Gebrauchtberatung für die Triumph Thruxton

Triumph Thruxton in der Gebrauchtberatung Tipps für den Gebrauchtkauf

Mit luftgekühlten Zweizylindern zitiert Triumph ab 2001 die glorreichen Sixties. 2004 erscheint als sportlicher Ableger die Thruxton 900. Wie kann sich der Twin gebraucht behaupten?

Wenn es so eine Art Seniorenbeauftragten in unserer Szene gibt, dann ist es der Thruxton-Fahrer. Denn ihm muss bewusst sein, dass er auch von älteren Damen und Herren immer und überall angesprochen wird: „Mein Vater hat früher auch so eine gefahren. Aber Ihre sieht ja noch wirklich gut aus!“ Der Thruxton-Fahrer könnte es jetzt still lächelnd dabei belassen. Oder er klärt auf! Dass es tatsächlich schon mal eine Thruxton gegeben hat.

In Anlehnung an die Bonneville-Siege bei den 500 Meilen auf dem Racetrack von Thruxton (England) erschien 1964 der Production Racer für jedermann: die T 120 R Thruxton mit Doppelvergaser und beachtlichen 53 Horsepowers. Mit dem Triumph-Niedergang in den 70ern (und der Pleite 1983) geriet aber vieles in Vergessenheit. Bis ab 2001 die guten, alten Zeiten wieder aufgegriffen wurden. Erstes Modell mit luftgekühltem 790-cm³-Twin wird die Bonne­ville. Doch nach dem erfolgreichen Triumph-Relaunch von 1991, mit modernen wie charakterstarken Dreizylindermotoren und schließlich auch der identitätsstiftenden Speed Triple, ist es fraglich, ob mit erstklassigem Old-School-Look aber dürftiger Performance ein weiterer Kassenschlager gelingt. Die Thruxton als einer der vielen Bonneville-Ableger macht dabei mit kleinem Hubraumplus (865 cm³) und entsprechend mehr Leistung (69 anstelle von 60 PS) zwar schon auf etwas dicke Hose. Trotzdem aber bleibt der fad abgestimmte Motor ein Emotionskiller, und auch das einfach gestrickte Fahrwerk mit der Tendenz zum Rühren sowie die laschen Bremsen ermutigen nicht dazu, nochmals die sportlichen Erfolge der Ur-Thruxton aus den Sixties ausfahren zu wollen.

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Aber das muss man eigentlich auch gar nicht. Denn die Thruxton gehört zu der Gattung Motorrad, die das berühmte Grinsen ins Gesicht zaubert. Beim Swing über die Hausstrecke, zur Zigarette am Treffpunkt, mit dem Bier abends vor der Garage und auch beim Kaffeeklatsch mit Oma und Opa am Rande der Fußgängerzone. In der Bauchwertung ist sie jedenfalls ganz vorne mit dabei. Braucht es wirklich noch mehr Gründe?

Die Marktsituation

Überschaubar und hochpreisig. Damit wären die Schlagworte zum Handel mit dem englischen Café Racer genannt. Besonders attraktiv: top ausgestattete Vorführer.

Triumph Thruxton ab 5.500 Euro

Niedriges Preisniveau

Auch die ersten Thruxton-Modelle, die schon zehn Jahre und mehr auf dem Buckel haben, halten sich hartnäckig über der 5000-Euro-Marke. Interessant ist aber, dass auch die Einspritzer ab 2008 bei hoher Laufleistung unter sechs Mille angeboten werden.

Beispielanzeige: 14 250 km, EZ 3/2005, Gelb/Silber, HU neu, 1. Hand, kleinere Schäden an Seitendeckel und Auspuff durch Umfaller, 5999 Euro (Händlerangebot aus Bayern)

Triumph Thruxton ab 7.000 Euro

Mittleres Preisniveau

In der Ü-7000-Liga ist der Abstand zum einstigen Neupreis schon recht gering. Viele Angebote wollen deshalb mit zahlreichen Extras (z. B. Heck­umbauten) oder Dynamik-Upgrades (z. B. Fahrwerk-Kits) punkten. Der Zustand ist meist makellos, die km-Leistung gering.

Beispielanzeige: 6000 km, EZ 3/2005, in Rot, HU bei Kauf neu, 1. Hand, scheckheftgepflegt, dezenter Heckumbau, Wilbers-Federbeine, ­Miniblinker, Shark-Auspuff, 7200 Euro (Privatanbieter aus Sachsen-Anhalt)

Triumph Thruxton ab 8.000 Euro

Hohes Preisniveau

Wer die Thruxton als Privatanbieter in dieser Liga abstoßen will, muss schon einiges an Extras mit in die Waagschale werfen. Denn als starke Konkurrenten locken hier Händler mit nahezu ladenneuen Vorführern.

Beispielanzeige: 5018 km, EZ 7/2015, in Grün, HU bei Kauf neu, 1. Hand, scheckheftgepflegt, umfangreiche Zubehörausstattung, drei Jahre Restgarantie, wegen Fehlkauf (zu sportliche Sitzhaltung) VB 8530 Euro (Privatanbieter aus Niedersachsen)

Modellpflege Triumph Thruxton

  • 2004: Markteinführung der Triumph Thruxton 900 auf Bonneville-Basis. Zweizylinder-Motor jetzt mit größerem Hubraum (plus 75 cm³), schärferen Nockenwellen und geänderten Vergasern. Farben: Schwarz/Silber, Rot/Silber. Preis: 8.360 Euro. Zulassungen in D: 200 Stück
  • 2005: Technisch unverändert, erhältlich in Schwarz/Silber, Gelb/Silber, Blau/Silber. Preis steigt auf 8.750 Euro. Zulassungen in D: 156 Stück
  • 2006: Technik, Farben und Preis unverändert, Zulassungen in D: 101 Stück
  • 2007: Schwarzes Motorgehäuse, erhältliche Farben: Schwarz, Rot. Preis: 8.740 Euro. Zulassungen in D: 81 Stück
  • 2008: Erste größere Modellpflege: Einspritzung statt Vergaser, höher verdichtende Kolben, Tank und Embleme neu, höher positionierter Stummellenker. Farben: Schwarz, Rot, Silber. Preis: 8.740 Euro, Zulassungen in D: 136 Stück
  • 2009: Silber entfällt, Preis unverändert. Zulassungen in D: 119 Stück
  • 2010: Sondermodell Thruxton SE in Weiß mit Rahmen/Schwinge in Rot, Standard unverändert. Preis: ab 8.990 Euro. Zulassungen in D: 157 Stück
  • 2011: Preis unverändert. Zulassungen in D: 165 Stück
  • 2012: Preis unverändert. Zulassungen in D: 181 Stück
  • 2013: Neue Farbe: Grün ersetzt Rot, Preis unverändert. Zulassungen in D: 238 Stück
  • 2014: Preis steigt auf 9.390 Euro. Zulassungen in D: 262 Stück
  • 2015: Sondermodell „Ace Cafe“ mit Zweifarb-Lackierung in Weiß/Schwarz, Standard unverändert. Preis ab 9.840 Euro. Zulassungen in D: 320 Stück
  • 2016: Neues Modell mit wassergekühltem 1200-cm³-Zweizylindermotor ersetzt 900er-Thruxton

Technische Daten der Triumph Thruxton 900 (Modelljahr 2008)

Motor
Luftgekühlter Zweizylinder-Viertakt-Reihenmotor, vier Ventile pro Zylinder, Nasssumpfschmierung, Einspritzung, geregelter Katalysator mit Sekundärluftsystem, mechanisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung, Fünfganggetriebe, O-Ring-Kette. Bohrung x Hub: 90,0 x 68,0 mm, Hubraum: 865 cm³, Nennleistung: 51,0 kW (69 PS) bei 7400/min, Max. Drehmoment: 70 Nm bei 5800/min

Fahrwerk
Doppelschleifenrahmen aus Stahl, Telegabel, verstellbare Federbasis, Zweiarmschwinge aus Stahl, zwei Federbeine, verstellbare ­Federbasis, Scheibenbremse vorn, Scheibenbremse hinten. Speichenräder mit Alu-Felgen: 2.50 x 18; 3.50 x 17, Reifen: 100/90 H 18; 130/80 H 17

Maße + Gewichte
Radstand: 1510 mm, Lenkkopfwinkel: 63,0 Grad, Nachlauf: 97 mm, Federweg vorn/hinten: 120/106 mm, Sitzhöhe: 830 mm, Gewicht vollgetankt: 231 kg, Tankinhalt: 16,0 Liter.

Messungen
(MOTORRAD 10/2008)
Höchstgeschwindigkeit: 200 km/h, Beschleunigung 0–100 km/h: 4,9 sek , Durchzug 60–100 km/h: 5,4 sek, Verbrauch: 4,3 l/100 km (Landstraße)

Händler-Interview

Janine Gatzsch (36) arbeitet seit über zehn Jahren beim Vertragshändler Q-Bike Technik (www.q-bike.de) in Hamburg. Das sagt die Verkäuferin zur Thruxton 900.

Die Thruxton ist eindeutig ein Liebhaberfahrzeug. Woher kommen denn die typischen Lover des luftgekühlten Twins?

Es sind auf jeden Fall Klassikbegeisterte, die aus allen Ecken unserer Szene kommen. Natürlich viele Triumph-Fans, aber auch Fahrer anderer Marken nehmen irgendwann die Thruxton ins Visier. Anders als die Bonneville oder die Scramb­ler spricht die Thruxton vor allem dynamische Fahrertypen an. Technisch ist natürlich vieles identisch, aber die sportliche Sitzhaltung macht den Unterschied, weshalb man sich schließlich bewusst für die Thruxton entscheidet.

Der typische Thruxton-Kunde ist also sportlich, aber bestimmt auch Ü-50 …

Mit Erscheinen der neuen wassergekühlten 1200er-Thruxton ab 2016 zeigt sich besonders deutlich der Generationenwandel. Die Klassikbegeisterung in der Motorradszene ist zunächst altersübergreifend. Doch die jüngeren „Ü-40er“ wollen den coolen Klassik-Look, aber auf moderne Zutaten wie das ABS nicht verzichten. Weshalb sie sich für die neue Thruxton-Generation entscheiden. Bei den älteren Klassik-Fans höre ich schon häufiger „viel zu viel Elektrikkram“. Die kann man mit den Bestimmungen der Euro 4-Norm fast schon jagen. Diese suchen dann gezielt nach den luftgekühlten 900er-Jahrgängen.

Steht der Café Racer eigentlich mehr vor Eisdielen oder wird er auch tatsächlich gefahren?

Wir haben Kunden, die inzwischen über 100 000 Kilometer mit ihrer Thruxton zurückgelegt haben. Und das ohne Probleme! Auffälligkeiten in der Werkstatt gibt es jedenfalls keine. Vielleicht, weil die Thruxton so sportlich ausgelegt ist, wird sie mehr gefahren als andere Klassiktypen. Eine zweite Liebhaberei ist natürlich das Customizing. Eine komplett serienmäßige Thruxton gibt es eigentlich gar nicht mehr. Irgendwas – ob Miniblinker, Sitzbankbezug, anderer Auspuff – hat jeder gemacht. Bei unseren Events und Ausfahrten sehen wir aber auch viele Bikes, die extrem aufwendig individualisiert sind.

Wer so investiert, hält seinem Bike wahrscheinlich lange die Treue.

Genau, eher wird ein Zweit- oder Drittmotorrad angeschafft, als die persönlich gestylte Thruxton wieder verkauft. Wir sehen es an den Preisen. Der Markt an Gebrauchten ist überschaubar und die Einstiegspreise sind sehr hoch. Grundsätzlich sind die Triumph Classic-Modelle sehr wertstabil und Sondermodelle wie die Ace Cafe gesucht!

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