Auspuffanlagen für Klassiker und Youngtimer (Archivversion) Ersatz-Befriedigung

In Relation zum Zeitwert älterer Motorräder fällt der Austausch eines Auspuffs besonders ins Gewicht. Im Zubehör gibt es jedoch oftmals preisgünstigeren Ersatz. Sind solche Nachrüst-Auspuffanlagen eine gute Wahl?

Zubehör-Auspuffanlagen gehören zu den gefragtesten Umbauten in der Motorradszene. Während bei Besitzern aktueller Bikes in der Regel der Wunsch nach individueller Optik im Vordergrund steht, sind es bei Piloten von Klassikern der 70er und 80er Jahre meist finanzielle Gründe, die sie beim Austausch von verrosteten oder beschädigten Schalldämpfern zu Nachrüstteilen greifen lässt. Schließlich übersteigen die Preise für Originalteile – sofern überhaupt noch erhältlich – nicht selten den Zeitwert der Maschine. Doch was taugen die Repliken? Sind sie nur
ein billiger Notbehelf oder tatsächlich eine empfehlenswerte Alternative?
Zur Klärung dieser Fragen orderte
MOTORRAD sechs Paar Nachrüstschalldämpfer sowie vier Vier-in-eins-Komplettauspuffanlagen. Sie mussten ihre Qualitäten an einer gebrauchten Yamaha XJ 900 F von 1992 unter Beweis stellen. Aus Gründen der Chancengleichheit trat die bereits 48000 Kilometer gelaufene Yamaha auch mit neuen Original-Schalldämpfern zu den Leistungs- und Geräuschmessungen an. Jene absolvierte die 900er mit einer
Spitzenleistung von immerhin 87 PS sowie dem vorbildlich leisen Fahrgeräusch-Messwert von lediglich 78 dB (A).
Erfreulicherweise übten sich auch die sechs Zubehör-Schalldämpfer in Sachen Fahrgeräusch in Zurückhaltung. Auf dem Prüfstand jedoch war damit Schluss: Alle Probanden übertrafen die Leistungs- und Drehmomentkurven des Serienauspuffs (siehe Diagramme), einige (BSM Classic, BSM Future, MIVV) sogar um bis zu drei PS. Weil die Nachrüstteile zudem weniger
Gewicht auf die Waage bringen als die
Serien-Dämpfer und sich mit ihrer ordentlichen Verarbeitung durchaus sehen lassen können, sind sie – zumindest im Fall der Yamaha XJ 900 F – eine empfehlenswerte Alternative zu den teuren Originalteilen.
Im Gegensatz dazu enttäuschten die Vier-in-eins-Komplettanlagen: Alle vier Testexemplare führten zu mehr oder weniger ausgeprägten Leistungs- und Drehmomenteinbußen, weshalb MOTORRAD letztlich auf die aufwendigen Geräuschmessungen verzichtete.

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