Im Test: Yamaha FZ8 WGP 50th Anniversary Neuer Anstrich für die Yamaha FZ8 GP anlässlich Jubiläum

Anlässlich des 50. Jubiläums seiner Grand-Prix-Einsätze hat Yamaha die FZ8 in den traditionellen Farben des Werksteams lackiert.

Foto: Bilski

Lackierung hin, Motor her: So schick die Farben auch sein mögen, sie machen aus dem Kumpeltypen, der die FZ8 schon immer war, nicht plötzlich einen Sprintkönig. Nach wie vor besticht der 779-cm³-Motor mit stabilem Anfahr-Drehmoment schon bei 2500/min. Beim Beschleunigen muss er allerdings so um 5500/min kurz innehalten und Luft holen, bevor er seiner Maximalleistung entgegen strebt. Dieser Durchhänger trübt das Bild vom souveränen Vierzylinder leicht, aber nicht nachhaltig. Passend zu diesem entspannten Wesen ist der sechste Gang recht lang übersetzt, sodass die niedrige Drehzahl beim Streckemachen Nerven und Spritvorrat schont.

Ins selbe Horn stoßen die komfortabel abgestimmten Federelemente: Für gemütliche, zügige und flotte Landpartien sind sie bestens geeignet. Erst wer sportliche Ambitionen durchblicken lässt und/oder mit Sozius unterwegs ist, entdeckt die Grenzen der Dämpfung und eine gewisse Grund-Trägheit der FZ8: Ihr langer Randstand und ihr relativ flach stehender Lenkkopf tragen dazu bei, und das Gewicht von vollgetankt 216 kg arbeitet dem auch nicht entgegen. Dafür ist der Geradeauslauf über jeden Zweifel erhaben, sodass kein zappeliges Fahrwerk, sondern vielmehr die „Ich bin der König der Welt”-Sitzposition von Dauervollgas abraten.

Noch zwei schnelle Lobe zum Schluss: Die Lichtausbeute des großen Einzelscheinwerfers ist sehr gut, und 194 Kilogramm Zuladung rücken die FZ8 beinahe in den Bereich der Touren-Motorräder. Leider lässt sich das Fahrwerk nur hinten und nur in der Federbasis justieren.

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Foto: fact

Die Daten*

Motor: Vierzylinder-Viertakt/Reihe
Hubraum: 779 cm³
Kraftübertragung: Sechsganggetriebe/Kette
Leistung: 78 kW (106 PS) bei 10 000/min
Max. Drehmoment: 82 Nm bei 8000/min
Bremse vorn: Doppelscheibe (Ø 310 mm)
Bremse hinten: Scheibe (Ø 367 mm)
Reifen vorn: 120/70 ZR 17
Reifen hinten: 180/55 ZR 17
Federweg vorn/hinten: 130/130 mm
Tankinhalt: 17 Liter
Farben: WGP 50th Anniversary
Wartungsintervalle: 10 000 km
Preis: 8995 Euro plus Nebenkosten

Die Messwerte

Höchstgeschwindigkeit*: 218 km/h
Beschleunigung 0−100 km/h:3,8 sek
Durchzug 60−140 km/h:10,0 sek
Gewicht vollgetankt: 216 kg
Zuladung: 194 kg
Verbrauch Landstraße: 4,6 l/100 km

*Werksangabe

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Foto: fact

In der Stadt

Der gutmütige Motor, die gelungene Ergonomie sowie die sehr gute Rundumsicht qualifizieren die FZ8 für den City-Betrieb. Ihr etwas träges Handling tritt hier noch nicht zutage, dafür glätten die komfortabel abgestimmten Federelemente Verwerfungen, Gullydeckel und Kopfsteinpflaster prima.

 

Auf der Landstraße

Sind Musiker anwesend? Die können sich Landpartien mit der FZ8  zwischen Andante und Vivace vorstellen; ab Presto streicht sie langsam die Segel. Nicht Musikern sei gesagt: Alles prima, solange man nicht im Letzte-Rille-Modus unterwegs ist. Schwache Dämpfung und allgemeine Trägheit zeigen sich dann.

Auf der Autobahn

Die Lampeneinfassung sieht nach ein bisschen Windschutz aus – zu Unrecht. Der Fahrer sitzt komplett im Fahrwind. Wie schnell der weht, bestimmt der Gasgriff –  Fahrstabilität ist jedenfalls kein Problem. Dank langer Übersetzung bleibt die Drehzahl niedrig, und der Verbrauch hält sich im Rahmen.

Foto: fact

Abschluss-Zeugnis Yamaha FZ8


Motor:
Geschmeidig, druckvoll, dabei immer berechenbar agiert der Vierzylinder. Man erwartet von 779 cm³ aber
irgendwie noch ein bisschen mehr.

Fahrwerk:
Passend zum Motor auf Zuverlässigkeit und Stabilität getrimmt. Die Dämpfung ist inbesondere mit Sozius oder bei scharfer Fahrweise zu schwach.

Bremsen:
ABS ist an Bord, prima. Allerdings regelt es etwas grob, und die Bremsanlage selbst geht auch eher den konservativen Weg und beißt nicht zu hart.

Ausstattung:
Wegfahrsperre, Warnblinker, eine schicke Leichtmetallschwinge und natürlich das dynamische Lackschema stehen auf der Haben-Seite.

Komfort:
Sieht man einmal vom fehlenden Windschutz ab (und wer den vermisst, braucht kein Naked Bike), ist die FZ8 ein wirklich bequemer Feger.

Einsteigertauglichkeit:
Gemein: Hätte die FZ8 keine kleine Schwester namens XJ6, würden hier die vollen fünf Sterne stehen. So ist die FZ8 für Einsteiger nur zweite Wahl.

Foto: Yamaha

Die Vierzylinder-Familie

Den Einstieg in Yamahas Vierzylinderwelt gibt’s mit knapp 600 cm³. Wer in dieser Hubraumklasse Drehzahlorgien befürchtet, kann sich beruhigt sehen: Die XJ6-Motoren bieten schon bei mittleren Drehzahlen flotten Schub und funktionieren sehr geschmeidig. Allerdings schicken sie gelegentlich auch feine Vibrationen in Lenkerenden und Fußrasten. ABS gibt’s für alle drei, aber nur für die Diversion F serienmäßig. Die Halbverschalte Diversion liefert das stimmigste Gesamtpaket, und die nackte XJ6 fährt nicht so biestig, wie es das Aussehen verspricht. Die Preise entsprechen der Joker-Aktion im Herbst 2012.

Yamaha XJ 6
Leistung 78 PS; Maximalgeschwindigkeit 200 km/h; vier Zylinder; Gewicht (vollgetankt) 205 kg; Sitzhöhe 785 mm; Preis 5595 Euro.

Yamaha XJ6 Diversion:
Leistung 78 PS; Maximalgeschwindigkeit 205 km/h; vier Zylinder; Gewicht (vollgetankt) 216 kg; Sitzhöhe 785 mm; Preis 5950 Euro.

Yamaha XJ6 Diversion F ABS:
Leistung 78 PS; Maximalgeschwindigkeit 205 km/h; vier Zylinder; Gewicht (vollgetankt) 217 kg; Sitzhöhe 785 mm; Preis 7795 Euro.

Foto: Yamaha

Wer sich für die FZ8 in Basis-Lackierung begeistern kann, spart gegenüber der WGP 50th Anniversary-Edition 300 Euro. Technisch sind die Maschinen identisch, allerdings gibt es die Basisvariante auch ohne ABS; damit entfällt automatisch auch die Kielverkleidung. Mit ABS ist sie 700 Euro teurer. Die halbverschalte Fazer8 ist ausschließlich mit Blockierverhinderer zu haben.

Yamaha FZ8:
Leistung 106 PS; Maximalgeschwindigkeit 218 km/h; Vier Zylinder; Gewicht (vollgetankt) 211 kg; Sitzhöhe 815 mm; Preis ab 7795 Euro.

Yamaha Fazer8 ABS:
Leistung 106 PS; Maximalgeschwindigkeit 215 km/h; vier Zylinder 4; Gewicht (vollgetankt) 220 kg; Sitzhöhe 815 mm; Preis 8995 Euro.

Foto: Yamaha

Wer möglichst viel PS für möglichst wenig Euros sucht, ist bei der FZ1 goldrichtig. Ihr Fünfventil-Vierzylinder setzt bis zu 150 PS frei – wenn man ihn ordentlich mit Drehzahlen füttert! Kein Wunder, war er doch in einem früheren Leben Antrieb des Superbikes YZF-R1. Diese Gewalt wirkt im Naked-Trimm stimmiger als in All¬rounder-Ausrüstung mit Halbschale. ABS ist verfügbar.

Yamaha FZ1
Leistung 150 PS; Maximalgeschwindigkeit 252 km/h; vier Zylinder, Gewicht (vollgetankt) 214 kg; Sitzhöhe 815 mm; Preis 10795 Euro.

Yamaha FZ1 Fazer ABS:
Leistung 150 PS; Maximalgeschwindigkeit 252 km/h; vier Zylinder; Gewicht (vollgetankt) 226 kg; Sitzhöhe 815 mm; Preis 11995 Euro.

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