INTERMOT-Rundgang Muth zur Schönheit

Während sich die Journalisten-Kollegen auf der Motorradmesse INTERMOT in Köln von einer Neuheiten-Pressekonferenz zur nächsten drängelten, nutzte ein MOTORRAD-Redakteur Zeit und Raum, um mit dem Designer Hans A. Muth einen Rundgang fernab des Mainstreams zu machen.

Was willst du mit dem alten Mann denn auf der Messe? Der nörgelt doch sowieso nur wieder herum.“ Die mahnenden und ziemlich direkten Worte des Kollegen sind verständlich, denn wer die letzten öffentlichen Statements des Designers Hans A. Muth nur oberflächlich wahrgenommen hat (zum Beispiel im Interview zur BMW-Studie „Concept Ninety“ in MOTORRAD 22/2013), mag tatsächlich den Eindruck bekommen haben, dass da ein typischer Früher-war-alles-besser-Schnacker am Werke ist.

Der ehemalige BMW-Designer und Gestalter der legendären R 90 S und R 100 RS polarisiert nun mal: Viele Fans der BMW-Youngtimer hängen an seinen Lippen; für nicht wenige aktuelle BMW-Manager ist Muth dagegen ein rotes Tuch. Das hängt wohl hauptsächlich damit zusammen, dass der 79-jährige Muth mit dem aus seiner Sicht oft recht konzeptlosen Plastikdeckelchen-hier-Plastikdeckelchen-dort-Design aktueller Motorräder nicht viel anfangen kann. Besonders die Bayern, aber auch japanische Motorradhersteller bekommen immer wieder seinen Un-Muth zu hören.

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Der „alte“ Mann beweist jungen Design-Geschmack

Dass der in der Branche immer noch aktive Hans A. Muth aber kein grundsätzliches Problem mit aktuellem Design hat, beweist er regelmäßig. Zuletzt mit seiner Hilfestellung bei der Gestaltung der Suzuki Fat Mile (MOTORRAD 19/2014). Und wer sich etwas länger mit dem gebürtigen und überzeugten Preußen über (Motorrad-)Design unterhält, kann auch den lobenden Muth erleben, der in der aktuellen Motorradszene durchaus Beispiele für gutes Design findet. Genau darum ging es auch bei einem INTERMOT-Rundgang der etwas anderen Art.

Ziel war es, möglichst viele Produkte zu finden, die in den Augen des Designers Muth als „schön“ bestehen können – Produkte, also nicht nur Motorräder, sondern auch Zubehör und Bekleidung. Während sich die motorradaffine Weltpresse auf die Top-Neuheiten stürzte und von einer Pressekonferenz zur nächsten eilte, schlenderten der MOTORRAD-Redakteur und der ­Motorrad-Designer in aller Ruhe durch die Kölner Hallen und suchten die Schönheit. Total subjektiv und ohne irgendeinen Neuheiten-Anspruch.

Fündig wurden sie auch an etwas abgelegenen Ständen des Messegeländes und bei eher unbekannten Anbietern. Der Begriff „schön“ wurde ab und an zu einem „schön schrill“ oder „ganz schön frech“ erweitert, Hauptsache, das Objekt weckte im positiven Sinne die Neugier des Meisters. Und der lag mit seinen Urteilen wohl wirklich nicht so sehr daneben, denn ausgerechnet der Muth-Favorit in der inoffiziellen Schönheitskategorie „schön konsequent“ errang einige Tage später ganz offiziell den Weltmeistertitel in der Freestyle-Klasse der renommierten „AMD Word Championship of Custom Bike Building“, der Weltmeisterschaft der Motorrad-Umbauer. Womit wohl bewiesen wäre, dass der „alte“ Mann immer noch einen jungen Design-Geschmack hat.

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