Schalldämpfer für Harley-Davidson Sportster Mehr Sound dank Zubehör-Auspuffe

Wenn anstelle eines kernigen Potatopotatopotato nur ein müdes Pffftpfffftpffft dem Auspuff entweicht, besteht Handlungsbedarf. Bei keinem anderen Fabrikat so sehr wie beim US-Schwermetall. Sieben Anlagen für die Sporty im Test.

Foto: Gargolov

Der Einstieg in die große bunte Harley-Welt kostet nur knapp 8500 Euro. Für den Gegenwert einer Honda Hornet 600 bekommt man eine 883er-Sportster. Wenn’s etwas mehr Hubraum sein darf, ist man ab 10795 Euro für eine XL 1200 X dabei, die Freunde nur Forty-Eight nennen. Unter elf Mille für ein Rundum-glücklich-Angebot – inklusive neidischer Autofahrerblicke, inklusive schwer beeindruckter Nachbarn, inklu­sive einjähriger Mitgliedschaft im größten Wochenendrocker-Club der Welt, inklusive dieses unbezahlbaren Breitgrinsens bei jeder Tour. Alles inklusive? Nicht ganz, denn eines gibt’s bei Harleys Einstiegsdroge nicht zum Einstiegspreis: anständigen Sound.

Nun kann man kaum behaupten, dass sich ab Werk die großen Schwestern der Sportster soundmäßig wesentlich besser aus der Affäre ziehen, doch bei denen fällt das leidige Thema dank serien­mäßiger Klappensysteme im Auspufftrakt nicht ganz so auf. Dyna, Softail und Touring-Modelle klingen serienmäßig immerhin langweilig, doch eine Sporty im Serientrimm klingt einfach nur scheiße. Um es mal ganz vorsichtig zu formulieren.

Das Thema ist längst kein Minderheitenproblem mehr, denn wer sich vergegenwärtigt, dass Harley mittlerweile Platz drei der Zulassungshitparade belegt und die besagte Forty-Eight in schöner Regelmäßigkeit zu den 20 am besten verkauften Motorradmodellen in Deutschland gehört, ahnt vielleicht, über welche Stückzahlen man sich unterhält. Erschwerend kommt hinzu, dass sich die aktuelle Sportster – zumindest in Auspuffdingen – nur unwesentlich von einer Sportster des Modelljahrs 2004 unterscheidet. Zugegeben: 2007 bekam die Sporty eine Einspritzanlage verpasst, was emissionstechnisch zumindest theoretisch ein großer Schritt war. Doch in der Praxis passt ein neuer Topf auch ans alte Gerät. Und umgekehrt. Stückzahlmäßig von Belang ist auch, dass 883er und 1200er (nicht nur beim Auspuff) engstens verwandt sind. Trotzdem bitte die Angaben der Auspuffanbieter beachten, denn nicht alles, was technisch geht, ist auch zulassungstechnisch okay – Stichwort Typprüfung mit Einhaltung der Fahrgeräuschwerte von 80 dB(A).

Anzeige

Ein erster Versuch von MOTORRAD, ein interessantes Testfeld zusammenzubekommen, scheiterte im Sommer 2012. Ob es an mangelnder Lieferfähigkeit, Ignoranz, Desinteresse, Trägheit oder nur unprofessioneller Pressearbeit lag, ließ sich nicht in jedem Fall klar sagen, aber es war auffällig, wie abgeschottet ein Teil der Harley-Zubehör-Szene immer noch agiert. Zum Teil gab es sehr einsilbige Absagen auf die schriftlichen MOTORRAD-Anfragen, zum anderen noch nicht einmal das.

Umso erfreulicher war es, dass beim zweiten Versuch auch Anbieter zusagten, deren Anlagen vor ein paar Monaten noch nicht serienreif waren: Die Test-Teilnahme von Miller und Dr. Jekill & Mr. Hyde stellte sich als Glücksfall heraus, bewiesen doch die beiden brandneuen Anlagen im Test recht eindrucksvoll, zu was gut gemachte Auspuffanlagen an einer Harley fähig sind. Die beiden Anlagen stellen auch die beiden Extreme in diesem Test dar. Zum einen die günstige, auch von ambitionierten Hobbyschraubern zu bewältigende Slip-on-Anlage von Miller. Zum anderen die nur von Profis zu montierende Jekill & Hyde-Anlage mit ihrem elektronisch gesteuerten Klappensystem, die inklusive Einbau auf über 2000 Euro kommt.

Für den professionellen An- und Umbau der Auspuffanlagen an der Forty-Eight holte sich MOTORRAD tatkräftige Unterstützung ins Team: Lucas Schmidt von der Harley-Factory in Frankfurt. Das 57-jährige Schraubergenie sorgte vor vielen Jahren dafür, dass Toni Mangs Fahrwerke WM-tauglich wurden, kümmerte sich später beim MotoGP-Projekt von BMW um die streng geheime Technik der Dreizylinder und restauriert seit jeher Harleys. In der Factory ist er ein Mann für Spezialaufgaben, zurzeit bringt er unter anderem einer XR 1000 das Laufen bei. Und er ist der Herr über den Dynojet-Prüfstand, auf dem alle Anlagen beweisen mussten, ob sie neben dem Schalldruck auch noch anderweitig Druck machen können.

Der Sound zählt. Im Video gibt's alle Anlagen zum Nachhören.
Anzeige
Foto: Lohse

Harley-Davidson Original

Gewicht: 7,3 kg
Leistung: 48 kW/65 PS
Sound: leise, verhalten

Anbieter:
Harley-Davidson,
Telefon 06105/2840, www.harley-davidson.de

Material: Edelstahl
Preis:
954 Euro
Gewicht:
7,3 kg
Passend ab Baujahr: -
Herstellungsland: USA
ECE-Prüfzeichen: 4 (Niederlande)
Versionen:
Extras: -
Bauart: Slip-on
Fahrgeräusch dB (A): 80,0

Plus: elegante Form,sauber verarbeitet,passgenau gefertigt.
Minus: schwaches Sounderlebnis.

Fazit:
Die Originalanlage passt mit ihren schlanken Tüten natürlich prächtig zur Harley. Was aber gar nicht passt, ist die dürftige Soundkulisse.

MOTORRAD-Urteil: befriedigend

Foto: Lohse

Akrapovic Slip-on

Gewicht: -0,0 %
Leistung: +4,4 %
Sound: kernig, bissig

Anbieter:
Jamparts Fahrzeugtechnik,
Telefon 07150⁄970565, www.akrapovic.de


Material: Edelstahl
Preis: 1448,23 Euro
Gewicht: 7,3 kg
Passend ab Baujahr: 2006
Herstellungsland: Slowenien
ECE-Prüfzeichen: 24 (Irland)
Versionen: Schwarzmatt, verchromt
Extras: Walzensystem (490 Euro)
Bauart: Slip-on
Fahrgeräusch dB (A): 89,4

Plus: aufwendig verarbeitet, toller Sound, bulliges Leistungsplus, passgenau und schnell montiert.
Minus: kratzempfindliche Oberflächen (in matter Ausführung), hält Fahrgeräusch-Grenzwert nicht ein.

Fazit:
Den Kantenlook mag nicht jeder. Keine Diskussion gibt es beim Finish und den ausgefeilten Details. Die Fahrgeräusche sind viel zu laut.

MOTORRAD-Urteil: befriedigend

Foto: Lohse

Jekill & Hyde Shorty Big Shot

Gewicht: +4,1 %
Leistung: +13,5 %
Sound: vibrierend

Anbieter:
The Jekill and Hyde Company,
Telefon 09386/978897, www.jekillandhyde.de

Material: Chromstahl
Preis: ab 1639 Euro
Gewicht: 7,6 kg
Passend ab Baujahr: 2004
Herstellungsland: Deutschland/Niederlande
ECE-Prüfzeichen: 13 (Luxemburg)
Versionen: Schwarz, klar/matt verchromt
Extras: Soundschalter (49 Euro)
Bauart: Slip-on mit Klappensteuerung
Fahrgeräusch dB (A): 80,7

Plus: erstklassig verarbeitet, saubere Passform, irre Soundkulisse bei Einhaltung der Grenzwerte, tolle Leistungsentfaltung.
Minus: Montage sehr aufwendig (Dauer in Fachwerkstatt nicht unter drei Stunden).

Fazit:
Das klappengesteuerte System überzeugt mit brachialem Sound – und hält dazu die Grenzwerte ein! Auch die Leistungsausbeute ist top.

MOTORRAD-Urteil: gut

Foto: Lohse

Miller Silverado

Gewicht: –26,0 %
Leistung: +5,6 %
Sound: kräftiger Bass

Anbieter:
Miller Custombike,
Telefon 09132/745380, www.miller-auspuff.de

Material: Edelstahl
Preis: 790 Euro
Gewicht: 5,4 kg
Passend ab Baujahr: 2006
Herstellungsland: Deutschland
ECE-Prüfzeichen: 3 (Italien)
Versionen: Schwarzmatt, Edelstahl poliert
Extras: dB-Einsatz Racing (65 Euro)
Bauart: Slip-on
Fahrgeräusch dB (A): 85,5

Plus: tolle Passform ermöglicht schnelle und einfache Montage, kräftiger Klang, perfekte Abstimmung für die Landstraße.
Minus: Fahrgeräusch grenzwertig, Schweißnähte teils rustikal, verfärbt sich schnell, knappe Montageanleitung.

Fazit:
Toll gemachtes Sounderlebnis im schicken Shotgun-Stil für den kleinen Geldbeutel. Presst dazu eine fette Drehmomentwelle aus dem V-Twin.

MOTORRAD-Urteil: sehr gut

Foto: Lohse

Sebring Classic

Gewicht: –26,0 %
Leistung: –0,4 %
Sound: leicht bollernd

Anbieter:
Mizu,
Telefon 07731/90670, www.mizu.de

Material: Edelstahl
Preis: 1150 Euro
Gewicht: 5,4 kg
Passend ab Baujahr: 2007
Herstellungsland: Österreich
ECE-Prüfzeichen: 4 (Niederlande)
Versionen: Schwarzmatt, verchromt
Extras:
Bauart: Slip-on
Fahrgeräusch dB (A): 81,3

Plus: bis ins Detail sauber und ansehnlich verarbeitet, schnell und spannungsfrei zu montieren, Fahrgeräusche knapp über Limit.
Minus: Sounderlebnis etwas mager, Leistungsausbeute dürftig.

Fazit:
Sieht aus wie die Serie, klingt fast wie die Serie und kitzelt auch nicht das wahre Potenzial aus der 1200er-Sporty heraus. Das Finish überzeugt.

MOTORRAD-Urteil: befriedigend

Foto: Lohse

Termignoni HD 05

Gewicht: –23,3 %
Leistung: –0,8 %
Sound: soft

Anbieter:
Hostettler,
Telefon 07631/18040, www.ixs.com

Material: Edelstahl
Preis: 929 Euro
Gewicht: 5,6 kg
Passend ab Baujahr: 2007
Herstellungsland: Italien
ECE-Prüfzeichen: 11 (Großbritannien)
Versionen:
Extras:
Bauart: Slip-on
Fahrgeräusch dB (A): 81,6

Plus: sattes Leistungsplus in der Drehzahlmitte.
Minus: Anbau durch viele Kleinteile fummelig, Schrauben zum Teil zu kurz, dürftige Passform, nur unter Spannung zu montieren.

Fazit:
Mehr fühlen als hören. Termignoni punktet durch die fette Drehmomentausbeute, weniger durch einen packen­den Sound. Die Passform ist mies.

MOTORRAD-Urteil: befriedigend

Foto: Lohse

Zard Z HD 527 SKO-CR

Gewicht: –27,4 %
Leistung: +7,9 %
Sound: krawallig

Anbieter:
Bos Auspuff,
Telefon 05941/4793, www.bosauspuff.de

Material: Edelstahl
Preis: ab 879 Euro
Gewicht: 5,3 kg
Passend ab Baujahr: 2006
Herstellungsland: Italien
ECE-Prüfzeichen: 11 (Großbritannien)
Versionen: Schwarzmatt, Edelstahl poliert
Extras: Keramik-Beschichtung optional
Bauart: 2-in-1-Komplettanlage
Fahrgeräusch dB (A): 92,7

Plus: drehmomentstarke Landstraßenabstimmung, schön verarbeitete Oberflächen.
Minus: Fahrgeräusche weit über dem Limit, Anbauteile z. T. ungenau gefertigt, Abstände z. T. knapp bemessen, verfärbt sich schnell.

Fazit:
Mit der Komplettanlage gewinnt die Sportster an Schub und Schräglage. In Sachen Sound sehr schrill und zu laut. Kleine Mankos beim Finish.

MOTORRAD-Urteil: gut

Foto: MRD

Endwertung

Jenseits des gefühlten Sounderlebnisses hier die Punktewertung des Schalldämpfertests für die Harley-Davidson Sportster-Reihe: Zum Tabellenführer schwingt sich die preiswerteste Anlage im Test auf. Millers Silverado-Dämpferpaar überzeugt mit einem guten Gesamtpaket aus Leistung, Drehmoment und noch moderatem Fahrgeräusch. Jekill & Hyde meis­tern die Geräuschhürde mit einem ausgefeilten Klappensystem und schöpfen noch einmal richtig Leistung aus dem V-Twin. Doch das kostet auch entsprechend: mit Montage über 2000 Euro!

Sound-Aufzeichnungen jeder Testanlage sowie weitere MOTORRAD-Auspufftests finden Sie unter:
www.motorradonline.de/auspuff

Foto: Herder

Interview mit Harley-Händler Thomas Trapp

Wie viele Kunden kaufen bei Euch einen Zubehörauspuff?
Trapp: Jeder zweite Kunde ordert bereits beim Kauf der Neumaschine oder spätestens im Laufe der ersten Saison einen Zubehörauspuff. Es gibt keinen Kunden, der in den Laden kommt und nicht nach Sound fragt. Kein Wunder, klingen die
Originalanlagen wegen der Emissionsgrenzwerte doch sehr dezent.

Was ist für die Kunden am wichtigsten: Sound, Leistung, Marke oder Preis?
Trapp: Ganz klar der Sound. In Sachen Leistung gehen zumindest die Laien sowieso davon aus, dass ein offener Auspuff immer mehr Leistung als das Original hat. Marke und Preis sind meistens zweitrangig. Wenn der Soundcheck überzeugt, ist die Anlage praktisch gekauft.

Wie läuft der Soundcheck in der Regel ab?
Trapp: Wir halten bei uns in der Factory mindestens ein Vorführfahrzeug aus jeder der fünf Harley-Baureihen mit einer Zubehör-Auspuffanlage zur Probefahrt bereit. Mindestens fünf Anlagen von fünf verschiedenen Herstellern – das ist schon ein sehr guter Querschnitt.

Wie weit sind die Kunden schon informiert, wenn sie zu Euch in den Laden kommen?
Trapp: Bestens. Durch den regen Informationsaustausch in den verschiedenen Internet-Foren ist der Markt für die Kunden mittlerweile sehr überschaubar. Die Anbieter können sich kaum noch erlauben, irgendetwas zu tricksen, und sind in Sachen Garantie- und Kulanzabwicklung besonders in der Zusammenarbeit mit großen Händlern sehr bemüht, kundenfreundlich zu reagieren. Die Harley-Community ist extrem gut vernetzt.

Welche Rolle spielen bei Euch die „illegalen“ Anlagen?
Trapp: Bei uns gehen nur Systeme raus, die legal sind. Aber man muss sich natürlich keine Illusionen machen: Wer es darauf anlegt, wird immer Mittel und Wege finden, um mit mehr „Sound“ unterwegs zu sein. Und diese Kundschaft ist sich
über die rechtlichen Konsequenzen sehr wohl bewusst.

Wer montiert die Zubehöranlagen?
Trapp: Zu über 90 Prozent unsere Werkstatt. Der Großteil der Harley-Kundschaft besteht längst nicht mehr aus Selbstschraubern, und mit „mal eben ranstecken“ ist es bei den meisten Anlagen auch nicht getan. Wenn dann noch Abstimmungsarbeiten dazukommen, ist der Hobbyschrauber schnell überfordert.

Welche Auspufftrends sind zu beobachten?
Trapp: Der Trend geht ganz klar zu elektronisch gesteuerten (Klappen-)Systemen. Die machen bei uns bereits zwei Drittel des Auspuffgeschäfts aus. Und auch Kunden, die schon eine „konventionelle“ Anlage haben, überlegen, ob sie nicht wechseln sollten. Der Grund dafür dürfte die immer höhere Kontrolldichte sein.

Dein abschließender Tipp für alle Auspuffumrüster?
Trapp: Behaltet unbedingt auch die Originalanlage; denn je älter eine Harley wird, desto mehr ist wieder ihr Originalzustand gefragt. Beim Händler gibt’s ohnehin keine Gutschrift, also lagert die Teile sauber und trocken ein, dann freut sich in 50, 60 Jahren garantiert jemand.

Themenseiten

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote

Alle Artikel