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Asien: Unterwegs in Myanmar Lachen und Freundlichkeit sind allgegenwärtig

Große Motorräder gibt es nicht in Myanmar. Das Eigene mitzunehmen ist kompliziert, ein kleines Bike mieten erschließt ein tolles Land.

Burma oder Myanmar, allein die Namen füllen das Kopfkino mit exotischen Bildern: Menschen, Tiere, Farben, Düfte und Landschaften, alles ganz fremdartig, anders als im benachbarten Thailand, oder? Für uns war es schon lange ein Traum, diesen weißen Fleck auf der Weltkarte der Motorradreisenden einmal mit eigenen Maschinen zu befahren, aber zunächst scheint das unmöglich.

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"Bergige Piste wurde extra für uns gesperrt"

Myanmars sozialistisches Militärregime schert sich nicht um die Wünsche weltreisender Motorradfahrer, die Einreise auf dem Landweg ist generell schwierig. Und dann, nach zähen Verhandlungen mit offiziellen Stellen, stehen wir wirklich vor der Grenze. Die Beamten sind unerwartet freundlich und schließen ihren Grenzposten. Der feierliche Akt der ersten offiziellen Einreise großer Westmotorräder wird fotografisch dokumentiert, der Papierkram diskret und schnell erledigt, und dann sind wir drin. Eine Polizeieskorte begleitet uns auf den ersten Kilometern im Land unserer Träume über eine Staubstraße. Es gibt keinen Verkehr, weil man die bergige Piste extra für uns gesperrt hatte, wie wir wenig später erfahren.

Die als Prestigeprojekt des Militärregimes 2005 eröffnete Stadt wirkt mit ihren Luxushotels, Shoppingzentren und zehnspurigen Prachtstraßen völlig unwirklich im Kontrast zum Rest des Landes. Vor allem, weil außer uns niemand unterwegs ist: Die riesigen Highways sind wie ausgestorben. 340 Kilometer weiter südlich erstrecken sich dann im positiven Sinn unwirklich die Tempelanlagen von Bagan. Der Blick auf über 2000 mittelalterliche Pagoden und Tempel zählt zu den großartigsten Momenten in Myanmar. Speziell bei Sonnenuntergang raubt die alte Königsstadt, eines der größten Tempelruinenfelder der Welt, jedem Besucher endgültig den Atem.

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Foto: Fania
Moderne Tankstellen in den Städten, allerdings mit schlechter Spritqualität.
Moderne Tankstellen in den Städten, allerdings mit schlechter Spritqualität.

Und wer kann schon von sich sagen, dieses Wunder mit dem eigenen Motorrad entdeckt zu haben? Wir cruisen staunend auf Sandwegen zwischen den sakralen Ziegelgebäuden hin und her, es ist wie eine Reise durch einen Fantasyfilm. Dieser Eindruck ändert sich kaum, als wir parallel zum Irrawadi, dem größten Fluss des Landes, nach Süden kurven. Die Menschen sind unerwartet offen, laden uns zu Rikschafahrten und Straßenfesten mit lokaler Popmusik ein, burmesische Punks wollen auf unseren Maschinen posieren. Selbst Schulkinder haben diesen Wunsch, nachdem sie die Scheu vor uns raumfahrermäßig gekleideten „Westlern“ verloren haben. Endlich lädt Filippo zur allgemeinen Belustigung einen jungen Mann ein, mit ihm zu fahren. Stolz winkt dieser Freunden und Bekannten vom Soziussitz aus zu. Das Lächeln will anschließend nicht mehr aus seinem Gesicht verschwinden, ab jetzt spart er auf ein großes Motorrad. Weil der Zuspruch der Bevölkerung so groß ist, kommen wir nicht so schnell voran wie erwartet. Doch die Piste in Richtung Mawlamyine, einer Hafenstadt am Meer, hat noch eine andere Überraschung parat. Rund 90 Kilometer vor dem Ziel bricht ohne Vorwarnung das Federbein an Filippos GS.

Das Hinterrad kracht in den Radkasten und blockiert, Filippo kann die Maschine ganz knapp ohne Sturz zum Stehen bringen, doch an Weiterfahrt ist so schnell nicht zu denken. Wir stehen in einem Pulk von Menschen, die interessiert Filippos improvisierte Reparaturmaßnahme begutachten und kommentieren. Mit einem Stück Keilriemen als Polsterung, ein paar Schlauchschellen und einem Zurrgurt wird das Federbein halbwegs geflickt, doch der Reifen ist beschädigt und die Maschine hängt hinten so weit runter, dass an die Befahrung holpriger Staubpisten nicht mehr zu denken ist. Langsam schleichen wir weiter, doch weil die Pisten zurück Richtung Thailand wieder hart werden, muss die GS aufgeben und auf einen Pick-up verladen werden. Schade, denn ihr entgeht noch einiges.

Staub, Steine, auf die Piste rennende Tiere, das normale Leben in Asien eben. Trotzdem brennt der Wunsch, noch mehr von diesem kulturell reichen Land zu entdecken. Denn es verändert sich: Sanktionen werden aufgeweicht, was wirtschaftlich erste Blüten schlägt, westlicher Lebensstil vermischt sich mit dem Buddhismus, die krasse Bürokratie wird gelockert, Geschäftsleute bevölkern die Städte. Doch auf dem Land herrscht meistens noch ein von Armut geprägtes, ursprüngliches Leben. In den Städten Yangoon und Mandalay sind Motorräder übrigens verboten, doch es ist ja in erster Linie das Land, das die Reise lohnt.

Foto: Werel

Infos

Myanmar
Hauptstadt: Naypyidaw, Fläche: 678 500 km², Unabhängigkeit: 1948, Währung: Kyat, Einwohnerzahl: 53 999 995

Allgemeines:
Myanmar alleine mit dem Motorrad geht noch nicht. Für die Reiseplanung muss man mit einer Agentur kooperieren, die Route muss vorher genehmigt werden. Außerdem wird man von einem offiziellen Guide der Regierung begleitet. Erfahrungen zur Durchreise von Indien nach Thailand mit dem Motorrad gibt es noch nicht, hilfreiche Infos kommen aber beispielsweise von Jörg Waldmann in Bangkok: djosmann@gmail.com. Ein Visum ist obligatorisch. Es muss im Vorfeld bei der Botschaft Myanmars (www.botschaft-myanmar.de) oder über einen Reiseveranstalter beantragt werden. Infos zu den Autoren: www.2livethedream.com

Organisierte reisen:
Es gibt bis dato wenig Veranstalter, die geführte Touren im Land anbieten, alle nur auf kleinen Bikes bis 250 cm³. Beispiel: www.ride-lara.com

Reisezeit:
November bis März. In dieser Zeit gibt es kaum Regen, und die Temperaturen sind nicht zu heiß. Die Nächte werden kühl.

Foto: Werel

Benzin:
Tankstellen gibt es entlang der Hauptrouten häufig. Die Spritqualität ist schlecht. 95 Oktan sind sehr selten, selbst 92 Oktan entsprechen vermutlich real 87 Oktan.

Geld:
Die Währung ist Kyat (ein Euro gleich 1200 Kyat). Geld wird in den Touristenzentren gewechselt, Geldautomaten existieren nicht. Man sollte ausreichend US-Dollar dabeihaben, einen Teil in kleinen Scheinen. Krass: Die Noten dürfen nicht beschädigt/verknickt sein, ansonsten gelten sie als entwertet.

Unterkunft:
In den Touristenzentren gibt es viele Hotels, die gemessen am Preisniveau des Landes recht teuer und von November bis Februar oft überfüllt sind. Reisende müssen Hotels vorbuchen, Privatunterkünfte sind verboten.

Karten/Literatur:
Nelles Map Myanmar, 1:1 500 000, 8,90 Euro. Und: www.worldmap finder.com. Stefan Loose-Führer, 24,99 Euro; Nelles Guide, 15,99 Euro.

Burma oder Myanmar, allein die Namen füllen das Kopfkino mit exotischen Bildern: Menschen, Tiere, Farben, Düfte und Landschaften, alles ganz fremdartig, anders als im benachbarten Thailand, oder? Für uns war es schon lange ein Traum, diesen weißen Fleck auf der Weltkarte der Motorradreisenden einmal mit eigenen Maschinen zu befahren, aber zunächst scheint das unmöglich. Myanmars sozialistisches Militärregime schert sich nicht um die Wünsche weltreisender Motorradfahrer, die Einreise auf dem Landweg ist generell schwierig. Und dann, nach zähen Verhandlungen mit offiziellen Stellen, stehen wir wirklich vor der Grenze. Die Beamten sind unerwartet freundlich und schließen ihren Grenzposten. Der feierliche Akt der ersten offiziellen Einreise großer Westmotorräder wird fotografisch dokumentiert, der Papierkram diskret und schnell erledigt, und dann sind wir drin. Eine Polizeieskorte begleitet uns auf den ersten Kilometern im Land unserer Träume über eine Staubstraße. Es gibt keinen Verkehr, weil man
die bergige Piste extra für uns gesperrt hatte, wie wir wenig später
erfahren. Mit schlechtem Gewissen schleichen wir an der langen Schlange wartender Fahrzeuge vorbei und rechnen damit, dass
die Menschen ihrer Verärgerung Luft machen würden. Nichts dergleichen. Sie winken fröhlich. Wir passieren goldene Pagoden und bollern durch grüne Reisfelder. Auch hier winken Bauern, Priester, Passanten freundlich lächelnd. Im Kontrast dazu stehen die Platzkämpfe auf dem Weg zur Volksattraktion "Golden Rock", einem goldgetünchten Felsen, der spektakulär über einem Abgrund hängt und angeblich von einem Haar Buddhas in Position gehalten wird. Das letzte Stück Anfahrt erfolgt in Lastwagen, auf deren
Ladefläche 40 Personen Platz finden. An diesem Morgen möchten
allerdings nicht 40 oder 80, sondern 40 000 Menschen zur Pilger-
stätte, und das sorgt schon für die eine oder andere Rangelei. Zeit darf am goldenen Stein keine Rolle spielen, doch wir geraten in Stress, haben noch über 400 Kilometer vor uns bis nach Naypyidaw,
der neuen Hauptstadt Myanmars. Aufgrund der Verspätung müssen
wir im Dunkeln fahren, immer auf der Hut vor Menschen, Tieren, Schlaglöchern oder forsch bewegten Fahrzeugen ohne Licht.
Die als Prestigeprojekt des Militärregimes 2005 eröffnete Stadt wirkt mit ihren Luxushotels, Shoppingzentren und zehnspurigen Prachtstraßen völlig unwirklich im Kontrast zum Rest des Landes. Vor allem, weil außer uns niemand unterwegs ist: Die riesigen
Highways sind wie ausgestorben. 340 Kilometer weiter südlich er-
strecken sich dann im positiven Sinn unwirklich die Tempelanlagen von Bagan. Der Blick auf über 2000 mittelalterliche Pagoden und Tempel zählt zu den großartigsten Momenten in Myanmar. Speziell bei Sonnenuntergang raubt die alte Königsstadt, eines der größten Tempelruinenfelder der Welt, jedem Besucher endgültig den Atem.
Und wer kann schon von sich sagen, dieses Wunder mit dem
eigenen Motorrad entdeckt zu haben? Wir cruisen staunend auf Sandwegen zwischen den sakralen Ziegelgebäuden hin und her, es ist wie eine Reise durch einen Fantasyfilm. Dieser Eindruck ändert sich kaum, als wir parallel zum Irrawadi, dem größten Fluss des Landes, nach Süden kurven. Die Menschen sind unerwartet offen, laden uns zu Rikschafahrten und Straßenfesten mit lokaler Popmusik ein, burmesische Punks wollen auf unseren Maschinen posieren. Selbst Schulkinder haben diesen Wunsch, nachdem sie die Scheu vor uns raumfahrermäßig gekleideten "Westlern" verloren haben. Endlich lädt Filippo zur allgemeinen Belustigung einen jungen Mann ein, mit ihm zu fahren. Stolz winkt dieser Freunden und Bekannten vom Soziussitz aus zu. Das Lächeln will anschließend nicht mehr aus seinem Gesicht verschwinden, ab jetzt spart er auf ein großes Motorrad. Weil der Zuspruch der Bevölkerung so groß ist, kommen wir nicht so schnell voran wie
erwartet. Doch die Piste in Richtung Mawlamyine, einer Hafenstadt am Meer, hat noch eine andere Überraschung parat. Rund
90 Kilometer vor dem Ziel bricht ohne Vorwarnung das Federbein an Filippos GS.
Das Hinterrad kracht in den Radkasten und blockiert, Filippo kann die Maschine ganz knapp ohne Sturz zum Stehen bringen, doch an Weiterfahrt ist so schnell nicht zu denken. Wir stehen in einem Pulk von Menschen, die interessiert Filippos improvisierte Reparaturmaßnahme begutachten und kommentieren. Mit einem Stück Keilriemen als Polsterung, ein paar Schlauchschellen und einem Zurrgurt wird das Federbein halbwegs geflickt, doch der Reifen ist beschädigt und die Maschine hängt hinten so weit runter, dass an die Befahrung holpriger Staubpisten nicht mehr zu denken ist. Langsam schleichen wir weiter, doch weil die Pisten zurück Richtung Thailand wieder hart werden, muss die GS aufgeben und auf einen Pick-up verladen werden. Schade, denn ihr entgeht noch einiges.Staub, Steine, auf die Piste rennende Tiere, das normale Leben in Asien eben. Trotzdem brennt der Wunsch, noch mehr von diesem kulturell reichen Land zu entdecken. Denn es verändert sich: Sanktionen werden aufgeweicht, was wirtschaftlich erste Blüten schlägt, westlicher Lebensstil vermischt sich mit dem Buddhismus, die krasse Bürokratie wird gelockert, Geschäftsleute be-
völkern die Städte. Doch auf dem Land herrscht meistens noch
ein von Armut geprägtes, ursprüngliches Leben. In den Städten Yangoon und Mandalay sind Motorräder übrigens verboten, doch es ist ja in erster Linie das Land, das die Reise lohnt.
www.motorradonline.de/unterwegs
Karte: Claudia Werel/Mairdumont
Myanmar
Hauptstadt: Naypyidaw, Fläche: 678 500 km2Unabhängigkeit: 1948, Währung: KyatEinwohnerzahl: 53 999 995
Reisedauer: sieben Tage
Gefahrene Strecke: 2200 Kilometer
Allgemeines: Myanmar
alleine mit dem Motorrad geht noch nicht. Für die Reiseplanung muss man mit einer Agentur kooperieren, die Route muss vorher genehmigt werden. Außerdem wird man von einem offiziellen Guide der Regierung begleitet. Erfahrungen zur Durchreise von Indien nach Thailand mit dem Motorrad gibt es noch nicht, hilfreiche Infos kommen aber beispielsweise von Jörg Waldmann in Bangkok: djosmann@gmail.com. Ein Visum ist obligatorisch. Es muss im Vorfeld bei der Botschaft Myanmars (www.botschaft-myanmar.de) oder über einen Reiseveranstalter beantragt werden. Infos zu den
Autoren: www.2livethedream.comOrganisierte reisen: Es gibt bis dato wenig Veranstalter, die geführte Touren im Land anbieten, alle nur auf kleinen Bikes bis 250 cm³. Beispiel: www.ride-lara.comReisezeit: November bis März. In dieser Zeit gibt es kaum Regen, und die Temperaturen sind nicht zu heiß. Die Nächte werden kühl.Benzin: Tankstellen gibt es entlang der Hauptrouten häufig. Die Spritqualität ist schlecht. 95 Oktan sind sehr selten, selbst 92 Oktan entsprechen vermutlich real 87 Oktan.Geld: Die Währung ist Kyat (ein Euro gleich 1200 Kyat). Geld wird
in den Touristenzentren gewechselt, Geldautomaten existieren nicht. Man sollte ausreichend US-Dollar dabeihaben, einen Teil in kleinen Scheinen. Krass: Die Noten dürfen nicht beschädigt/verknickt sein,
ansonsten gelten sie als entwertet.Unterkunft: In den Touristenzentren gibt es viele Hotels, die gemessen am Preisniveau des Landes recht teuer und von November bis Februar oft überfüllt sind. Reisende müssen Hotels vorbuchen, Privatunterkünfte sind verboten.Karten/Literatur: Nelles Map Myanmar, 1:1 500 000, 8,90 Euro. Und: www.worldmap
finder.com. Stefan Loose-Führer, 24,99 Euro; Nelles Guide, 15,99 Euro.

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