Leben: Tokyo Motor Show 2013 Kon-nichiwa Doitsu

Hallo Deutschland, darauf fahren wir Japaner ab! MOTORRAD zu Besuch auf der Tokyo Motor Show 2013.

Lieben Sie Messen? Für Liebhaber farbenprächtiger Motorrad-Shows war 2013 doch etwas mau. Keine Intermot in Köln, die Eicma im weit entfernten Mailand, die „Motorräder“ in Dortmund schon wieder zu lange her und die kommende Veranstaltung noch zu weit weg. Die Gelegenheit springt plötzlich wie Kai aus der Kiste. Eine Reifenpräsentation in Japan genau zum Zeitpunkt der Tokyo Motor Show. Wahnsinn, wenn etwas nach großer weiter Welt duftet, dann doch genau das.

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Es ist der letzte Donnerstag im November, am Wochenende soll die Messe enden. Ein idealer Tag, um nach Ansicht der japanischen Freunde auf die Pirsch zu gehen: „Gut besucht, aber nicht zu voll – genau richtig!“ Eine halbe Stunde vor dem Einlass pilgere ich inmitten einer Menschentraube in Richtung „Tokyo Big Sight“. Der Haupteingang des Messegeländes sieht aus der Ferne wie eine auf den Kopf gestellte Pyramide aus. Und die Fernsicht bleibt noch etwas erhalten. Die Menge stoppt, vor mir ein Menschenmeer. Das Ende der Schlange. Nicht etwa, um eine Einlasskarte zu erwerben. Die haben alle schon brav in der Hand. Trotzdem wähnt man sich nach europäischer Einschätzung frühestens in einer Stunde in der Halle. Nicht so in Japan. Pünktlich um zehn setzt sich die Schlange in Bewegung. Ohne Geschubse und Gedrängel, flankiert von mit Megafonen bewaffneten Ordnern, die sich schon jetzt für den Besuch bedanken und zur Vorsicht mahnen. Damit man sich nicht auf die Füße tritt. Eine in Japan überflüssige Warnung, aber besser man hat sich sicherheitshalber schon einmal vorab entschuldigt. 

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Foto: Lohse
Klickzahlen: Kei-ichiro Kawasaki (r.) lichtet pro Tag 1000 Besucher auf Pedrosas MotoGP-Bike ab.
Klickzahlen: Kei-ichiro Kawasaki (r.) lichtet pro Tag 1000 Besucher auf Pedrosas MotoGP-Bike ab.

Europäische Modelle im Vergleich ganz schön bieder

Und schon ist man mitten im Trubel. Binnen Minuten hat sich der Menschenschwarm auf dem weitläufigen Areal verteilt. Der
Blick auf die Uhr verrät: Keine zehn Minuten hat das Ganze gedauert. Was nun zuerst anschauen? Motorräder? Ach was, treiben lassen. Die Tokyo Motor Show ist doch ein Augenschmaus für Fahrzeug­lieb­haber aller Couleur. Zumal die Messe ja auch in Sachen Autos mit allerhand skurrilen Gefährten locken kann: schrägen Microvans, futuristischen Konzeptstudien, schrillen Rennwagen. All das aber fast ausnahmslos aus japanischer Hand. Die Exponate der bekannten euro­päischen Marken wirken im Vergleich dazu ganz schön altbacken und bieder.

Zwischen Halle 2 und 3 springt mir das BMW-Logo ins Auge. Der Stand ist gerappelt voll, aber die meisten interessieren sich für das neue Vierer-Cabrio und den Mini. Mitten im Getümmel präsentiert sich das Motorradgeschäft relativ unspektakulär
mit R nineT, HP4 und K 1600 GTL. Die ­Japaner sind trotzdem begeistert, sitzen in einer Tour Probe, spielen an Knöpfen und Schaltern. Die Jungen mit Vorliebe auf dem Superbike, ältere Herrschaften sowie erstaunlich viele Frauen auf dem Retroboxer. Der mächtige Sechszylinder wird zwar auch frequentiert, aber vielen erscheint das Trumm zu mächtig, um damit im quirligen Verkehr japanischer Großstädte vorwärtszukommen. Selbst Yuji Eri, der eine Harley Road King sein Eigen nennt, würde sich den Sixpack („wegen dieses genialen Motors“) maximal als Zweitgefährt für Ausflüge in die japa­nischen Alpen vor die Tür stellen: „Doch das wäre ein verdammt teurer Platz!“

Auch bei Suzuki und Honda müssen sich die Motorräder den Messestand mit Au­tos aus gleichem Hause teilen. Wobei Honda den Zweirädern deutlich mehr Platz einräumt und fast die ganze Produktpalette inklusive des MotoGP-Renners von Dani ­Pedrosa zum Probesitzen bereitgestellt hat. Gleich um die Ecke steht bei Yamaha die „99“ von Vizeweltmeister Jorge Lorenzo. Fast mehr Aufmerksamkeit erregt aber die YPJ-01, ein hochkarätiges Yamaha-Rennrad mit E-Motor. So richtig visionär wird es schließlich auf dem Kawasaki-Stand, wo die J3-Studie mit Elektroantrieb eine spannende Diskussion um die Zukunft des Motorrads eröffnet. Ich liebe Messen …

Foto: Lohse
Farbenfroh: Rainbow Bridge und Skyline im Hafen von Tokio.
Farbenfroh: Rainbow Bridge und Skyline im Hafen von Tokio.

Städtetrip Tokio

Big in Japan

Zugegeben, der Zwölfstundenflug nach Tokio schlaucht. Dafür bietet die Neun-Millionen-Metropole einen tollen Mix aus exo­­tischer Kultur und imposanter Architektur.
Wer hat nicht schon von der Skyline New Yorks geschwärmt? Noch dazu, wo diese im Vergleich zu Tokio binnen sechs Stunden schnell erreicht ist. Doch die Wolkenkratzer, welche die Bucht von Tokio im Norden einfassen, haben ihren besonderen Reiz. Was vor allem damit ­zusammenhängt, dass sie in dieser erd­bebenreichen Region auf ziemlich wackligem Grund errichtet sind. Umso im­posanter wirken Bauten wie der Tokyo Skytree, ein 634 Meter hoher Fernsehturm, der wie viele andere Gebäude mit einer raffinierten Konstruktion zum Schutz bei Erdbeben versehen ist. Die nächste Tokyo Motor Show findet 2015 statt, ideal ist eine Quartiersuche im Umfeld des Messegeländes Tokyo Big Sight in der „Waterfront City“ im Ariake-Viertel (Bezirk Koto). Ein noch junger Stadtteil im Hafengebiet von Tokio mit vielen Shopping-Malls, Museen, Parks und gerade bei Nacht einem tollen Blick auf die Stadt. Mit der Metro lässt sich Tokio perfekt (und dank Nummerierung der Stationen recht einfach) entdecken.

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