Neuheiten: Der Paparazzo Das Bike des Mr. Piëch

+++ Neue Scrambler ist Wunschmotorrad von Ferdinand Piëch +++ Basis-Ducati für Einsteiger +++ Luftgekühlter 796er-Motor +++ Präsentation wahrscheinlich auf der EICMA 2014 +++ Neue Monster mit wassergekühltem 821er-Motor praktisch fertig +++ Präsentation im Sommer +++

Nein, das hätte man nicht gedacht, dass Hightech-Freak Ferdinand Piëch in diese Richtung denkt. Immerhin hat er den 16-zylindrigen Bugatti Veyron mit 1000 PS auf den Weg gebracht, ist ein Dynamiker erster Güte. Aber es gibt offensichtlich auch die andere, gemütlichere Seite des umtriebigen VW-Aufsichtsratssvoritzenden. Das Ein-Liter-Auto war seine Idee – und wohl auch die Volks-Ducati für den schmalen Geldbeutel.

„Mr. Piëch’s Bike“ – so nennen sie im Werk in Borgo Panigale die neue Scrambler, weil dieses Motorrad auf ausdrücklichen Wunsch des obersten VW-Aufsehers entstanden sein soll. Wer sich die jüngsten ­Erlkönigfotos anschaut, die den Prototyp ­gestochen scharf zeigen, darf trotzdem ­fragen: Was genau hat er sich denn da gewünscht? In der Tat ist es nicht ganz einfach, den rollenden Experimentierkasten einzuordnen, der derzeit in und um Bo­logna seine Runden dreht. Aber eines ist jetzt schon klar: Wer mit der Scrambler ein reines Retro-Bike im Stil des alten Einzy­linder-Scramblers erwartet hatte, sieht sich enttäuscht. Die Neue ist anders.

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Basis-Ducati für Einsteiger

Ein Stilmix, und das nicht nur wegen der vorläufigen und garantiert provisorischen Kombination von 19-Zoll-Speichenrad vorne und 17-zölligem Alugussrad hinten. Auch diese Schwinge sticht ins Auge: Bananenförmig gebogen wie bei einem Supersportler hat sie, selbst wenn man sich den gepunkteten Tarnlook einmal wegdenkt, nichts mit klassischer Linienführung zu tun. Und der zentrale Schalldämpfer zwischen Motor und Hinterrad, der sie erst notwendig macht, erinnert mehr an ­einen Sportler, als dass Scrambler-Gefühle aufkommen. So viel zur einen Seite. Auf der anderen hatte eben auch der histori­sche Scrambler bei genauerer Betrachtung vieles nicht, was man heute von einem Scrambler erwartet. Den hochgezogenen Auspuff zum Beispiel. Statt dessen verlief das zierliche Röhrchen parallel zur ebenfalls kerzengeraden Schwinge. Einen luftgekühlten Motor hatte er allerdings, und den hat zum Glück auch der neue Scrambler. Konkreter: Es ist der 796-
Kubikzentimeter-V2, der auch die Mons­ter befeuert und dort 87 PS bei 8250/min entwickelt. Dazu 78 Newtonmeter Dreh-
moment – damit kann man leben.

Verdammt gut sogar, jedenfalls als Einsteiger in die Ducati-Welt. Als ein solches Angebot muss man die neue Scrambler wohl verstehen, und das dürfte vermutlich Auswirkungen auf die Preisgestaltung haben. Rund 8800 Euro kostet die kleinste Monster – der Preis der Scrambler sollte also spürbar darunter liegen. Vielleicht hat Ducati ja das eine oder andere Mal in Richtung Harley geschielt und orientiert sich an deren Preisgestaltung. 8000 Euro wäre auch für Einsteiger keine zu gro­ße Hürde, zumal man sich in Bologna dem Vernehmen nach viel Mühe bei der Abstimmung einer 48-PS-Variante gegeben haben soll. „Easy Going“ – mit diesem Konzept dürften jedoch nicht nur Neulinge, sondern auch alte Hasen angesprochen werden, die angesichts immer technoiderer Motorräder auf der Suche nach dem Puren, Unverfälschten sind. Und natürlich nach dem Individuellen. Deshalb wird Ducati, ähnlich wie BMW bei der R nineT, bereits ab Werk zahlreiche Cus­tomizing-Möglichkeiten anbieten. Guss- oder Speichenräder, Straßen- oder Stollenreifen – da wird vieles möglich sein. Auch, dass später eine 1100er-Version mit dem großen, luftgekühlten V2 nachgeschoben wird, ist nicht unwahrscheinlich.

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Kleine Monster 821 ähnelt der gro­ßen 1200er stark

Damit käme in der Scrambler noch zu Ehren, was in der Monster langsam ausstirbt, denn mit der neuen Monster 821 steht die nächste wassergekühlte Variante in den Startlöchern. Vielleicht auch, um die alte Monster, die luftgekühlte Monster 796, abzulösen, obgleich die 821 mit 110 PS natürlich in einer anderen Leistungsliga spielt. Die neue wirkt auf den ersten Erlkönigfotos bereits so weit gediehen, dass sich in Italien hartnäckige Gerüchte halten, sie würde nicht erst auf den Herbstmessen, sondern bereits zur World Ducati Week im Juli vorgestellt. Das entspräche der Politik des Hau­ses, denn in den letzten Jahren brachte ­Ducati neue Modelle nicht nur im Frühjahr zum Saisonstart, sondern auch im Laufe des Jahres: so geschehen mit der Streetfighter 848 (2011), der Multistrada 1200 (2012) und der Panigale 899 (2013).

Ebenfalls der Politik des Hauses entspricht es, auf ein neues großes Modell bald eine zweite, technisch abgespeckte Variante mit weniger Hubraum folgen zu lassen, weshalb die kleine wassergekühlte Mons­ter nicht wirklich überraschend kommt, sondern als Ergänzung zur neuen Monster 1200 zu sehen ist. Angetrieben wird die Neue vom wassergekühlten V-Zwei mit 821 cm³ und 110 PS, der bereits die Hyperstrada und die Hypermotard befeuert und sich durch seine tadellosen Manieren bereits ­einen beachtlichen Ruf erworben hat. Laufruhig, mit kernigem Antritt und ordentlicher Drehfreude gesegnet, kommt er dem idealen Landstraßenmotor sehr nahe, sodass der mächtige 1200er-Motor mit seinem brachialen Antritt eigentlich purer Luxus
ist. Auch optisch ähnelt die kleine 821 der gro­ßen 1200er-Monster stark, vom Rahmen über Tank und Sitzbank bis hin zum Doppelauspuff rechts. Sie bringt aber statt der typischen Einarm- eine technisch we­niger aufwendige und vor allem billigere Zweiarmschwinge mit, wie dies schon bei der großen und der kleinen Panigale der Fall ist.

Ob sie den vergleichsweise langen Radstand der 1200er beibehält, lässt sich aus den Bildern nicht ersehen. Mit ziemlicher Sicherheit verzichtet die Monster 821 auf das teure TFT-Display der 1200er und ersetzt es durch eine preisgünstigere LCD-Ver­sion. Auch Fahrwerk und Bremsen dürften etwas einfacher ausfallen. Mit an Bord ist ­jedoch vermutlich das Ducati-Elektronik-Paket­ mit ABS, Traktionskontrolle bis hin zu unterschiedlichen Motor-Mappings.

Der Preis? Gute Frage. Um sich deutlich von der Monster 1200 abzusetzen (13490 Euro in der einfachsten Variante), sollte er nicht über 11000 Euro liegen. Dafür würde man dann eine Monster bekommen, die ­eigentlich etwas Monster-Untypisches darstellt. Einen guten Kompromiss nämlich.

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