Neuheiten: Modellpräsentation Husqvarna Nuda 900 R Macht den Unterschied

Sie bekamen die BMW F 800-Baureihe als technische Basis und hatten den Auftrag, daraus ein ganz anderes Motorrad zu entwickeln. Und was die Entwickler von Husqvarna geschafft und geschaffen haben, ist tatsächlich weit mehr als eine Modellvariante.

Ausgereifte und zuverlässige Technik ist eine enorm wichtige Starthilfe, ohne die ein kleiner Hersteller wie Husqvarna ein Projekt wie die Nuda 900 R nicht realisieren könnte. Mit den Gewinnen aus einer Jahresproduktion von 12 000 meist nicht allzu hochpreisigen Offroad-Motorrädern allein ist die Entwicklung eines Zweizylindermotors - dem ersten in der Firmengeschichte seit den 30er-Jahren - nämlich kaum seriös zu finanzieren.
Doch genauso wenig könnte ein Motorrad wie die Nuda 900 R entstehen ohne
die oberitalienische, von Vielfalt und Leichtigkeit geprägte Motorradkultur sowie
die gänzlich anders verlaufene Geschichte, welche die kleine Firma Husqvarna in die weit größere BMW einbringt. Schon die kantigen, aber wohlproportionierten Linien der Seitenverkleidung, welche Airbox und Tank integriert, und erst recht das verspielte Flügelchen auf dem Vorderradkotflügel würden für einen Hersteller größerer Serien ein Wagnis bedeuten. Das gilt auch für die
fast völlig offen gelegte Technik. Nicht jeder will sich von einem so austrainiert wirkenden, aufs Nötigste reduzierten Athletenmotorrad aus seiner Gemütlichkeit reißen lassen. Dass die Nuda zur Präsentation tatsächlich ganz nackt, also sogar ohne Blinker und Spiegel, antrat, verstärkt diesen Eindruck zwar noch, aber man darf sich nichts vormachen: Auch im zulassungsfähigen Trimm wird an der hübschen Italienerin nicht viel mehr dran sein. Viele Details hat die Husqvarna-Mann-
schaft nicht preisgegeben: 175 Kilogramm Trockengewicht, mit denen die 200-Kilo-Marke beim Gesamtgewicht wohl knapp unterboten werden könnte, mehr als 100 PS, die dann in anschließenden Gesprächen auf 105 PS präzisiert wurden, und den nicht mehr überraschenden Hubraum von 900 cm³. Bei der kurzen Fahrt eines Prototypen durch die Präsentationshalle bei BMW Classic in München war dann deutlich zu hören, was schon lange angedeutet und vermutet worden war, wozu sich die Entwickler aber noch immer etwas zugeknöpft verhalten. Der Motor schlägt nicht den gleichmäßig durchlaufenden Beat des Paralleltwins in den F-800-Modellen von BMW mit seinen Zündintervallen von 360 Grad. Stattdessen klingt er ein wenig rauer. In der Tat zündet der Reihenzweizylinder dank einer
Kurbelwelle mit 90 Grad Hubzapfenver-
satz wie ein V2. Dieser Trick nach dem Vorbild der Yamaha TRX 850 wird mitt-
lerweile vielfach angewendet, bei der
Husqvarna aber kurioserweise mit einem oszillierenden Gegengewicht kombiniert, das eigentlich für den ursprünglichen Paralleltwin ausgelegt und unverändert übernommen wurde. Das verspricht eine ganz
neue Art der Laufkultur und spricht für die Wandlungsfähigkeit des Reihenzwei-
zylinders von BMW und Rotax, der damit
in seiner vierten Version existiert.
Das Wenige, was das Präsentationsmotorrad an Ausstattung zeigte, war auffällig edel. Eine einstellbare Upside-down-Gabel von Sachs mit langem Federweg, Öhlins-Federbein und Brembo-Monobloc-Bremssättel im Vorderrad. In Serie wird neben dieser Version noch eine einfacher aus-
gestattete Variante gehen, die dann auch
nur Nuda 900 heißt. Was die beiden
Varianten kosten sollen, wurde noch nicht verraten; weil die Nuda 900 eine jüngere Käuferschicht anspricht, sollte sie sich am Preis der BMW
F 800 R in der Basisversion orientieren: 8300 Euro.
Weniger zurückhaltend mit Preisangaben war BMW bei der Vorstellung von zwei Sondermo-
dellen, der R 1200 GS Adventure
Triple Black und der F 800 GS
Trophy. Sie kosten 14 900 beziehungsweise 10 500 Euro. Die Triple Black verdankt sich dem großen Erfolg der ebenso genannten und ebenfalls mit Schwarz beschichtetem Motor, schwarzer Telelever-Gabel und schwarz lackierten Karosserieteilen ausgestatteten Sonderversion der R 1200 GS. Ansonsten bestehen Unterschiede zwischen GS und Adventure im großen 33-Liter-Tank, den längeren Federwegen und dem anders gestuften Getriebe der Adventure sowie deren serienmäßiger Ausstattung mit typischen Gelände- und Fernreise-Accessoires wie Unterfahrschutz, Handprotektoren oder Kreuzspeichenrädern. Die F 800 GS Trophy bietet über die spezielle blauweiße Lackierung hinaus einen Motorschutz aus Aluminium und Handprotektoren. Beide Sondermodelle kommen ab 1. August in den Handel. Ab sofort bestellt werden können neue Farbkombinationen bei den ansonsten unverändert weitergebauten Modellen BMW F 650 und F 800 GS sowie F 800 ST. Die R 1200 GS, Adventure und RT erhalten ebenso neue Farben wie die K 1300 S. Zur K 1300 R wird dagegen nur lapidar vermeldet: "Es entfällt die Farbe Acidgreen metallic."
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