Szene: GP am Sachsenring - die Party auf dem Ankerberg Voll gaga, oder richtig geil?

Sodom und Gomorrha für die einen, Party des Jahres für die anderen - die "Sachsenhölle", die Fete auf dem Ankerberg am Rande des Sach- senring-Grand-Prix, polarisiert.

Breiti trägt seinen Spitznamen nicht zu Unrecht. Er hat sich ein paar Bier rein- und seiner Aprilia RSV 1000 die Schalldämpfer abgeschraubt. Angefeuert von den Kumpels, gibt er Gas. Der V2 brüllt über die zertrampelte Wiese, schreit stotternd in den Begrenzer. Breiti grinst - ziemlich breit. Es ist Samstagnachmittag oben auf dem Ankerberg. Unten auf der Rennstrecke, keine 500 Meter Luftlinie von Breitis Zeltplatz entfernt, ist gerade das Qualifying zu Ende: Stoner auf Pole, aber Rossi muss morgen gedemütigt von Platz 16 aus ins Rennen. Was Breiti gerade ziemlich wurscht ist, viele Tausend andere aber ärgert: Denn unter den 100 000 Fans am Sachsenring ist "Rossi immer noch Kult, der braucht nur anderes Material", da ist sich Ronny mit der 46 auf dem Shirt ganz sicher. Der 20-Jährige ist mit seinen Kumpels aus Meißen an den Ring gekommen. Zehn Mann, vier Supersportler, zwei Bandits, ein Versorgungsbus mit dem Nötigsten, was man für ein verlängertes Ankerberg-Wochenende zum Überleben braucht: großes Bundeswehrzelt, am besten mit Tarnnetz, viele Kilo Grillgut, Stromerzeuger, Stereoanlage mit dicken PA-Boxen, vier Eimer Kartoffelsalat, Gefriertruhe, Kloschüssel, eine ausrangierte Sofagarnitur und 150 Liter Bier. Nebenan kampieren Michi und die Jungs aus Freiberg/Sachsen. Sofa haben sie keines dabei, dafür eine komplette Zapfanlage mit Kühlung. Und ein Baugerüst, aus dem sie ihre private Bühne aufbauen. "Nur so,
für den Überblick", grinst Michi. Von den offiziellen Tribünen unten an der Strecke aus haben sie das Qualifying gesehen, drücken Vale trotzdem die Daumen. Nur nicht Steffen. "Der ist für … naja", meint sein Freund Chris, schaut in seinen Becher und winkt ab. Bevor er den Namen Pedrosa in den Mund nimmt, nimmt er lieber noch einen Schluck.
Es dämmert. In der tiefen Sonne wird eine Glocke aus Staub, Reifenqualm und Grillrauch sichtbar, die über dem mit Autos, Zelten und Motorrädern vollgestellten Ankerberg wabert. In dessen Zentrum, auf der Partymeile mit Autoscooter, Bungeekugel, drei Open-Air-Discos und vielen Radeberger-Pavillons, gehen am Party-Tower die Scheinwerfer an. Ringsrum zischen Silvesterraketen in den Himmel. Irgendwo burnt wieder einer, es stinkt nach verbranntem Gummi. Diverse PA-Anlagen wummern gegen die Live-Band an, die gerade im Bierzelt loslegt. Langsam füllt sich auch die "Havanna-Suicide-Brain-Damage-Bar": "Hier wird nachher richdisch naggisch gedanzt", meint ein Security-Mann. Er wird aufpassen, dass geil im Gedränge vor der Bühne nicht zu gaga wird. Und morgen nach dem Frühstück sind dann die Rennen.

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