Kultbike: Yoshimura - Suzuki GS 700 ES Yoshimura - Suzuki GS 700 ES

Vor exakt 30 Jahren nahm ein junger, damals noch unbekannter Texaner Platz auf diesem AMA-Superbike und fuhr die Konkurrenz in Grund und Boden.

„Mit ihr konnte man alles machen, und es ging immer gut.“ Der Rückblick von Rennlegende Kevin Schwantz auf sein erstes „echtes“ Rennmotorrad kommt einem Ritterschlag für die Yoshimura-Suzuki gleich. Dabei war die 700er alles andere als auf der Höhe der Zeit. Doch dazu später. Wer denkt, dass Kevin schon immer mit Suzuki verheiratet war, der irrt. Vor dem eigentlichen Start seiner Racer-Karriere fegte der Texaner ausschließlich mit getunten Yamahas über amerikanische Rundkurse: FJ 600, RZ 350 oder XV 1000 als schräger Superbike-Umbau.

Material aus dem elterlichen Yamaha-Laden. John Ulrich war ­damals auf einer 1150er-Moriwaki-Suzuki in der Langstrecken-WM unterwegs, als ihm bei Trainingsfahrten der damals 20-jährige Schwantz auffiel: „Ich folgte ihm durch das Karussell in Nelson Ledges, eine lang gezogene Rechts mit einem fiesen Haken am Ende. Durch die ganze Kurve hatte der Kerl Lenkerschlagen wie verrückt, aber er dachte überhaupt nicht daran, das Gas mal etwas zuzudrehen. Er fuhr einfach unglaublich radikal.“

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„Unterschreiben, unterschreiben, bitte, hier unterschreiben!“

Ulrich gab den Jungs von Yoshimura America den Tipp, Kevin mal auf die GS 700 ES zu setzen, die sie gerade für die AMA-Superbike-Meisterschaft konzipierten. Das Team hatte zuvor mit Wes Cooley auf einer GS 1000 zwei Superbike-Titel eingefahren – stand jetzt aber vor den zwei Problemen, dass sie durch die Beschränkung auf 750 cm³ ein neues Bike aufbauen mussten und Cooley deshalb wechseln wollte.

Die Sichtung für das neue Team begann am 4. Dezember 1984 in Willow Springs, Kalifornien. Auch handfeste AMA-Cracks wie Scott Gray und Todd Brubaker waren vor Ort, um sich einen Platz im Yoshimura-Team zu sichern und „dem Texas-Kid den Arsch zu versohlen“, wie sich Schwantz heute erinnert. „Sie wussten aber nichts von meinem 24-Stunden-Rennen mit der FJ kurz davor in Willows – ich kannte die Strecke wie meine Westentasche.“

Doch das half am Anfang wenig. Trotz aller Chuzpe siegte zunächst die Nervosität. Beim ersten Start zu den Proberennen würgte Kevin die Suzuki ab und musste dem Feld hinterherfahren: „Ich dachte nur, f…, jetzt musst du dich sputen. Am Ende überholte ich alle und brach den Superbike-Rundenrekord.“ Eine perfekte Voraussetzung für Schwantz, um beim zweiten Rennen von Anfang an wieder in gewohnter Souveränität durchzustarten – und die Rundenzeiten nochmals zu toppen: „Als ich vom Motorrad stieg, stand Yoshimuras Rennchef Suehiro Watanabe da, hielt mir ein Papier unter die Nase und sagte unentwegt: Unterschreiben, unterschreiben, bitte, hier unterschreiben!“

Kevin tat es und machte erst damit aus der eigentlich komplett unterlegenen Suzuki einen echten Racer. Während Hondas wassergekühlte VF 750 schon mit HRC-Technik vollgestopfte Knallerbikes waren, musste der luftgekühlte, auf 750 Kubik aufgebohrte Four mühsam auf Leistung getrimmt werden. Und trotzdem fehlten am Ende immer noch rund 10 PS zur Honda. Das zu kompensieren, war Kevins Job. Mit Erfolg: Im April 1985 schlug Schwantz den amtierenden Meister Fred Merkel auf dessen Werks-Honda und gewann sein erstes AMA-Superbike-Rennen.

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Daten

Luftgekühlter Vier­zylinder-Viertakt-Reihenmotor, 699 cm³, 59,7 kW (80 PS) bei 9300/min, 63 Nm bei 8500/min, Fünfganggetriebe, Stahlrohrrahmen, Gewicht vollgetankt ca. 244 kg, Reifen v. 90/100-19, h. 130/90-16, Tankinhalt 15 Liter.

AMA-Superbike-Umbau

Hubraumerweiterung auf 750 cm³, Schmiedekolben und Titanwellen von Yoshimura, 12-Scheibenkupplung aus einer GS 750 von 1979, Yoshimura-Zylinderköpfe mit speziellen Rennstrecken-Layouts, Leistung ca. 118 PS bei 11 500/min, Fahrwerk mit Umbau auf 18-Zoll-Bereifung, Aluminium-Schwinge mit Radstandsverlängerung um 60 Millimeter, Gabel und Bremsen von Werks-RG 500.

Modellgeschichte

Die 700er der Suzuki GS-Reihe wurde von 1984 bis 1987 ausschließlich für den US-amerikanischen Markt angeboten. ­Hintergrund für dieses damals ungewöhnliche Hubraumformat war die Erhebung von hohen Importzöllen für Motorräder ab 750 Kubik. Mit dieser Maßnahme versuchte die US-Regierung unter Ronald Reagan, Harley-Davidson vor der günstigen Fernost-Konkurrenz zu schützen. Die Suzuki GS 700 wurde in den USA als Naked Bike („E“) und mit Bikini-Halbschale („ES“) angeboten.

Club/IG/Internet: www.suzuki-classic.de

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