Auspufftest Suzuki GSX-R 1000 (Archivversion) Ton-Korrektur

Fauchend. Wild. So klingt eine Suzuki GSX-R 1000. Gehört auch zum guten Ton einer reinrassigen Sportmaschine. Mit welcher Musik spielen Nachrüst-Schalldämpfer dagegen an?

Ein perfektes Motorrad kann zum
Problem werden. Für diejenigen, die immer gerne etwas verbessern möchten. Stehen diese Menschen vor einer Suzuki GSX-R 1000 ab Baujahr 2003, rätseln sie: Was ist verbesserungswürdig? Hah, was gefunden: der recht klobige Schalldämpfer! Schlanker soll er sein, zierlicher, wie es sich für eine Sportlerin ziemt. Natürlich muss der neue Topf so wild klingen
wie das fauchende Original und dennoch
die gültigen Geräuschbestimmungen erfüllen. Leistungs- und Drehmomenteinbußen werden nicht akzeptiert. Werkstoff Titan wird gerne genommen, schließlich ist das die Vorgabe der Serie.
Mit diesem Pflichtenpapier in der Hand sah sich MOTORRAD nach passenden Angeboten um. Nach Schalldämpfern, die, wie das Original, einfach mit vier Schrauben angeflanscht werden. In Werbebroschüren-Deutsch heißt das »bolt-on« oder »screw-on«, im Gegensatz zu »slip-on«, wo der Endtopf auf ein mitgeliefertes Verbindungsrohr aufgesteckt und dann mit Haltefedern
fixiert wird. Schwierigkeit dabei: Das
Original-Sammlerrohr mit integrierter Auspuffwalze, die unter anderem für die
Einhaltung der Geräuschwerte zuständig ist, würde entfallen. Die Einhaltung der Grenzwerte wäre somit illusorisch. Folglich kommt nur ein »bolt-on«-Dämpfer in Frage.
Alle getesteten Schalldämpfer zum
Anflanschen ließen sich ohne besonderen technischen Sachverstand mit üblichem Werkzeug montieren. Bei einigen Exemplaren muss die Befestigungsschelle mit Schutzgummis unterlegt werden, was
zu einer sehr fummeligen Angelegenheit werden kann. Besser sind vorgeformte Karbonschellen wie bei Akrapovic oder
Arrow. Noch besser: ein passgenaues Halterungsblech, wie es auch das Original aufweist. Das wirkt eleganter und wertiger.
Leichte und zierliche Schalldämpfer sind der Akrapovic, BSM und LeoVince
sowie der preisgünstige Götz, den es jedoch nur als Karbon-Version gibt. PS- und Newtonmeter-Sucher finden bei Bos, BSM und Micron ihr Glück. Etwas schwachbrüstig bei hohen Drehzahlen auf dem Prüfstand sind die Kandidaten von Arrow, Götz und Mivv, was für den Straßenbetrieb
jedoch irrelevant sein dürfte. Das Design ist Geschmackssache. Ebenso wie der Sound. Freilich nur, was dessen subjektive Bewertung angeht. Denn bei der objektiven Geräuschmessung gibt es keine
Diskussion über den richtigen Ton.
Die vorgeschriebenen Grenzwerte sind in den Papieren eingetragen: 93 dB (A) Standgeräusch und 78 dB (A) Fahrgeräusch. Das gemessene Original lag
mit 80 dB (A) Fahrgeräusch darüber und wäre durch eine offizielle Homologationsprüfung durchgefallen. MOTORRAD nahm die 80 dB (A) des Serienschalldämpfers dennoch als Referenz zur Messung der Nachrüst-Endtöpfe. Ergebnis: Während das Standgeräusch von fast allen Schalldämpfern bei einer Polizeikontrolle durchgehen würde (Toleranz fünf dB), lag nur
der Mivv unter dem Referenzwert für
das Fahrgeräusch. Kein Schalldämpfer
erreicht die vorgeschriebenen Werte. Echte Perfektionisten schütteln da nur mit
dem Kopf.

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