Neuheiten 2014 die Messe-Highlights der EICMA/Mailand Aufbruchstimmung

Mit der Eicma beginnt das Jahr 2014. Zumindest, wenn man in Motorrädern denkt. Und davon gab es eine ganze Reihe neuer Modelle zu sehen. Besonders die japanischen Hersteller hatten dabei eine klare Botschaft.

Von der Yamaha Motor Company kam eigens deren Präsident Hiroyuki Yanagi nach Mailand. Und seine Botschaft war eindeutig: Das Zaudern hat ein Ende, es wird endlich wieder Gas gegeben. Für die gleiche Botschaft bemühte Kawasaki zwar nur den Europa-Chef, aber auch der blies ins gleiche Horn, als er die neue Z 1000 enthüllte: „There’s a lot more to come“. Obwohl gerade Kawasaki von den japanischen Herstellern das Krisenjahr 2009 entwicklungstechnisch noch am besten gemeistert hat, versprühte der erste Anblick der Z 1000 vor allem, dass bräsiges Design und brave Zurückhaltung nicht mehr so sehr zum Credo von Kawa gehören.

Zwar blieben die Erwartungen an ein ultrafieses Naked Bike auf Basis des Weltmeistermotorrads ZX-10R mit dessen Rahmen und Motor unerfüllt. Aber was da deutlich spartanischer als zuletzt und mit richtig aggressiver Schnauze vor den Journalisten stand, war ein Ausrufe­zeichen hinter der Botschaft. Kawasaki nennt das „Sugomi“, was übersetzt „starke Aura“ bedeutet, und das trifft zu.

Der Motor ist altbekannt, befeuerte schon mehrere Z 1000-Generationen. Heuer legt er um drei PS zu, bekam für mehr Durchzugskraft zahmere Steuerzeiten und wurde kürzer übersetzt. Die 111 Newtonmeter liegen jetzt laut Kawasaki bei 7300/min und damit 500 Umdrehungen früher an. Das Gewicht blieb mit 221 Kilo leider auf dem Niveau der Vorgängerin. In der nächsten PS können wir schon mehr zur Performance der Z 1000 sagen, wenn wir das Bike dann gefahren sind. Die Presse-Vorstellung der Z geht Ende November über die Bühne.

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BMW setzt auf Nackte

Auch was das Highlight des BMW-Auftritts in Mailand angeht, können wir in PS 1/2014 schon sehr viel mehr sagen, denn ein erster Fahrtest der nackten S 1000 R steht ebenfalls Ende November an. Aber angesichts der langen Wartezeit und den vielen Gerüchten um das Naked Bike war die Eicma auch hier eine Offenbarung. Die S 1000 R streicht zwar ein R aus dem Namen, hat aber ansonsten sehr viel Gene vom Superbike behalten. Abgesehen von der Kanzel mit dem demonstrativ aufrecht eingepflanzten Dashboard und dem Rohrlenker, sieht die R dem Sportler zum Verwechseln ähnlich.

Bei den Daten hat sich dagegen deutlich etwas getan, denn das Naked drückt „nur“ 160 PS. Bei einer derart gekappten Spitzenleistung darf man sich auf fetten Punch im mittleren Drehzahlbereich freuen. Zehn zusätzliche Newtonmeter hat BMW laut Produktmanager Sepp Mächler unter 7500/min herausgekitzelt. So dürfte die S 1000 R die Straße regelrecht auffräsen. Bei einem Grundpreis von 12 800 Euro mit der Basis-Elektronik ASC (verhindert allzu viel Schlupf) darf man dann neben Streetfighter-Optik auch von Kampfpreis sprechen. Wer mehr ausgeben möchte, kann die aus dem Superbike bekannte Traktionskontrolle, das elektronische Fahrwerk oder gar das Sportpaket mit Quickshifter ordern.

Obwohl schon bei der 90-Jahre-Jubi­läumsfeier vorgestellt, lagen in Mailand natürlich jetzt ganz viele Augen auf der
R nineT. Der Roadster mit dem Boxer sorgte ja als spartanische und extrem variable Design­zeichnung vor drei Jahren für Furore. Davon ist einiges erhalten geblieben, wenn auch Zulassungsbestimmungen und „Vernunft“, wie so oft, deutlich Einfluss hatten. Trotzdem hat BMW mit diesem Motorrad jetzt einen Café Racer mit satten Retro-Anleihen und Umbau-Potenzial in der Produktpalette und wird damit neue Käuferschichten anlocken.

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Ducati mit Traum-Panigale

 

Ducati-Boss Claudio Domenicali jonglierte im Technikmuseum von Mailand demonstrativ mit dem Tankdeckel. Der war Symbol für die Detailversessenheit, mit der sich die Ingenieure über das Superbike 1199 Panigale hermachten und in das Sondermodell „Superleggera“ verwandelten. 65 000 Euro sind natürlich ein stolzer Preis. Dafür gibt es aber auch nur 500 Stück, einige davon sind schon verkauft. Wer noch eine ergattert, darf sich auf Spitzenwerte freuen. Über 200 PS verspricht Bologna für den Twin, der zusammen mit dem Rest des Motorrads vollgetankt maximal 177 Kilo wiegen soll. Das Magnesium-Monocoque und der Heckrahmen aus Karbon sowie die Verkleidung aus demselben Stoff haben daran natürlich einen gewal­tigen Anteil.

 

Aber selbst so Kleinigkeiten wie der Titan-Tankdeckel in Domenicalis Hand sorgen für allerhand Gramm hier und dort, die eingespart wurden. Für den fetten Leistungszuwachs gegenüber der ja nicht schwachbrüstigen Serien-Panigale wurden auch die Ventile aus Titan gefertigt. Spezielle Kolben und eine feingewuchtete Kurbelwelle tun ihr Übriges. Damit kommt nach der Desmosedici-Replika wieder eine echte Traum-Ducati auf den Markt, und PS wird sie in der nächsten Ausgabe ganz exklusiv in Szene setzen.

Noch etwas warten müssen wir auf die Monster 1200. Das nun mit dem wassergekühlten Testastretta-Twin bestückte Motorrad geht den nötigen Schritt, um an der Konkurrenz dranzubleiben. Stilistisch bleibt sie sich treu, das zeigt der charakteristische Tank, der den Fahrer aber nicht mehr wie bisher weit nach hinten zwingt. Bei der Sitzprobe wirkt die 1200 sehr viel moderner und sportlicher, wofür auch die Leistungsdaten sprechen.

Mit 147 PS sowie einem Drehmoment von 125 Nm bei 7250/min und lediglich 209 Kilo Masse wird die große Monster S künftig bei den supersportlichen Nakeds wie der Aprilia Tuono oder der neuen BMW mittanzen. Auch in Sachen Elektronik steht sie voll im Saft, hat das umfangreiche Ducati Safety Pack mit Traktionskontrolle und abschalt­barem ABS an Bord. Im Februar wissen wir, wie das Ganze fährt, denn erst dann gewährt uns Ducati einen Testtermin.

Yamaha setzt Zeichen

Mit der MT-09 hat Yamaha endlich wieder Eigenständigkeit, aber vor allem Mut und Innovationskraft bewiesen. Und diese Entschlossenheit wurde auch in Mailand zur Schau gestellt. Jorge Lorenzo und Valentino Rossi wurden obendrein aufge-
boten, um die versammelte Journalisten-Meute davon zu überzeugen. Die beiden fuhren die neue Modelle in die ­Fabrikhalle, in die Yamaha zum Messeauftakt geladen hatte. Rossi selbst präsentierte nicht nur die MT-09 Street Rally. Nein, er trieb sie für ein Promo-Video sogar höchstselbst auf seiner eigenen Dirt-Track-Strecke quer ums Eck.

Mit breiterem Lenker, weiter herausstehenden und für guten Stand gezackten Fußrasten sowie einer flacheren und härteren Sitzbank, verspricht die Street Rally ein hohes Spaßpotenzial. Dazu kommen die deutlich wildere Optik und der starke Dreizylinder gerade recht. Sollte sich der Preis von angepeilten 8500 Euro halten lassen, prophezeien wir gesteigertes Verkaufspotenzial.

Das sprechen wir auch der MT-07 zu. Mit ihr kommt ein potentes Zweizylinder-Bike, das mit 75 PS auch Fans unter versierten Motorradfahrern finden dürfte. Niedriges Gewicht (182 kg mit ABS), gute Ausstattung und der kräftige Twin stellen eine sehr gute Basis für einen Topseller dar. Zumal der Preis laut Yamaha unter 6000 Euro liegen soll.

Wie auch beim dritten Neu-Motorrad der Marke, das gleichzeitig die gute alte Zeit heraufbeschwört. Die SR 400 zitiert mit luftgekühltem Einzylinder, Einspritzung, Kickstarter und Retro-Design die erfolgreiche SR 500 und macht es vor allem Umbauwütigen leicht, daraus einen Tracker oder Café Racer zu kreieren.

Honda baut Mittelklasse aus

Lange Gesichter machten die Sportler- fans bei Honda. Die neue Fireblade ist nämlich alles andere als eine „Feuerklinge“. Wer einen sichtbaren und fühlbaren Schritt beim Superbike erwartet hat, wurde enttäuscht und hier und da bekam man sogar gesagt, dass der größte Motorradhersteller der Welt und MotoGP-Weltmeister bei den Kunden wie du und ich nicht mehr auf großen Sport setzen wird.

Nur so lässt sich erklären, warum die CBR 1000 RR noch immer keinen Funken Elektronik besitzt – nicht einmal eine moderne Ride-by-Wire-Motorsteuerung. 181 statt bisher 178 PS und kleinste Eingriffe müssen Fireblade-Fans als Kaufgrund für eine 2014er-Version genügen. Wer ein paar Scheine mehr übrig hat, kann eine SP-Version ordern. Die besitzt frei Haus ein Öhlins-Fahrwerk sowie eine Einzelsitzbank und ist 0,7 Kilo leichter als die Standard-Fireblade. Sportlich war es das von Honda, denn die zahlreichen Neumodelle gehören sonst allesamt der Mittelklasse oder ganz anderen Segmenten an.

Die CBR 650 F und die neue VFR 800 F stechen da noch etwas heraus. Wie der Modellname ja schon verrät, hat der Soft-Sportler CBR 650 F einen aufgebohrten Vierzylinder bekommen, der jetzt 87 PS leistet und baugleich in die nackte Hornet wandert, die jetzt CB 650 F heißt und von Grund auf neu gestaltet ist. Sie besitzt nun einen Brückenrahmen aus Stahl gegenüber dem Rückgratrahmen der Hornet. Trotz gravierender Änderungen blieb das Gewicht gleich, nach wie vor drücken 208 Kilogramm auf die Waage.

Mehr Hubraum bekamen übrigens auch die NC-Modelle. Statt 700 sind es jetzt 750 Kubik. Neu und an die Erfolgsgeschichte der legendären 750er erinnernd ist die VFR 800 F. Der moderate Sportler, der vor allem zum Touren taugt, wurde von unnötigem Ballast befreit. Die sperrige Doppelauspuffanlage unter dem Sitz bei der letzten VFR wich einem einzelnen Schalldämpfer rechts unten. An Leistung hat die VFR allerdings eingebüßt, wenn auch nur drei PS (106 statt 109 PS).
Die Frontansicht ist sehr gut gelungen, ansonsten wirkte das Motorrad auf der Messe in Mailand eher massig, ihr Gewicht von 239 Kilogramm bestätigt den optischen Eindruck.

KTM bleibt am Ball

Gerade erst haben die Österreicher mit der 1290 Super Duke R einen ganz dicken Nagel für versierte und sportliche Motorradfahrer eingeschlagen, da lässt die erfolgreiche Marke aus Mattighofen auf der Eicma kleine Sportler auf die Jugend los. Perfekt nach dem Baukastenprinzip erdacht, profitiert KTM von einer früh eingeleiteten Strategie mit Bajaj in Indien, wo die Einzylinder-Duke-Motoren gebaut werden.

Diese tauchen nun wieder in Racern wie der RC 125 und der RC 390 auf, von der Letztere als echte Rennversion ja ab 2014 im ADAC-Junior-Cup eingesetzt wird.Dass man sich zur Vermarktung dem hervorragenden Image der Marke aus der Moto3-Klasse bedient, kann man KTM nicht vorwerfen, genauso wenig wie Lieblosigkeit beim Design der kleinen Sportler, die mit der scharfen Optik hoffentlich wieder Nachwuchs für die Sportklasse rekrutieren werden.

Dank neuer Investoren aus der Immobi­liensparte konnte Bimota in Mailand ein neues Modell vorstellen. Die Edelschmiede aus Rimini präsentierte mit der BB3 ein zauberhaft schönes Motorrad mit Bimota-typischen Frästeilen, viel Karbon und dem Motor aus der BMW S 1000 RR. Sie soll 197 PS leisten und deutlich leichter als das BMW-Superbike sein.

Aber zur Bimota BB3 mehr in der nächsten Ausgabe, womit wir am Ende des Rundgangs durch die Mailänder Messehallen wären. Die Eicma versprühte Aufbruchstimmung bei den Japanern – ach halt, Suzuki gibt es ja auch noch. Aber dort war leider außer der schon vorgestellten V-Strom wirklich nichts Neues zu sehen. Bleibt zu hoffen, dass sich das bald ändert. Denn die Kollegen aus Japan sind voll am Ball und die europäische Konkurrenz sowieso. Wir werden sehen, was 2014 dann Neues bringt – auf der Intermot vom 1. bis 5. Oktober in Köln.

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