2014 hat MOTORRAD sie bereits angekündigt. Nun wird der Traum wahr.

Neuheit Yamaha XT 700 Z Ténéré Der vierte Streich

Yamaha XT 700 Z Ténéré. MOTORRAD hatte sie schon lange angekündigt. Um genau zu sein, bereits im Sommer 2014. Wir haben geträumt vom tollen MT-07-Twin in einer waschechten Reiseenduro zum günstigen Preis. Der Traum wird wahr, wie das Erlkönigfoto oben rechts beweist.

Wenn wir nur nochmal spekulieren dürften! Jetzt, wo die neue Tracer 700 gerade frisch aus dem Sack ist. Wir würden radikaler denken, viel radikaler. Schon allein deshalb, weil der Entwurf von MOTORRAD-Designer Stefan Kraft von 2014 doch sehr nahe dran ist an dem, was die neue Tracer 700 jetzt schon bietet. Der damals von uns als XTZ 700 bezeichnete Twin war zwar optisch eindeutig Enduro, technisch jedoch und von den Abmessungen her war sie viel näher an einem „Sporttourer“ vom Schlage der Tracer als an einer radikalen Enduro mit echtem Abenteuercharakter.

Aber – das wissen wir jetzt – genau so wird sie ausgerichtet sein, die neue Enduro. Daran bestehen nach der Sichtung der ersten Erlkönigfotos keine Zweifel. Was wir nicht zu denken gewagt haben, wird wahr. Das neue Bike wird eine waschechte Ténéré werden, mit 21-Zoll-Rad vorne und 18-Zöller hinten, sie wird leicht und luftig werden, hochbeinig und mit radikaler Wüstenoptik. Doch der Reihe nach.

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Gerno di Lesmo, das Hauptquartier von Yamaha Motor Racing vor den Toren von Mailand, in Schlagdistanz zur berühmten Monza-Rennstrecke. Das Yamaha MotoGP-Team ist hier zu Hause, hier werden die Offroad-Aktivitäten gebündelt, und für die Serie entwickelt wird hier auch. So gesehen ist es kein Wunder, dass der neue MT-07-Ableger dem Erlkönig-Jäger hier vor das Objektiv fährt. Sport, Offroad, Serie – genau diese Elemente sind es, die Yamaha hier zusammen bringt. Und zwar in dieser Reihenfolge. Mit dem Ergebnis, dass die stringente Gleichteilestrategie bei diesem MT-Derivat zum ersten Mal an ihre Grenzen stößt. Konkret: Im Gegensatz zur Tracer und XSR 700 dürfte es bei der Ténéré wirklich nur der Motor sein, der unverändert den Weg in die Enduro findet. Das heißt: 75 PS, 68 Newtonmeter Drehmoment. Das reicht und ist viel, viel mehr, als die Vorgängerin XT 660 Z Ténéré je zu bieten hatte (siehe Leistungsmessung). Haushoch liegt die Leistung über den gesamten Drehzahlbereich über der Einzylinder-Kurve, und auch Drehmoment wird über einen viel breiteren Bereich reichlich eingeschenkt.

Davon, dass der MT-Twin mit seinen kompakten Abmessungen, dem geringen Gewicht und seinem kernigen V2-Charakter ein idealer Reiseenduro-Antrieb ist, waren nicht nur Experten schon lange überzeugt. Und tatsächlich: Ganz selbstverständlich schmiegt er sich in den Gitterrohrrahmen, der zwar die bestehenden Motoraufnahmen nutzt, aber mit verschraubten Unterzügen (für die Aufnahme des Motorschutzes) und einem weitaus flacheren, ebenfalls verschraubten Rahmenheck allerhand Neues zu bieten hat. Vor allem im Bereich der ebenfalls neuen und längeren Schwinge, die sich nun nicht mehr über ein direkt angelenktes Federbein, sondern über eine Umlenkhebelei am Rahmen abstützt. Anders ist das bei den gewünschten Federwegen – MOTORRAD schätzt vorne an der massiven Upside-down-Gabel um die 220, hinten um die 200 Millimeter – wohl nicht zu machen.

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Dass die Auspuffführung in der Serie dem Provisorium des Erlkönigs entspricht, darf angesichts der Bilder stark bezweifelt werden. Aber eins ist auch klar: Die aktuelle MT-07-Lösung kommt keineswegs infrage. Es muss also noch ein wenig gebastelt werden. Wie überhaupt die vielen Provisorien darauf hindeuten, dass mit dem Verkaufsstart frühestens 2018 zu rechnen ist. An der eindeutigen Rallye-Optik mit weit heruntergezogenen Tankflanken wird jedoch auch die weitere Entwicklung nichts ändern. Hier hat der MOTORRAD-Computerkünstler die Formen weitgehend vom Erlkönig übernommen. Vermutlich wird der zusätzliche Spritvorrat aber nicht hier, sondern unter der Sitzbank gespeichert, während die Flanken lediglich als Kühlerverkleidungen fungieren. Ebenfalls als gesetzt darf die beinahe senkrecht im Wind stehende Verkleidungsfront mit der eher zierlichen Scheibe gelten. Wie gesagt: Wer gemütlich touren will, soll bei Yamaha zur Tracer greifen. Die neue Ténéré ist eindeutig etwas fürs Grobe.

Und mit welchen Eckdaten dürfen wir nun rechnen? Auf jedem Fall mit einem absolut konkurrenzfähigen Gewicht. Um die 200 Kilogramm sollten möglich sein, mehr als 210 wären ein No-Go. Beim Preis dürfte die angepeilte Marke bei 9000 Euro liegen. Damit stände die waschechte Abenteuer-Enduro dann ziemlich konkurrenzlos da. Die BMW F 700 GS ist zwar ähnlich stark, aber viel ziviler, während F 800 GS und Konsorten deutlich stärker, schwerer und teurer sind. Und so könnte die 700er-Ténéré tatkräftig mithelfen beim Wiedererstarken der 21-Zoll-Fraktion und den Impuls verstärken, den die Honda Africa Twin so erfolgreich ausgelöst hat. In einer tieferen Preis- und Leistungsliga und damit viel näher dran am Abenteuer-Nachwuchs.

Foto: Archiv
Die XT 660 Z transportiert optisch ein Rallye-Versprechen, das sie technisch nicht halten kann.
Die XT 660 Z transportiert optisch ein Rallye-Versprechen, das sie technisch nicht halten kann.

Die Letzte ihrer Art

Sie wirkt wie ein Dinosaurier, die Einzylinder-Ténéré. Und irgendwie ist sie auch einer. Ihr mächtiger Eintopf ist bei knapp 50 PS stehen geblieben, ihr Gewicht streift die 220 Kilogramm. Es ist Zeit abzutreten.

Bei dieser Ahnenreihe darf man stolz sein. Und vielleicht sogar ein wenig rückwärtsgewandt. Bereits 1983 erblickte ihre Urahnin XT 600 Z Ténéré das Licht der Welt. Damals, als man noch von Paris nach Dakar fuhr und die Wüsten dieser Welt noch ganz weit weg waren. Bis 1991 dauerte ihre Karriere, dann reichten 600 cm3 und vier Ventile nicht mehr aus. Ein neuer Single musste her, jetzt mit fünf Ventilen und absolut State of the Art. Dessen Karriere ging dann wiederum acht Jahre und wurde seit 1998 gar flankiert vom Reihentwin der XTZ 750 Ténéré, wenn man so will, der direkten Vorläuferin der neuen 700er. Der XTZ war jedoch als Gegnerin der Africa Twin kein Erfolg beschieden. Ebenso ging es der aktuellen XT 660 Z Ténéré, seit 2008 und damit auch schon acht Jahre im Yamaha-Programm. Stabil, aber schwer und auch zu schwach ist sie ein Fall für Fans – und die werden immer weniger.

Leistungsmessung

Zweizylinder gegen Single – das scheint und ist ein ungleicher Zweikampf. Jedenfalls, wenn es sich um so eine betagte Konstruktion wie den Yamaha-Eintopf handelt. Nominell 48, gemessen 49 PS – das war vor Jahren eine gängige Größenordnung. Aktuell zeigt KTM mit weit über 70 PS, was beim Einzylinder geht. Der kompakte und leichte Reihen-Zweizylinder der MT-07 ist in jeder Hinsicht überlegen.

Wenn Sie das Leistungsmessungsdiagramm mit den von MOTORRAD ermittelten Messdaten möchten, können Sie den Artikel als PDF zum Download kaufen.

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