Karthin-Suzuki GSR 750 IDM-Replika beim diesjährigen TunerGP.

PS-Bridgestone-TunerGP 2016 – Karthin-Suzuki GSR 750 IDM-Replika Meister-Heizer

Obwohl die GSR 750 Rennsport nicht gerade ausstrahlt, gehört ihr immerhin ein deutscher Meistertitel. PS fuhr die Replika – und hatte Spaß dabei.

Kjel Karthin ist ein pfeilschneller Mann. Aktuell auf einer 600er von Hertrampf-Racing in der IDM Supersport unterwegs und 2014 Meister in der GSX-R 750 Challenge, startete der junge Duisburger 2015 in der IDM SuperNaked – und wurde prompt Deutscher Meister. Diese damals neu geschaffene Klasse sollte für Action wie einst zu den glorreichen Superbike-Zeiten eines Eddie Lawson sorgen. Leider blieb das große Interesse bei den Racern aus, was nicht nur an der nötigen A-Lizenz gelegen haben dürfte. Die zugelassenen Naked Bikes der IDM-Poolpartner hatten nicht die Ausstrahlung der „dicken Eimer“ von einst. Yamahas MT-09, BMWs R 1200 R, Kawasakis Z 800 oder eben die Suzuki GSR 750 standen bei den Rennfans eher für Bummel-Bikes und Mutti-Möhren, aber nicht für Infights, Beschleunigungsduelle und andere wüste Manöver auf der Piste.

Kjel brachte die GSR 750 trotzdem zum TunerGP – und dazu auch noch in Form einer Race-Replika, ergo: mit allem Mutti-Möhren-Trallala, damit die GSR auch auf die Straße darf. Angesichts der 1000er im Feld und den anderen Kraftmeiern des diesjährigen ­TunerGPs musste die GSR deshalb geduldig darauf warten, bis sich der Redakteur in den Sattel schwang. Was sollte auch herauskommen, wenn der Motor nahezu der Serie entspricht? Aber Moment mal: 118 PS gegenüber 105 der zuletzt gemessenen Serie sind jetzt nicht so schlecht. Dieses Plus brachte nicht nur der Power Commander und die Arrow-Auspuffanlage. Karthin hat aber lediglich noch die Einspritzung aufgemotzt und den Zylinderkopf bearbeitet.

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Statt gautschigen und durchschlagenden Serien-Dämpfern kam das Fahrwerk von Mupo, und an der Geometrie haben Vater Detlef und Sohn Kjel ebenfalls gefeilt. Der Nachlauf ist über den flacheren Lenkkopfwinkel etwas angewachsen, um die Stabilität und Zielgenauigkeit in aggressiver Schräglage zu erhöhen. Die ersten Runden zeigten dann vor allem eins: Karthin hat echt den Plan, wenn es darum geht, dieses Bike bestmöglich für die Piste abzustimmen. Die GSR war in allen Phasen stabil und trotzdem ultrahandlich. Das Mupo-Material sprach sehr schön an, Kjel hat genau den richtigen Kompromiss getroffen zwischen nötiger Rennhärte und genug Dämpfung für die wellige Piste in der Lausitz.

Da Kjel kleiner ist als die PS-Tester Seitz und Pascal Eckhardt und die GSR durch ihre Ur-Bestimmung auch nicht viel zulässt, entsprach die Ergonomie nicht ganz unserem Geschmack. Statt diesem ABM-Lenker hätten wir uns ein etwas breiteres, anders gekröpftes Lenkeisen gewünscht.

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Und die Leistung? Na ja, aus der Kombi fetzen einen die 118 PS nicht.  „Du musst bis zur Anschlagsnadel des Drehzahlmessers drehen lassen. Nach 13 000/min kommt noch was“, lacht Kjel nach dem ersten Turn und ergänzt auf unseren skeptischen Blick hin: „Hält, hab‘s lange genug ausprobiert.“

Karthin behielt recht. Der extrem drehfreudige GSR-Vierzylinder machte nicht nur bis zum Anschlag mit und hielt, sondern generierte auf den letzten 1000 Umdrehungen tatsächlich noch das Quäntchen an Druck, dass einem in einer leistungsmäßig eng aufgestellten Klasse das nötige Extra für Siege bringt. Und genau das macht irre Spaß, denn mit keinem Bike im TunerGP war es lustiger mit den Brems- und Einlenkpunkten zu spielen als mit diesem leicht zu steuernden Rennfloh – und das trotz Mutti-Möhren-Trallala! Schade eigentlich, dass es die Klasse nicht mehr gibt.

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