Intermot: Messe Custombike-WM Erlaubt ist, was gefällt

Premiere Nr. 1: Zum ersten Mal zeigten die besten Umbauer der Welt auf der INTERMOT ihre neuesten Werke. Dabei traten aus 22 Ländern 81 Maschinen zur nunmehr elften Weltmeisterschaft der Customizer gegeneinander an. Premiere Nr. 2: Am Ende gewann eine BMW. Aus Belgien, nicht aus Berlin.

Wer als Messebesucher in Köln von Maschinen von der Stange irgendwann genug hatte, der fand in der Cus­tombike-Show des US-Händlerverbands AMD (American Motorcycle Dealer) hochwillkommene Abwechslung: 81 Maschinen parkten da, allesamt Unikate, allesamt er­dacht und aufgebaut in feinster Handarbeit und mit meist edelsten Werkstoffen, oft bis tief hinein ins Innere des Ölsumpfs. Einzige Vorgabe für die Erbauer, um an­zutreten im Kampf um den Titel: Der Motor muss anspringen, und das Motorrad muss fähig sein, sich aus eigener Kraft ­fortzubewegen. Wie lange oder wie weit? Spielt dabei keine Rolle.

Unter den fünf Kategorien „Retro Modified“ (Umbau auf Basis einer Vor-1984er-Serienmaschine), „Modified Harley-Davidson“ (Harley-Umbau), „Street Performance“ (verbesserte Straßentauglichkeit), „Café Racer“ (50er-/60er-Jahre-Stil) und „Free Style“ gilt Letztere als Königsdisziplin, setzt sie doch der Fantasie der Erbauer keinerlei Grenzen. Was dann teilweise zu Design-Ergebnissen führt, die beim unvorbereiteten Messe­besucher Gefühle von Erstaunen bis Erschauern hervorrufen können und oft an vieles erinnern, nur nicht an etwas, was im Entferntesten mit einem fahrbaren Motorrad zu tun hat. Doch darum geht’s nicht.

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Ein Favorit war schnell gefunden

Die Sieger der einzelnen Kategorien werden von allen Teilnehmern gemeinsam gewählt. Jeder Bewerber darf eine bestimmte Punktzahl für zwölf Motorräder, sein eigenes ausgenommen, vergeben. Ein Favorit war da schnell gefunden: die „Nurb’s“ von Freddie Bertrand alias „Krugger“. Der Belgier hatte schon 2010 den begehrten Titel geholt. War’s vor vier Jahren eine eigenwillige Road-Racer-Interpretation mit V-Rod-Motor, stand auch bei seiner aktuellen Kreation der Antrieb im Mittelpunkt – obwohl oder gerade weil ganz serien­mäßig: Den BMW-Sechszylinder aus der aktuellen K 1600 hatte in dieser Form sonst keiner auf dem Zettel. Um das Kraftwerk herum hat Krugger einen gänzlich neuen Rahmen gestaltet. Technisch blieb die hintere Einarmschwinge mit Kardan gleich, wurde aber, um sie der übrigen Optik anzupassen, mit Rahmenrohren und Alublenden neu verschalt. Vorn ersann der Belgier eine Duo-Telelever-Gabel mit Einarm-Radaufhängung und verpackte das Ganze in ein Stahlblechchassis im Art-déco-Stil. Darin versteckt: die Kühler, damit der mächtige Sechszylinder seine Muskeln maximal offen zur Schau stellen darf. Die komplexe Fahrzeugelektronik blieb inklusive sämtlicher Fahrmodi und des ABS, das nun aber seine Kommandos an riesige Beringer-Einscheibenbremsen im 21 Zoll großen Vorder- und 20-Zoll-Hinterrad weitergibt.

Der Kontrast zum zweitplatzierten „WSA“-Chopper des Finnen Veikko Sikkiö hätte kaum größer sein können. Aus Alu und Edelstahl hatte der ein schmales, filigranes zweirädriges Kunstwerk erschaffen. Der 800 Kubik große, äußerlich an einen Knucklehead-Motor erinnernde V2 ist selbst gegossen, ebenso die zierlichen Messingvergaser, selbst geschmiedet sind die 19-Zoll-Räder, der Rahmen, der Tank und so weiter.

Wieder einen völlig anderen Ansatz verfolgte der Italiener Francesco Bella, als er über diverse Räder, Riemen und Rollen den 500er-Zweizylinder eines Fiats mit einem Rivera Primo-Getriebe verband, welches in den USA zum Veredeln von Harleys angeboten wird. Die Finesse, die Bella auch allen anderen Details seiner „Abarth“ zuteilwerden ließ, brachte ihm Platz drei.

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