Service Funktionswäsche Zweite Haut

Tragen Sie Funktions-wäsche unter der Kombi? Wenn ja, von welchem Hersteller stammt das Teil und aus welchem Material besteht es? Keine Ahnung? Dann geht es Ihnen wie vielen anderen Motorradfahrern. Dabei übernimmt die Zweithaut einige wichtige Aufgaben: Sie hält den Piloten trocken, die Kombi sauber und schützt beim Sturz die eigene Haut.

Kaum ein Bekleidungsteil vernachlässigen Motorradfahrer so sehr wie ihre Unterwäsche. Während sie Helm, Stiefel, Handschuhe, Kombi und selbst Knieschleifer vor dem Kauf sorgfältig auswählen und vergleichen, fristet der Unteranzug oft ein stiefmütterliches Dasein. Erschreckend regelmäßig trifft man bei Renntrainings nach wie vor auf Hobbypiloten, die statt des hilfreichen Unteranzugs das klassische Baumwoll-Shirt tragen. Die Folge: Die Kombi reibt an der Haut, das T-Shirt saugt sich mit Schweiß voll und klebt nach einigen Runden am Körper wie ein nasser Lappen. Wenden wir uns den drei Hauptauf-gaben von Motorrad-Funktionswäsche zu: Trageklima, Hygiene, Sicherheit. Wer sportlich Motorrad fährt, schwitzt. Wird der Schweiß nicht nach außen abtransportiert, schmort der Pilot schon nach wenigen Runden im eigenen Saft. Hier kommt die Funktionswäsche ins Spiel. Sie schleust die Feuchtigkeit nach außen, hält den Piloten trocken und verbessert so den Tragekomfort. Als Schicht zwischen Haut und Ledereinteiler spielt der Unteranzug zusätzlich eine hygienische Rolle. Er fängt Verunreinigungen auf und hält so die Kombi sauber. Darüber hinaus schützt Funktions-wäsche bei Stürzen die Haut vor Verbrennungen. Eine Eigenschaft, die man gern übersieht. Zum einen spielen bei einem schweren Sturz Hautverbrennungen eher eine Nebenrolle, zum anderen sagt der Volksmund Polyesterwäsche nach, sie würde sich bei einem Sturz in die Haut brennen. Eine Behauptung, die wissenschaftliche Tests nicht bestätigen (siehe Kasten Seite 65). Genug der Theorie, auf zum Praxistest. Was leisten Funktionswäsche-Einteiler? PS ging dieser Frage auf den Grund und schlüpfte in die Unteranzüge von sieben Herstellern: Alpinestars, Arlen Ness, Craft, EDZ, IXS, Köhler und Rukka. Die Tester untersuchten Verarbeitung, Passform, Tragekomfort und Kühlung. Um zusätzlich das Trocknungsverhalten zu erfassen, ermittelte PS zunächst das Trockengewicht der Underalls, warf die Anzüge in die Waschmaschine und legte sie danach erneut auf die Waage. Von diesem Nasswert ausgehend, dokumentierten regelmäßige Wiegevorgänge alle 30 Minuten den Trocknungsverlauf der Einteiler, die an einem gleichmäßig belüfteten Ort auf Bügeln hingen (siehe Diagramm Seite 66). Am meisten Wasser sog das Modell von Alpinestars auf, 223 Gramm. Im Vergleich dazu: Der Rukka Einteiler wog direkt nach dem Waschgang nur 84 Gramm mehr als zuvor. Dennoch trug sich der Alpinestars auch feucht sehr angenehm, an kühleren Tagen könnte der Körper unter der italienischen Wäsche aber auskühlen. Passform Wer am Wochenende schon einmal einen Bikertreff besucht hat, weiß: Die Statur der Motorradfahrer fällt höchst unterschiedlich aus. Deshalb bestellte PS die sieben Testkandidaten in zwei Größen und organisierte zusätzlich zum durchschnittlich beleibten Autor einen sehr schlanken Zweittester, um die Passform zu beurteilen. Kriterien dabei: Länge von Armen, Beinen und Oberkörper, Elastizität, Bündchenweite und Kragenabschluss. Insgesamt schnitten die Kandidaten bei beiden Testern gut ab, allerdings saß keiner der sieben Unteranzüge perfekt. Die größten Probleme traten bei den Modellen von Craft, IXS und Rukka auf. Bei Craft und IXS fiel der Oberkörperbereich etwas zu lang aus und warf in Fahrposition Falten. Beim Rukka-Einteiler saß der Kragen nicht perfekt, zudem bietet er beim Hanging-off zu wenig Beinfreiheit. Tragekomfort In Sachen Tragekomfort fiel das Gesamtbild sehr gut aus. Das Modell von Alpinestars war so bequem, dass beide Tester (und das Fotomodell) sich nur ungern davon trennten. Das elastische Lycra-Material passt sich hervorragend dem Körper an und sitzt dadurch wie die sprichwörtliche zweite Haut. Auch die Köhler-Wäsche trug sich im Test sehr bequem und passte sich gut dem Körper an. Am wenigsten überzeugte das Modell von Craft. Der Polyesteranzug kratzt unangenehm auf der Haut. Verarbeitung Auch bei der Verarbeitung konnte der Craft Pro Zero nicht überzeugen. Bereits bei der ersten Anprobe riss das Fasergewebe am Fußbündchen. Die Nähte des Einteilers sind ordentlich verarbeitet, halten aber extremen Belastungen nicht stand. Der Alpinestars-Einteiler räumt hier die volle Punktzahl ab: Sowohl Material als auch Nähte hinterließen einen sehr hochwertigen Eindruck. Kühlung Bereits bei der ersten Anprobe fielen große Unterschiede bei Materialdicke und Luftdurchlässigkeit der Testkandidaten auf. Während die Stoffe von Rukka, Craft, IXS und EDZ recht dick ausfallen, ähnelt die Struktur des Arlen Ness einem feinmaschigen Netz. Folge: Die Luft kann besser zirkulieren und der Körper bleibt angenehm kühl. Auch die Modelle von Alpinestars und Köhler überzeugten im Praxistest mit guter Kühlung, erreichten aber nicht das Niveau des Arlen Ness.
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Trocknungsverlauf

Rukka RVP Technica

Kontakt: Fachhandel, 15501 Lahti, Finnland, Tel. 00358/3822111, www.rukka.com Material: 100 % PolypropylenGrößen: S bis XXLBesonderheiten: Doppelreißverschluss,günstigste Wäsche im Test

Expertenmeinung

Alle sieben getesteten Unteranzüge bestehen aus synthetischen Materialien, vier davon aus 100 % Polyester. Professor Umbach, Direktor der Abteilung für Bekleidungsphysiologie am Forschungsinstitut Hohenstein, erklärt PS die Vorteile dieses Materials und sagt, was eine gute Funktionswäsche ausmacht: ?In erster Linie kommt es auf die Verarbeitung des Materials an. Die Hersteller sollten leicht raue, hautfreundliche Garne verwenden, die nicht am Körper kleben und nur an wenigen Punkten an der Haut anliegen. Die entstehende Luftschicht erhöht die Luftzirkulation und verbessert dadurch die Kühlung". Umbach weiter: ?Prinzipiell spricht nichts dagegen, Polyester einzusetzen. Das schlechte Image, Polyester würde schnell anfangen zu müffeln und beim Sturz Verbrennungen hervorrufen, konnten unsere Studien nicht bestätigen. Vermutlich beruhen diese Gerüchte auf schlecht verarbeiteten Materialien. In Hitzetests verursachten Kleidungsstücke aus Baumwolle schwerere Verbrennungen als Teile aus Polyester." Der Professor empfiehlt für Motorrad-Funktionswäsche ein zweiflächiges Material, wie es auch die Firma Köhler verwendet. Im Gegensatz zum Köhler-Anzug, der auf beiden Seiten aus demselben Material besteht und lediglich über unterschiedlich eng gewebte Fasern den Feuchtigkeitstransport verbessert, setzt Umbach auf eine Kombination aus feuchtigkeitsableitendem (hydrophilem) Synthetikmaterial auf der Innen-, und einer saugfähigen (hygroskopen) Baumwollschicht an der Außenseite. Dazu der Bekleidungsexperte: ?Die äußere Baumwollschicht speichert Feuchtigkeit, die die Lederkombi nicht sofort nach außen abführen kann und verbessert so das Trageklima. Die feuchtigkeitsleitende Synthetikschicht auf der Innenseite sorgt dafür, dass der Körper dennoch trocken bleibt".

Arlen Ness Racing

Kontakt: Alpinestars, 31011 Asolo, Italien, Tel. 0039/0423/5286, www.alpinestars.com Material: LycraGrößen: S bis XXXLBesonderheiten: schräger Doppelreiß-verschluss, Einsätze an Seite und Ellbeuge Kontakt: Held, 87545 Burgberg, Tel. 08321/6646-0, www.held.de Material: 100 % PolyesterGrößen: S bis XXLBesonderheiten: Stretch im Schrittbereich, extrem luftdurchlässig

Köhler Microtex Sport

Kontakt: Hein Gericke, 40589 Düsseldorf, Tel. 0211/98989, www.hein-gericke.de Material: 100 % PolyesterGrößen: S bis XXLBesonderheiten: Doppelreißverschluss, recht dickes Material, reißt leicht Kontakt: Vicla Bekleidung, 49624 Löningen, Tel. 05432/803808 Material: 100 % PolyesterGrößen: XS bis XXXLBesonderheiten: schräger Doppelreißverschluss, sehr dickes Material, bequem Kontakt: Hostettler GmbH, 79379 Müllheim, Tel. 07631/1804-0, www.ixs.de Material: 100 % PolyesterGrößen: XS bis XXLBesonderheiten: Doppelreißverschluss, relativ dickes Material Kontakt: Köhler Trikotagen, 66292 Riegelsberg, Tel. 06806/46772, www.koehler-trikotagen.de Material: 100 % TactelGrößen: S bis XXXLBesonderheiten: Schlaufen an Füßen und Händen, zweilagige Materialkonstruktion

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