Sport-Report: Motorrad-WM-Bilanz 2011 aus deutscher Sicht Vier sind Helden

Um es korrekt zu sagen: Vier deutsche Motorradsportler sind in der Saison 2011 Weltmeister geworden. Aber mehr als 60 Deutsche haben im vergangenen Jahr in einer Motorradsport-Disziplin WM-Punkte gewonnen. Sie dürfen alle stolz sein und feiern - unter dem Motto: Wir sind Helden.

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Richard Speiser Langbahn-Welt-meisterschaft, Platz 2

Es ist fast zu schön, um wahr zu sein: Stefan Bradl holte 18 Jahre nach Dirk Raudies wieder einen Straßen-WM-Titel nach Deutschland. Grandios mit einem Sieg und Topergebnissen in die Saison gestartet, musste der 22-Jährige Mitte des Jahres eine Schwächephase überstehen, während sein spanischer Hauptkonkurrent Marc Marquez immer stärker wurde. Bradl behielt die Nerven, Marquez verlor sie - verdienter WM-Sieg für Bradl.
Die besten deutschen Gespannfahrer auf Asphalt heißen Kurt Hock und Enrico Becker. Das Duo aus Oberursel und Drubeck musste sich in der Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft (IDM) nur der finnisch-schweizerischen Paarung Pekka Päivärinta und Adolf Hänni beugen. In der Weltmeisterschaft landeten sie nach fünf Rennen schließlich auch in der Schlusswertung und auf dem Podest. Hock, 51 Jahre alt, und sein 29-jähriger Copilot Becker sind schon seit 2004
ein Erfolgsteam. Daran soll sich auch in der Saison 2012 in IDM und WM nichts ändern.

Nach einem schweren Sturz hatte Matthias Himmelmann seine Motorradsport-ambitionen 2002 schon abgehakt - im vergangenen Jahr wurde der 41-Jährige Weltmeister der sogenannten e-Power-Kategorie, in der mit Elektrokraft um die Wette
gefahren wird. Erst zum zweiten Mal wurde diese noch junge WM 2011 ausgetragen, und dass gleich ein Deutscher auf einem in der Heimat konstruierten Motorrad
Maßstäbe setzt, darf die Technologienation Deutschland stolz machen. Himmelmann fährt Münch - einen legitimen Nachfolger der legendären Münch Mammut.
Er ist 17 Jahre alt und muss jetzt schon nach Amerika gehen, um sich neue, noch höhere Ziele zu stecken: Ken Roczen hat 2011, ganze 43 Jahre nach Paul Friedrichs, als erster Deutscher wieder eine Motocross-WM gewonnen. Weil ihm dieses Kunststück auf heimischem Boden in Gaildorf gelungen ist, konnten viele seiner Fans mit-
feiern - und sich gleich von Roczen verabschieden. Der KTM-Werksfahrer wird in den USA die professionellsten Crosser der Welt
herausfordern. MOTORRAD freut sich darauf, den Thüringer auch dort zu beobachten und an seiner Erfolgsstory weiterzuschreiben.
Die Superlative sind uns längst ausgegangen. 2005 gewann sie als Erste die frisch gegründete Motocross-Damen-WM, auch in den vergangenen drei Jahren biss sich die Konkurrenz die Zähne an Steffi Laier aus. Ihr aktueller WM-Titel ist keinen Deut weniger wert als der ihres Kollegen Ken Roczen.
Es hätte Platz drei werden sollen, ja müssen - doch auf dem Weg dahin wurde Deutschlands seit Jahren erfolgreichster MX1-Crosser Nagl (#2) durch einen Bandscheibenvorfall gebremst. Seine Devise: weiterkämpfen.
Seit 2006 ist sie in der Damen-Motocross-WM aktiv, beendete gleich ihre Debütsaison in den Top Ten und fuhr
in der Endabrechnung der vergan-
genen drei Jahre stets unter die
ersten drei - mit 21 Jahren, da geht doch noch was. Derzeit
kuriert Larissa Papenmeier einen Beinbruch aus, für 2012 sind bislang nur zwei WM-Starts geplant.
Ein Wunder an Beständigkeit ist der 24-jährige aus Börwangen - er wurde zum dritten Mal Langbahn-Teamweltmeister und konnte sich im Grand Prix als Einziger in fünf von sechs Rennen für den Finallauf qualifizieren - Vize-WM-Titel hinter Joonas Kylmäkorpi. Der Maschinenbau-Ingenieur liebäugelt mit einer Profikarriere.

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