs- und Durchzugszeiten, dass etablierten Naked Bikes in dieser PS-Liga Hören und Sehen vergehen. Nicht einmal die Positionierung des Fahrers, eine häufige Achillesferse sportlicher Nakeds, gibt Anlass zur Klage: Schmale Tankflanken, ein gemäßigter Kniewinkel, dazu ein passend positionierter und kaum gekröpfter Lenker sind nah dran an der Perfektion. Nur das karge Sitzpolster lässt nach längeren Etappen schon den Wunsch nach einem Zusatzkissen aufkommen. Und bei sehr zügiger Fahrt wirkt das Fahrwerk
bei aller sportlichen Grundstraffheit etwas unterdäpft und gautschig. Überraschendes Testfazit für die extrovertierte Italienerin: Vieles macht sie richtig gut, schlecht macht sie wenig. Ein italienisches Sport-Naked
mit Alltagsqualitäten. (mf)
? Power-Dreizylinder mit viel Charisma und Klang? Prima Sitzposition? Unglaublich handlich und leicht? Knackige Bremsen? Blickfang bis ins Detail? Fairer Preis, fairer Spritkonsum
? Neigt zur Nervosität? Fahrwerk unterdämpft? Cockpit nahezu untauglich? Kabel schludrig verlegt? Hohe Inspektionskosten
Ähnlich stark, aber deutlich behäbiger als die Brutale. Der Vierzylinder läuft weniger rauh als der italienische Drilling. ABS ist an Bord Preis: 9540 Euro
Kawasaki
Z 750 R
Suzuki
GSR 750
Gefällig. Ihre größte Stärke ist der ehemalige GSX-R-Motor als Kraftquelle. Mainstream-Naked-Bike ohne echte Schwäche. Preis: 9015 Euro
Triumph
Street
Triple R
Am ehesten mit der MV vergleichbar: Drei Zylinder, 675 cm³ - aber deutlich mehr Optionen beim Fahrwerk. Nicht ganz so handlich Preis: 9460 Euro
9265
810 mm
1380 mm
16,6 Liter
185 kg
Motor
Betört mit kernigem, bösem Dreizylinder-Sound und toller Leistung. Die Übersetzung ist schön kurz, die Drive-by-wire-Abstimmung geht besser.
Fahrwerk
Wenig Einstellmöglichkeiten, und für die ganz scharfe Fahrt fehlt vorn wie hinten Dämpfung. Handlichkeit am Rande der Nervosität.
Bremsen
Enorm bissig und in Schräglage fast ohne Aufstellmoment. Ein Antiblockiersystem will MV Agusta im nächsten Jahr nachreichen.
Ausstattung
Kassettengetriebe, radial angeschla-gene Bremssättel, Einarmschwinge und viele wunderschöne Details.
Dazu drei wählbare Motor-Mappings.
Komfort
Gar nicht mal so übel! Vor allem die universell taugliche Sitzhaltung bewirkt hier viel. Die Bank ist hart,
der Windschutz auf Urlaub.
Einsteigertauglichkeit
So lala. Natürlich kann man
die Brutale auch ganz sachte und
vorsichtig bewegen. Aber sie verführt zu früh zu viel mehr.

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