Sport: Superbike-WM in Buriram/THA Destination Asien

Die Superbike-WM-Premiere in Thailand war ein voller Erfolg. Auf einer hochmodernen Rennstrecke gewann vor vollen Tribünen auch noch Lokalmatador Ratthapark Wilairot.

Thailand! Thailand! – Die Rufe von der prallvoll gefüllten Haupttribüne des brandneuen Chang International Circuit im thailändischen Buriram wollten einfach nicht aufhören. Auf dem Siegerpodest stand ein Mann, der schon viele Jahre verschiedene WM-Klassen als netter Farbtupfer bereichert hat, doch der noch nie in der Nähe eines WM-Sieges war.

Rhattapark Wilairot wollte in diesem Jahr eigentlich wieder in der Moto2-WM fahren, doch da sein Heimatland einen Superbike-WM-Lauf bekommen hat und das neu gegründete Team von Core Motorsport Thailand mit ihm arbeiten wollte, hatte er die ersten beiden Supersport-WM-Läufe mit in sein Programm aufgenommen. Jetzt hat er vor seinem Heimpublikum gewonnen und er ist WM-Leader. Die Moto2-WM muss ohne ihn auskommen, er wird um den Supersport-WM-Titel kämpfen.

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Geballte Ladung siamesischer Stärke

Doch Ratthapark Wilairot war nicht der Einzige, der seine Landsleute an diesem ersten in Thailand abgehaltenen Superbike-WM-Wochenende völlig ausflippen ließ. Sein fünf Jahre jüngerer Bruder Ratthapong startete erstmals mit einer Wildcard bei einem WM-Lauf und wurde auf Anhieb Fünfter. Und die beiden Rennen zum Asia Talent Cup, dessen Auftakt dieses Jahr nicht im Rahmen der MotoGP-WM, sondern bei der Superbike-WM auf der neuen Strecke stattfand, gewannen die thailändischen Nachwuchshoffnungen Somkiat Chantra und Nakarin Atiratphuvapat. Newin Chidchop, dem diese neue Rennstrecke aus der Feder des deutschen Architekten Hermann Tilke in erster Linie zu verdanken ist, stand jedes Mal mit auf dem Siegerpodest und hatte stolz seine rechte Hand über dem Herzen.

Wenn diese geballte Ladung siamesischer Stärke in dieser Form vielleicht auch plötzlich und unerwartet kam, sie ist nur die logische Folge eines Prozesses, der vor knapp zehn Jahren schleichend begann, der mittlerweile aber unaufhaltsam Fahrt aufgenommen hat und der in Zukunft wahrscheinlich das Gesicht des ganzen Motorradsports bestimmen wird. Während die Märkte in Europa geschrumpft sind, ist in Südostasien ein wahrer Boom entstanden. Kleine Zweiräder, zunächst kaum 100 Kubikzentimeter groß, haben schon seit Jahrzehnten für die Mobilität in dieser im wirtschaftlichen Aufschwung befindlichen Region gesorgt. Noch immer stellen Großrad-Roller und kleine Motorräder den größten Teil des Individualverkehrs dar, doch es kommen stets mehr große Bikes.

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Valentino Rossi und Co. haben dort auch eine Fangemeinde

Wie sind wir selbst mit dem Motorrad-Virus angesteckt worden? Meist auf den Mopeds unserer Jugend. Mit der Verbesserung der Einkommensverhältnisse in den Ländern, in denen fast jeder mit einem kleinen Zweirad zu tun hatte, konnte der Traum von großen Motorrädern nicht ausbleiben. Genauso wenig wie der Traum, den Idolen der Rennstrecke nachzueifern.

Mike Hailwood, Phil Read und Barry Sheene waren das Ergebnis der Motorrad-Tradition in England, die von den Vorkriegsjahren bis in die 1960er-Jahre angehalten hat. Kenny Roberts, Freddie Spencer, Eddie Lawson und Wayne Rainey haben ihre Anfänge in einer Szene gehabt, die in den Jahren entstanden ist, als das Motorrad in den USA vom Transportmittel zum Freizeitgerät mutiert ist – gut zehn Jahre, bevor jemand in Europa überhaupt über so etwas nachgedacht hätte. Und die spanische Dominanz von Jorge Lorenzo und Marc Márquez ist das Resultat des letzten Motorrad-Booms auf der Iberischen Halbinsel und der Liebe der Spanier zum Motorsport. Man braucht kein Prophet zu sein, um vorherzusehen, woher die Stars auf zwei Rädern in der näheren Zukunft kommen werden. In Indonesien, Vietnam, Malaysia und Thailand wachsen derzeit nicht nur die Motorrad-Märkte heran. Valentino Rossi und Co. haben dort auch eine Fangemeinde, die größer ist als sonst irgendwo auf diesem Planeten. Dass dort die Jungen ihren Idolen voller Enthusiasmus nacheifern, verwundert nicht.

Die Zukunft des Motorsports ist exotisch und aufregend

Doch MotoGP hin und Rossi her, ohne einem mutigen Visionär wüsste heute kaum jemand, wo die Stadt Buriram in Thailand liegt. Und vor allem hätte die Stadt keine brandneue Rennstrecke von WM-Format. Newin Chidchop kam vor einigen Jahren auf die Idee, dem Fußballklub der Stadt mit der Hilfe von einigen einflussreichen und sachverständigen Sportmanagern aus England ein wenig auf die Sprünge zu helfen. Dann baute er ein gigantisches Stadion, das auf den wohlklingenden Namen Thunder Castle getauft wurde, und die ganze Sache wurde richtig vermarktet. Heute ist Buriram United mehrfacher thailändischer Meister, mischt in der asiatischen Champions League mit und der Hype um diese Mannschaft ist in Thailand größer, als es sich die besten Fußballvereine in Europa träumen lassen. Im ganzen Land gibt es Fanshops des Vereins, Chidchops Investition in den Sport hat sich bereits vielfach rentiert.

Mit eben diesem Geschäftsmodell hat er nun in eine Gegend, wo Reisfelder und Wasserbüffel das Landschaftsbild prägen, eine hochmoderne Rennstrecke gebaut. Seine Erfahrung aus dem Fußball hat dabei für europäische Verhältnisse für so manche schräge Entwicklung gesorgt. Zum Beispiel den Fanshop zwischen Stadion und Rennstrecke, wo neben Trikots der Fußballstars ganz selbstverständlich auch Fanartikel aus dem Zweirad- und Vierradsport angeboten werden – eine gewagte Kombination.

Doch das Event-Dorf der thailändischen Motorradindustrie gleich daneben, in dem über das gesamte Wochenende eine Party nach der anderen lief und wo alles aufgefahren wurde, was bei uns begehrt und teuer ist, zeigt, wie richtig der mutige Geschäftsmann mit seiner Idee lag. Vor dieser offenen Tür des Motorradhandels standen auf dem Parkplatz noch Tausende kleine Maschinen um die großen herum, aber was auf dem Motorradparkplatz der Haupttribüne an exklusiven Motorrädern abgestellt war, übertraf sogar das, was in Assen oder Mugello auf den Zweirad-Parkplätzen der GP-Läufe zusammenkommt.

Zum Spitzensport mit diesen Boliden. Noch dominieren die Briten, wie schon auf Phillip Island, die Superbike-WM. Jonathan Rea war der überlegene Mann vor Leon Haslam. Doch die Premiere im Land vom König Bhumibol Adulyadej, dessen Bild auch an der Strecke überall zu sehen war, hat uns etwas von der Zukunft des Motorsports gezeigt. Und die ist exotisch und aufregend.

Foto: 2snap
Dorna-Vizepräsident Javier Alonso sprach mit MOTORRAD über die Gründe für die Asien-Erweiterung der ­Superbike-WM und seine Erfahrungen mit dem thailändischen Veranstalter.
Dorna-Vizepräsident Javier Alonso sprach mit MOTORRAD über die Gründe für die Asien-Erweiterung der ­Superbike-WM und seine Erfahrungen mit dem thailändischen Veranstalter.

Interview mit Javier Alonso

„Ein Grand Prix in Thailand ist möglich“

Dorna-Vizepräsident Javier Alonso sprach mit MOTORRAD über die Gründe für die Asien-Erweiterung der ­Superbike-WM und seine Erfahrungen mit dem thailändischen Veranstalter.

Javier, Sie sind als leitender Manager von Sportvermarkter Dorna quasi der Chef der Superbike-WM und maßgeblich daran beteiligt, dass diese Meisterschaft jetzt auch in Thailand ausgetragen wird. Was hat Sie dazu veranlasst?
Als wir die Superbike-WM übernommen haben, war sie sehr stark auf Europa konzentriert. Die Märkte dort sind aber rückläufig, während sie in Südostasien wachsen. Wir haben letztes Jahr einen Superbike-WM-Lauf in Malaysia platziert, weil wir das Land durch die MotoGP-WM kannten. Dann kam der Chang International Circuit auf uns zu und wir haben begonnen, mit dem Management zu verhandeln. Weil sie noch wenig Erfahrung mit Motorradsport haben, haben wir gemeinsam entschieden, erst mit der auf Groß­serien-Maschinen basierenden Superbike-WM zu beginnen, weil es für die Motorradfahrer auch einfacher ist, die Bikes zu verstehen, die sie selbst auf der Straße fahren. Es ist unglaublich, wie viele Motorräder in Thailand verkauft werden. Während des Rennwochenendes wurde in Buriram ein Ducati-Geschäft eröffnet, dessen Größe wirklich beeindruckend ist. Die Stadt, in der Ducati weltweit die meisten Motorräder verkauft, liegt in Asien – es ist Bangkok.
Wie fanden Sie den WM-Lauf in Thailand – aus Ihrer Sicht?
Wir sind auf sehr viel Enthusiasmus beim Veranstalter gestoßen. Dabei mussten wir mit einer großen Zahl von Leuten arbeiten, und jeder von ihnen hat wirklich sein Bestes gegeben. Den gleichen Enthusiasmus haben wir dann bei den Zuschauern gesehen, und auch mit der Zuschauerzahl können wir zufrieden sein. Dass Ratthapark Wilairot das Supersport-WM-Rennen gewonnen hat, war in dieser Hinsicht ebenso das Beste, was uns passieren konnte. Auch die beiden Rennen zum Asia Talent Cup haben thailändische Fahrer gewonnen, das wird diesem Event viel Auftrieb für die Zukunft geben. Wir brauchen gute Fahrer in unseren Weltmeisterschafts­serien, und die Fahrer-Pyramide ist in den letzten Jahren in den klassischen Märkten ebenfalls geschrumpft. Ein Land mit 70 Millionen Einwohnern in den internationalen Motorsport einzubinden, hilft uns auch, diese Pyramide wieder zu vergrößern.
Könnten Sie sich einen Grand Prix auf dem Chang International Circuit vorstellen?
Wir haben zunächst einen Dreijahresvertrag mit dem Veranstalter. Nach den bisherigen Erfahrungen bin ich mir aber sicher, dass wir diesen Vertrag noch weiter verlängern werden, und dann nicht nur für die Superbike-WM, sondern auch, um die MotoGP-WM auf den Chang International Circuit zu bringen. Ich denke, in einem neuen Land mit der Superbike-WM anzufangen und dann die MotoGP-WM dahin zu bringen, ist ein gutes Modell für uns.

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