Modell-Präsentation: Ducati Gut gemischt

Sie war einer der Stars der INTERMOT, die neue Scrambler. Weil sie das perfekt erledigt, womit sich andere schwertun. Sie mischt gekonnt Alt und Neu, Funktion und Tradition, on- und offroad. Die Scrambler sprüht vor Charme, macht es mit gleich vier Modellvarianten allen leicht – und trifft perfekt den Zeitgeist.

Jetzt ist sie raus aus dem geheimnisvollen gelben Container. Das wurde auch Zeit, denn die scheibchenweise Vorstellung übers Jahr begann sich zu ziehen. Aber das Warten hat sich gelohnt. Selten gab es ein Einsteiger- und Mittelklassemotorrad, das in der Lage war, die Massen derart zu bewegen. Wie kommt das? Vor allem scheint es der faszinierende Stilmix zu sein, der mehrheitsfähig ist.

Aber vielleicht ist es auch viel einfacher. Es könnte am Versprechen liegen, das die Scrambler ganz unmissverständlich gibt: „Auf mir musst du dich nicht anstrengen, es niemandem beweisen. Auf mir geht alles ganz einfach.“ Das ist eine Botschaft, die in die Zeit passt. Zu ihr passt auch der luftgekühlte Motor, der ja mal ein Monster-Triebwerk war. Jetzt scrambelt er eben.

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Die Scrambler – ein Bike für alle Fälle und alle Fahrer?

Aber gescrambelt wird nicht mehr in der ursprünglichen Einzylinder-Form. Auch ein Beleg dafür, wie viel Mühe sie sich in Bologna mit dem neuen Einsteiger-Bike gegeben haben: Der 90-Grad-V2 tritt nun mit 803 statt der bisherigen 796 Kubikzentimeter an. 88 Millimeter Bohrung und 66 Millimeter Hub sollen für einen gleichförmi­geren Drehmomentverlauf sorgen. Unterm Strich ergibt das 68 Newtonmeter Drehmoment, die bei 5750/min erreicht werden, ­sowie 75 PS bei 8250/min. Leistungsfetischisten reißt das nicht vom Hocker. Dem Scrambler-Publikum aber wird es reichen. Mehr noch: 75 PS machen niemandem Angst, sollten aber locker genügen, um alten Motorrad-Hasen einen Schuss Dynamik zu gönnen. Vor allem, weil sich auch das Gewicht im überschaubaren Rahmen hält. Leer 170, vollgetankt 186 Kilogramm – das lässt sich bewältigen. Vom Motor, aber auch vom Fahrer, denn die neue Scrambler wird sich über den hohen, breiten Lenker bequem dirigieren lassen.

Auch der Lenkkopfwinkel des Gitterrohrrahmens fällt mit 66 Grad relativ steil aus, der Standrohrversatz von 112 Millimetern tut ein Übriges. Dazu lebt die Scrambler zumindest vorn auf schlankem Fuß. 110/80 ZR 18 ist ein ebenso handliches wie neutrales Reifenformat, die hintere Pelle fällt da mit 180/55 ZR 17 deutlich breiter aus. Aber: Das sehr gemäßigte Enduroprofil des eigens für die Scrambler produzierten Pirelli MT 60 RS gibt dem Ganzen eine erfrischend rustikale Note und fügt sich nahtlos ins von Ducati „Post-Heritage“ getaufte Design. Ein traditioneller Rundscheinwerfer mit LED-Tagfahr-Lichtkranz und ein einsames Rundinstrument setzen weitere Akzente. Doch Letzteres liefert zeitgemäßes Infotainment: Digitaler Drehzahlmesser im analogen Stil, zwei Tripzähler, Tankanzeige mit Restreichweite, Umgebungstemperatur – in dieser Hinsicht ist die Scrambler ebenso up to date wie bei der Bremsanlage. Ein Bosch-ABS jüngster Generation verhindert zuverlässig den Radstillstand. Das wird es brauchen, wenn die Vierkolben-Monoblockzange von Brembo vehement in die fünf Millimeter dicke und stolze 330 Millimeter große Soloscheibe am Vorderrad beißt. Die Scrambler – ein Bike für alle Fälle und alle Fahrer? Fast. Zu lange Beine sollte man nicht haben, denn dann wird der Kniewinkel sehr, sehr eng.

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Die „Icon“: ein urbanes Allzweckgerät

Vier Varianten sollen ab Ende Januar in den Auslagen der Ducati-Händler stehen. Basis ist die „Icon“, die es in Gelb und Rot gibt. Mit 8390 Euro ist sie die Güns­tigste, während die übrigen drei einheitlich 9790 Euro kosten werden. Zum Beispiel die „Urban Enduro“ in Nato-Grün, die trotz des erdigen Namens weder längere Federwege (150 Millimeter bei allen Scrambler-Varianten) noch andere Reifen trägt. Dafür aber Draht-Speichenräder, einen Ölwannenschutz, einen hochgelegten Frontkotflügel und einen Gitterschutz vor dem Scheinwerfer. Dazu Gabel-Protektoren aus Kunststoff und eine Lenker-Querstrebe sowie einen anderen Sitzbankbezug – fertig ist das ­urbane Allzweckgerät, das auch einen Ausflug ins Grüne durchaus vertragen sollte.

Dasselbe gilt im Prinzip auch für die dritte und wohl kernigste Variante, die „Full Throttle“ im Flat-Track-Stil: Mattschwarz, mit schwarzem Rahmen und schwarzer Sitzbank, ist es vor allem ihr flacherer Lenker, der sie muskulöser wirken lässt. Dazu passt der als Doppelrohr ausgeführte kurze Slip-on-Schalldämpfer von Termignoni genauso gut wie die kurze Sitzbank, der extrem knapp geschnittene Front-Kotflügel und der schwarze Tank-Seitendeckel.

Bleibt noch die Scrambler „Classic“ für jenen Teil der Kundschaft, der sich noch am ehesten an das historische Einzylinder-Vorbild aus den 60er-Jahren erinnern kann. Mit ihren Metall-Kotflügeln und dem traditionellen Kennzeichenhalter statt der an der Schwinge befestigten, mitfedernden Platte wirkt sie beinahe seriös. Auch die Draht-Speichenräder erinnern an die guten alten Zeiten. Dazu gesellt sich ein im Rautenmus­ter abgesteppter brauner Sitzbankbezug aus Lederimitat und ein dem Original nachempfundener schwarzer Streifen mittig auf dem Tank, der übrigens 13,5 Liter fasst und bei allen Scrambler-Modellen aus Stahlblech gefertigt wird.

Technische Daten

Ducati Scrambler Icon: Zweizylinder-90-Grad-V-Motor, 803 cm³, 55 kW (75 PS) bei 8250/min, 68 Nm bei 5750/min, Stahl-Gitterrohrrahmen, Upside-down-Gabel, Federweg vorn/ hinten 150/150 mm, Scheibenbremse vorn/hinten, Ø 330/245 mm, Reifen vorn 110/80 ZR 18, hinten 180/55 ZR 17, Sitzhöhe 790 mm, Tankinhalt 13,5 Liter, Gewicht vollgetankt 186 kg, Preis Icon 8390 Euro (die drei übrigen Modelle je 9790 Euro).

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