Neuheiten: Zukunft der Supersportler Wohin rennt ihr?

Das Segment der Renn-Replikas ist im Umbruch, den vor allem die Europäer vorantreiben. Auch 2012 werden sie die Initiative behalten. Eine starke Reaktion aus Japan bereitet sich aber vor.

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Rudi Probst, Presse-
sprecher BMW Motorrad

Die Marktentwicklung ist nicht allein auf die Frage der Fahrzeugkonzepte reduzierbar. Die gesamtwirtschaftliche Situation führte bei den meist jüngeren Supersport-Kunden vor allem im 600er-Segment zu einer spürbaren Kaufzurückhaltung. Wohin geht die Reise bei den Fahrzeugkonzepten? Wir meinen, dass es keine wesentlichen Leistungssteigerungen mehr geben muss.
Gewichtsreduzierungen einzelner Komponenten sind zu erwarten - zum Beispiel bei den Fahrwerkregelsystemen. Sie haben die Fahrbarkeit im Alltagsbetrieb schon deutlich verbessert. Im Bereich der Fahrwerkstechnologie gibt es noch Möglichkeiten, die Fahrbarkeit weiter zu verbessern. Darüber hinaus lässt sich die Alltagstauglichkeit noch steigern. Auch die Möglichkeiten, die innovatives Design bietet, sind längst nicht ausgeschöpft. Supersportmotor-
räder mit ihrer Nähe zum Rennsport haben nichts von ihrer Faszination verloren.
Simon Warburton,
Product Manager Triumph
Ich glaube, der Rückgang in der Popularität der Supersportmotorräder ist den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zuzuschreiben. In Summe ist dieser Markt heute weniger als ein Viertel von dem, was er vor fünf Jahren war. Damals waren die Motorräder auch schon extrem, und alle Anzeichen deuten darauf hin, dass die Leute solche Motorräder weiterhin haben wollen. Sie können oder wollen sie in der derzeitigen Wirtschaftslage nur nicht bezahlen. Ich bin mir nicht sicher, ob wir wirklich nahe an einem absoluten Limit der Fahrdynamik sind, aber die künftigen Zulassungsbestimmungen werden es schwieriger machen, hier mit klassischen Mitteln weiterzukommen. Die Integration intelligenter elektronischer Systeme zur Steuerung
von Motor und Fahrwerk wird wohl den größten Unterschied zwischen den heutigen Supersportlern und denen in fünf Jahren ausmachen.
Romano Albesiano,
Aprilia-Entwicklungschef
Es hilft nichts: Zum Charakter eines Supersportlers gehört nun mal, dass die Leistung immer weiter wächst und das Motorrad damit immer radikaler wird. Das führt unweigerlich dazu, dass sich das Segment kontinuierlich einengt. Trotzdem bin ich überzeugt, dass die Supersportler überleben werden: Zum einen sind sie die Flaggschiffe vieler Hersteller,
zum anderen wird es immer Fans geben, die solche Motorräder fahren und besitzen wollen. Aus der Radikalisierung der Supersportler ergibt sich aber auch die Chance, neue Motorradkategorien zu entwickeln, die den sportlichen Ansatz auf andere Weise präsentieren und ihn damit wieder für einen größeren Kreis von Motorradfahrern zugänglich machen. Dafür gibt es Beispiele, auch in den Bereichen Enduro, Supermoto oder Cruiser. Zur Verbesserung der Fahrdynamik von Supersportlern gibt es zahlreiche Möglichkeiten. Wir haben da noch ein paar innovative Ideen - aber die hüten wir eifersüchtig.
Diego Sgorbati, Marketing-Direktor Ducati
Supersportler müssen faszinieren und überzeugen. Sie sind immer noch die Ikonen unter den Motorrädern und lassen die Fans träumen. Leitlinien der Entwicklung sind für uns Leistungsdaten der Spitzenklasse, ein atemberaubendes Design und technologische Innovationen. Mit ihnen zielen wir zum einen auf eine verbesserte Fahrdynamik, aber auch auf die pure Freude daran, eine dieser großartigen Schöpfungen des modernen Maschinenbaus zu besitzen. Gerade an technologischen Innovationen haben wir jede Menge in der Hinterhand. Um darüber mehr zu erfahren, müssen Sie aber bis November warten.
Paul Rowney, Suzuki
International Europe
Sicherlich sind die aktuellen Sportmotorräder an Grenzen gekommen, vor allem diejenigen unseres Vorstellungsvermögens, aber das war schon oft so. Meine Beobachtung geht in eine andere Richtung - auch die Straßen-
motorräder haben fortwährend
an Motorleistung, Bremsleistung, Fahrwerksqualität zugelegt und heute schon vielfach die Grenzen des Umsetzbaren erreicht. Sie wurden immer besser und haben die Sportmotorräder in der Gunst vieler Käufer verdrängt. Künftige Supersportmotorräder müssen eine zulassungsfähige Basis zum einfachen, modularen Umbau für die Rennstrecke bieten. Hier wird es zwei Varianten geben:
1) Motorräder auf Einstiegsniveau mit bewährten Fahrerassistenzsystemen. Eine gute Basis, die der Hobbyfahrer wählt, um Spaß zu haben.
2) Premiummotorräder, die
mit wenigen Handgriffen rennstreckentauglich zu machen
sind. Mit allen Raffinessen für
sehr engagierte Fahrer.

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