Neuheiten: Blick in die Zukunft Entwicklungs-Schübe

Ein aktives Fahrwerk, allerlei Assistenzsysteme für den Straßenverkehr und ein Elektroroller - das Forschungs- und Entwicklungsprogramm von BMW treibt vielgestaltige Blüten.

Der entscheidende Satz steht
am Schluss der Pressemitteilung
und gehört doch an den Anfang dieser Geschichte: "DDC wird in naher Zukunft Einzug in die ersten Serienmodelle von BMW Motorrad halten." Wann DDC in welche Modelle eingebaut wird, verraten die Münchner noch nicht, aber immerhin, was es damit auf sich hat. Das Kürzel steht für
Dynamic Damping Control und bezeich-
net ein System, das die Dämpfungsein-
stellung ständig an die jeweilige Fahr-
situation anpasst. Zu deren Erkennung zieht das Steuergerät alle möglichen Parameter heran. Die Gasgriffstellung und die Bremsverzögerung sowieso, aber auch den Schräglagenwinkel, der von der Traktionskontrolle DTC erfasst wird, ja sogar den jeweiligen Einfederweg, den eigens eingebaute Federwegsensoren ermitteln. So wird nicht nur beim Beschleunigen die Druckdämpfung hinten und beim Bremsen vorn blitzartig straffer justiert, sondern vorn und hinten auch in Schräglage, um gegen den Anteil der Zentrifugalkräfte zu arbeiten, der die Federung zusammendrückt.
Die Voraussetzungen für dieses aktive Fahrwerk waren durch die Sensorik für ABS und die Traktionskontrolle, insbesondere durch das ESA II (electronic suspension adjustment) und - nicht zu vergessen - durch das CAN-Bus-Bordnetz gegeben, das es erlaubt, all die Signale und Impulse
zu verknüpfen: Verschiedene Entwicklungslinien werden zu einem integrierten Gesamtsystem zusammengeführt.
In der Verarbeitung enormer Informationsmengen noch weiter geht eine Reihe von Assistenzsystemen, die BMW unter dem Oberbegriff Connected Ride zusammenfasst. Das fängt bei einem automatischen Notrufsystem mit integrierter Sturzerkennung an und hört mit einem kamerabasierten System zur Erkennung von Verkehrsinformationen und Gefahren noch lange nicht auf. Erkennt es ein Hindernis, warnt es den Fahrer, erhöht die Helligkeit des Scheinwerfers und aktiviert LEDs in Spiegeln und Blinkern, um die Silhouette des Motorrads zu betonen. Diese Funktion gehört auch zum umfangreichen Repertoire des Querverkehrsassistenten, der zugleich die ebenfalls mit Connected Ride ausgestatteten Verkehrsteilnehmer an einer Kreuzung in steigender Intensität an die Einhaltung der Vorfahrtsregeln erinnert. Nicht vorfahrtsberechtigte Autofahrer zum Beispiel werden bei Missachtung nachdrücklich zur Vollbremsung aufgefordert. Weitere Bausteine von Connected Ride sind ein Linksabbiege-, ein Überhol- und ein Ampelphasenassistent, der die augenblickliche Geschwindigkeit mit der Zeit bis zur nächsten Rotphase abgleicht und signalisiert, ob es besser ist, gleich zu bremsen oder weiterzufahren. Warnfunktionen sollen frühzeitig auf nahende Rettungsfahrzeuge, Hindernisse wie Rollsplit oder zu erwartende schlechte Wetterbedingungen aufmerksam machen. Als ein Indiz dafür, welches aufmerksame Motorradfahrer freilich auch selbst deuten können, ist an die Erkennung der Scheibenwischerfunktion entgegenkommender Autos gedacht. Zum Teil sollen diese Funktionen ebenfalls "in naher Zukunft" einsatzbereit sein, doch diese Perspektive ist "konjunktivischer" formuliert als bei der DDC. Noch länger dürfte es bis zur Serien-
reife der Konzeptstudie E-Scooter dauern. Gefördert vom Bundesverkehrsministerium entwickelt BMW einen Roller mit Elektroantrieb, der eine Reichweite von 100 Kilometern haben und kräftig genug sein soll, um auch auf Stadtautobahnen und mit zwei Personen besetzt zügig voranzukommen. Von null bis 60 km/h beschleunigt er so rasch wie ein aktueller 600er-Roller mit Verbrennungsmotor. Deshalb hat BMW ein Fahrzeug von den Ausmaßen des noch
zu präsentierenden 800er-Rollers gestaltet und nicht den wesentlich kleineren C1
als Basisfahrzeug gewählt - so gewinnt man viel mehr Platz für Batterien. Das Batteriegehäuse aus Aluminium
fungiert zugleich als Hauptrahmen, dahinter ist der Elektromotor montiert, der seine Kraft über einen Zahnriemen und eine Kette zum Hinterrad weiterleitet. Im Schiebebetrieb und beim Bremsen wird ein Teil der Bewegungsenergie rekuperiert; das steigert die Reichweite um zehn bis 20 Prozent. An der Steckdose soll der Akkusatz weniger als drei Stunden Ladezeit benötigen. Der Elektromotor, die Steuerelektronik und das Ladegerät sind wassergekühlt; erst dies ermöglicht das Abrufen hoher Dauerleistung und die kurzen Ladezeiten.
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