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Reportage Elefantentreffen 2014 Elefanten sind Schweine

Biologisch betrachtet ist diese Überschrift natürlich Quatsch. Aber wenn man sich die Bilder so ansieht, erkennt man den wahren Kern.

Der Schlamm in der oberen Querspange links vom Imbiss am Eingang ist am Samstagmittag schon mehr als knöcheltief.
Bereits am Dienstag waren die ersten Elefantenfahrer angerückt, hatten mit ihren meist nicht mehr ganz taufrischen Bikes und Gespannen das steil abfallende Treffen-Gelände geentert, sich die besten Plätze mit Stroh ausgelegt und darauf die Zelte gestellt. Seit Mittwochabend hat der Imbiss am Eingang geöffnet: Kuchen, Wiener Würstchen und natürlich Bier. Ohne geht beim Elefantentreffen nicht viel.

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Anstrengende Nächte

Aber mit so ziemlich alles: Seit Donnerstag sind Steve und seine Kumpels da. Für die rund 100 Kilometer von Cham in der Oberpfalz bis zum Weiler Loh hoch oben in den südwestlichen Ausläufern des Bayerischen Waldes haben sie ihre Hondas,
Ducatis oder KTMs in der Garage gelassen. Stattdessen sind sie ganz nach alter Väter Sitte auf Kreidlern angereist. „Bella Rossa heißt die meine!“, verkündet Steve lautstark und deutet auf die rote Florett, die, mit zwei blauen Mülltüten nicht ganz stilecht, aber dreckfest bepackt, neben dem Zelt steht. „Wir fahren heute wieder heim“, meint er etwas leiser und hebt grinsend seine Fanta-Dose hoch. „Damit wir uns am Sonntag daheim wieder regenerieren können. Weil, die letzten Nächte waren schon anstrengend. Am Freitagfrüh um fünf haben mir die Ordner den Zündschlüssel abgenommen. Zu laut, meinten sie.“ Eine Kreidler Florett! Da hatte es vorher sicher noch anderes als Fanta gegeben.

Etwas weiter unten hat Juraj aus der Slowakei sein Zelt stehen. Davor parkt sein Heritage Softail-Gespann. Juraj ist, anders als viele, nicht mit dem Zweit- oder Wintermotorrad da. Bis zur Einfahrt ins Gelände war die Harley offenbar noch blitzblank
gewesen. Jetzt verunzieren getrocknete Matschfladen den blau-weißen Metallic-lack. Aber das ist Juraj egal. „Ich habe schon so viel von dem Treffen gehört, ich musste mir das endlich mal ansehen“, grinst er. Wie er den steilen, schlammigen Weg mit dem Gespann wieder hochkommen will? „Ach, das geht schon irgendwie. Da helfen die Nachbarn.“ Er deutet auf drei Tschechen von einem Jawa-Club. Sie sind stilecht mit 60er-Jahre-Zweitaktern da. In einem ihrer sozialistischen Original-Moped-Anhänger mit Schubkarrenrad haben sie ein Spanferkel mitgebracht. Mittlerweile hängt es halb verspeist über der Glut vor dem Zelt. Der Elefant lebt eben nicht vom Bier allein.

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Die Maschinen wühlen im Dreck

Oben in der schräg abfallenden Querspange füßelt ein BMW F 800 GS-Fahrer zentimeterweise in Richtung Ausgang. Der Zweizylinder stampft und dampft, die Straßenreifen sind völlig zugeschmiert mit Matsch. Zuckend keult das Heck der hohen Enduro aus. „Kannst mal sehen, dass Leistung allein doch nicht alles ist“, kommentiert einer der Umstehenden. Schließlich fassen sich zwei andere ein Herz und helfen dem armen Kerl, dem vor Anstrengung schon die Suppe aus dem Helmfutter läuft. Mit Anschieben geht’s raus aus der Patsche.

Ra-Brööööt! Was mit den richtigen Reifen auch in dieser Pampe noch so alles geht, das demonstrieren derweil ein paar Motocrosser- und Enduro-Treiber. Ohne Helm, aber in Bundeswehr-Overalls und mit breitem Grinsen im Gesicht drehen sie ihre Runden. Meterhoch werden die Dreckklumpen in die vom Lagerfeuerrauch geschwängerte Luft geschleudert. Pladdernd klatschen die Matschflatschen wieder zurück in den Dreck. Wer hier zur falschen Zeit am falschen Ort steht, hat verloren. Wenn’s die Reflexe noch zulassen, hilft nur noch schnell wegdrehen und die Hand schützend über den Bierbecher halten. Johan, den Holländer, lässt das Dreck-Racing völlig kalt. Er sitzt mit seinen Kumpels lieber ums Feuer. Weil’s am Samstag warm und sonnig ist, trägt er den dicken Fellmantel offen über der nackten Brust.

Johan kommt seit Jahren regelmäßig zum Elefantentreffen. Und seit Jahren campieren die Ratbiker stets auf demselben Platz gleich unterhalb des Eingangs. Johans CB 750 Four-Gespann sieht von Mal zu Mal verwegener aus. Das Innere der Ölwanne dürfte noch das sauberste Teil sein. Aber es fährt: „Die 800 Kilometer einfach bis hier und wieder nach Hause in einem Tag, warum nicht?“, meint Johan achselzuckend.

Diese positive Grundeinstellung hätte „Klacks“ sicher gefallen. Ein Foto des 1998 verstorbenen Treffen-Gründers hängt im Orga-Büro der Veranstalter. „Wegen solcher Originale“ – wie Johan, dem Holländer – „lohnt sich das Herkommen doch schon allein“, meint ihr Sprecher Michael Lenzen. Oder auch wegen Thomas aus München. Der 66-Jährige pflügt mit seinem „AOK-Chopper“ durchs Gelände. Ein Kinder-Quad-Motor treibt die schneekettenbewehrten Räder des Rollators an. Zwei grüne Kabelbinder bändigen Thomas’ weißen Rauschebart, seine blauen Augen funkeln: „Ich bin Bäcker von Beruf. Hätten Bäcker die ‚Titanic‘ gebaut, dann würd’se heute noch schwimmen“, meint er, gibt Gas und rollt weiter. Nein, Elefanten sind wirklich keine Schweine. Sie sind nur ein bisschen verrückt. Und sie haben saumäßig viel Spaß.

Foto: Schümann
Das Elefantentreffen gilt als ältestes und größtes Wintertreffen der Welt.
Das Elefantentreffen gilt als ältestes und größtes Wintertreffen der Welt.

EleFakten

Veranstalter: Bundesverband der Motorradfahrer e. V. (mit 120 ehrenamtlichen Helfern vor Ort)

Erstes Treffen: Januar 1956 bei Stuttgart, nach einer Kleinanzeige in MOTORRAD, organisiert von Ernst „Klacks“ Leverkus

Name: rührt her vom Zündapp KS 601-Gespann „Grüner Elefant“ (erstes Treffen)

Teilnehmerzahl: laut verschiedener regionaler Tageszeitungen 2014 im Bayerischen Wald 5600

Temperaturen beim Treffen: maximal plus 12 Grad (Samstagmittag, Quelle: wetteronline.de), minimal minus 5 Grad (Freitanacht, Teilnehmermessung)

Gelände: Eigentum des Stock-Car-Club Solla e. V.

Altes Elefantentreffen: Konkurrenzveranstaltung am Nürburgring, alteselefantentreffen.de

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