Erschienen in: 22/ 2015 MOTORRAD

Acht Schalldämpfer für die BMW R 1200 GS im Produkttest

Zubehör vs. Original

Schraube und Schelle gelöst – schon hält man den Schalldämpfer der BMW R 1200 GS in der Hand. Ein Austauschteil ist in Minutenschnelle montiert. Doch lohnt der Griff zum Zubehör-Auspuff? Wer bietet mehr Leistung, wer klingt am besten? Acht Anbieter treten gegen das Münchner Original an.

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Zubehörschalldämpfer sind eintragungsfrei, Extra-Papiere braucht man nicht. Aber die Kennzeichnung muss stimmen.

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aus MOTORRAD 22/2015
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An die Fanfaren, Herr Kapellmeister, ein Tusch: So flink wie bei der BMW R 1200 GS haben wir in den letzten Jahren keinen Auspufftest mehr durchführen können. Denn der Austausch des Endschalldämpfers ist im Regelfall nur noch eine Sache von Minuten und stellt selbst Laien an der Werkzeugkiste vor keine großen Herausforderungen. Vor allem eine geschickte Klappenkonstruktion im Auslasstrakt macht die Schrauberaktion bestechend einfach.

Dazu ein Blick zurück: In der Vergangenheit musste bei nahezu jedem Testmotorrad eine im Original vorhandene elektronisch geregelte Auspuffklappe mit einigem Aufwand entweder komplett demontiert oder zumindest stillgelegt werden. Erst dann ließ sich ein Zubehörtopf anbringen. Bei der aktuellen BMW R 1200 GS ist die Auspuffklappe dagegen am Krümmerausgang noch vor dem Verbindungsrohr platziert und bleibt auch bei jedem Austauschschalldämpfer ganz normal in Betrieb.

Parallelen zum aktuellen Abgasskandal bei den Autos?

Natürlich zuckt nun jeder beim Wort Klappensteuerung zusammen – und natürlich werden schnell Parallelen zum aktuellen Abgasskandal bei den Autos gezogen. Selbstverständlich steht zunächst die Frage im Raum, ob eine solche Konstruktion überhaupt rechtens ist. Denn die Klappe soll bei Motorrädern vor allem den Zweck erfüllen, dass die rechtlich relevanten Fahrgeräusche eingehalten werden. Gemessen werden diese derzeit noch nach der EU-Regelung 97/24/EG, die aber ab kommendem Jahr von der UNECE-R 41 abgelöst wird.

Bislang werden die Fahrgeräusche bei einer Beschleunigung aus Tempo 50 im zweiten und dritten Gang über eine Strecke von 20 Metern gemessen. Das Phonmessgerät darf dabei im Mittel aus allen Vorbeifahrten laut Gesetz maximal 80 Dezibel aufzeichnen. Ein schon scharfer Wert, wenn man bedenkt, dass ein stürmischer Herbsttag schon mit gleicher Phonzahl über die Ohren streift. Selbst bei vielen moderat motorisierten Motorrädern ist deshalb eine Klappe unerlässlich, um diesen Wert zu erreichen.

Prinzip denkbar einfach

Das Prinzip ist denkbar einfach. Zur effektiven Eindämmung der Fahrgeräusche wird deshalb über Stellmotoren und Seilzüge ab Tempo 50 eine Klappe im Auspufftrakt geschlossen. Je nach Beschleuigungswerten wird die Klappe ab 70 km/h aufwärts wieder geöffnet – natürlich mit dem Effekt, dass die Dezibelzahl entsprechend steigt. Anders als bei der aktuellen Abgasaffäre sind die uns bekannten Motorradsysteme allerdings nicht auf reine Prüfstandsläufe abgestimmt. Die Klappe arbeitet in jedem Fall – egal, ob das Bike mit 50 durch die Stadt rollt oder im Rahmen einer Geräuschmessung bewegt wird.

Somit völlig legal, urteilen auch Experten diverser Prüforganisationen von TÜV oder Dekra, wenn sie mit der Homologation entsprechender Systeme betraut sind. Inwiefern sich das ab 2016 ändern wird, bleibt derzeit noch spekulativ. Lärmgegnern ist diese Praxis bei der Schalldämpferabstimmung seit Langem ein Dorn im Auge: Wie kann es sein, dass die Motorräder nur im Messbereich so leise sein müssen, vor oder hinter den gesetzlich abgesteckten Grenzen die Phonwerte aber explodieren dürfen? Weshalb sie große Hoffnung auf die Neuausrichtung der Geräuschmessvorschrift legen. Mit dem komplexen Messverfahren und zusätzlich weiter abgesenkten Dezibelwerten will man die derzeit gängige Klappenabstimmung – leise nur zwischen Tempo 50 und 70 – unmöglich machen. Ob das tatsächlich so klappt, bleibt allerdings abzuwarten.

Original in Sachen Leistung und Drehmoment unschlagabar

Blicken wir deshalb zunächst auf die aktuelle Testsituation. Und in dieser zeichnet sich zunächst ein ganz und gar dramatisches Bild ab. Denn wer denkt, dass er mit dem flotten Schalldämpferwechsel seiner BMW R 1200 GS auch flinke Beine gemacht hat, wird sich verwundert die Augen reiben. Bittere Wahrheit auf dem MOTORRAD-Prüfstand: Nicht ein Zubehörauspuff erreicht die Spitzenwerte in Sachen Leistung und Drehmoment, die vom Original abgeliefert werden.

Viele liefern immerhin Werte auf Serienniveau ab, einige andere müssen dagegen klein beigeben. Bis zu fünf Prozent weniger Spitzenleistung. Das ist alles andere, als was man von einem Zubehörtopf erwartet. Immerhin lässt sich noch ein Gewichtsvorteil erzielen. Anstelle des mit Reflexionskammern ausgestatteten Serienteils lassen sich durch die mit Dämmwolle befüllten Zubehörtöpfe bis zu 50 Prozent Masse sparen. Und natürlich macht der Ton die Musik. Die lässt sich nur schwer beschreiben. Deshalb hören sie die GS-Ouvertüre zum Test in diesem Video.

Der Soundcheck

Video: Acht Schalldämpfer für die BMW R 1200 GS im Produkttest.

Aktuelle Gebrauchtangebote
 

BMW R 1200 GS

08/2011
22.300 km

11.560 EUR Anfragen

BMW R 1200 GS

05/2012
6.460 km

12.490 EUR Anfragen

BMW R 1200 GS

06/2006
12.597 km

8.789 EUR Anfragen

BMW R 1200 GS

04/2016
869 km

18.490 EUR Anfragen

BMW R 1200 GS

03/2014
6.150 km

14.990 EUR Anfragen

BMW R 1200 GS

02/2014
11.557 km

14.400 EUR Anfragen


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15.10.2015 |  Artikel drucken | Senden | Kommentar

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