Service Spezial Auspuff Vergleichstest Karbon-Dämpfer

Zehn Zubehör-Schalldämpfer mit Karbon-Schale für Kawasakis ZX-9R stellen sich einem Vergleichstest. Wie gut ziehen sich die »Schwarzarbeiter« in puncto Leistungsausbeute und Geräuschverhalten aus der Affäre? MOTORRAD klärt auf.

Keine Frage, der Werkstoff Karbon verkörpert wie kein anderer Sportlichkeit. Auf dem Bekleidungssektor dient er als Beigabe in Lederkombis, Helmen, Handschuhen und Stiefeln, am Motorrad schmückt er Verkleidungsteile, Radabdeckungen und vieles mehr. Was liegt also näher, als im Rahmen des Schalldämpfer-Tests mit der sportlichsten Kawasaki, der ZX-9R, schwarze Karbon-Zubehör-Dämpfer mit EG-BE auf Herz und Nieren zu prüfen. Zehn Kandidaten verschiedener Hersteller stellen sich einem Vergleich.
Bei der Test-ZX-9R handelt es sich um das Modell mit ungeregeltem Katalysator im Dämpfer, nominell 104 kW stark, also ein kW schwächer als die bis auf den Dämpfer und ein Sperrventil am Vergaser gegen Spritüberlaufen völlig baugleiche Version ohne Kat. Unabhängig davon, für welches der beiden Modelle ZX-9R-Besitzer einen Nachrüstdämpfer suchen, einen kleinen Leistungszuwachs wünschen sich alle. Außerdem spielen noch Kriterien wie Gewicht, Klang, Design und natürlich Preis eine kaufentscheidende Rolle.
Beim letzten Punkt liegen die Kandidaten zum Teil deutlich unter dem 978 Mark teuren Originaltopf (mit oder ohne Kat). Das billigste Angebot offeriert die Firma Götz mit dem Figaroli-Dämpfer für 597 Mark. Den teuersten Test-Teilnehmer stellt die Firma Hänsle mit dem Termignoni-Modell für 898 Mark.
In puncto Gewicht sparen bis auf die nahezu baugleichen Dämpfer von Ixil und WMP alle Karbon-Versionen etliche Pfunde gegenüber dem 5,22 Kilogramm schweren Kawasaki-Topf ein, dessen Katalysator allerdings allein schon gut ein Kilogramm wiegt. Das absolute Fliegengewicht liefert SR-Racing mit ihrem nur 2,38 Kilogramm leichten Modell.
Die verschiedenen Bauformen der Dämpfer bieten für nahezu jeden Geschmack das Passende: rund oder oval, voluminös oder schlank, mit glatter, glänzender oder rauher, unlackierter Oberfläche. Eines ist jedoch alle Ausführungen gemeinsam: Sie sind kratzempfindlich. Vor allem die Kandidaten, deren hintere Befestigung aus einer um den Topf gelegten Schelle besteht, weisen in diesem Bereich recht schnell unschöne Kratzspuren auf. Weniger gefährdet zeigen sich Anlagen mit angeschraubtem Halter, wie sie bei Bos und Remus zum Einsatz kommen - gegen Beschädigungen durch Umfaller sind freilich auch sie nicht gefeit.
Kommen wir zur Anbauprüfung, die bei fast allen Kandidaten in zwei Minuten erledigt ist. Nur die Modelle von Ixil und WMP sträuben sich vehement. Zunächst müssen die drei Löcher am Kawasaki-Krümmerflansch mit einer Feile bearbeitet werden, weil die Gewindestehbolzen der beiden Nachrüstdämpfer auf einem zu kleinen Kreisdurchmesser liegen. Kaum ist das erledigt, zeigt sich, daß die mitgelieferten Aluminium-Distanzhülsen und Schrauben für die Befestigung an der Soziusraste nicht passen. Und da die beiden recht voluminösen Dämpfer ohne die Distanzstücke mit Schwinge und Bremssattel kollidieren, muß zunächst eine ausreichend lange Halteschraube aufgetrieben werden.
Aus Sicherheitsgründen empfiehlt sich nach jeder Montage einer Nachrüst-Anlage und vor der ersten Ausfahrt eine Anbau-Kontrolle, um zu prüfen, ob beim Einfedern noch genügend Freiraum zwischen Dämpfer und Fahrzeugteilen vorhanden ist. Nach etwa 100 Kilometern gehören darüber hinaus alle Schrauben nachgezogen.
Nachdem nun alle Anlagen montiert sind, geht es zum Kräftemessen auf den Bosch-Leistungsprüfstand. Mit 106,1 kW Spitzenleistung stemmt die Test-Kawa immerhin 2,1 kW mehr als angegeben auf die Rolle. Als einziger Nachrüst-Dämpfer setzt das Bos-Modell mit 106,7 kW noch einen drauf. Alle anderen müssen sich der Serie mehr oder weniger deutlich geschlagen geben.
Besonders auffällig zeigen sich die Leistungseinbußen der Nachrüst-Dämpfer im Bereich ab 9000/min (auch bei der Bos-Anlage). Betrachtet man den gesamten Drehzahlbereich, dann hat das Shark-Modell die geringsten »Löcher« in der Leistungskurve, trotz geringfügig niedrigerer Maximalleistung. Die größten Verluste sind bei den Anlagen von Remus und Sebring zu verzeichnen, die 5,9 beziehungsweise 7,4 kW gegenüber dem Original verlieren und deren Leistungskurven bereits bei etwa 7000/min abflachen.
Der Wunsch nach besserer Leistungsentfaltung wird also bei den getesteten Dämpfern nicht erfüllt. Wobei man sich im Alltagsbetrieb auch nur selten im höchsten Drehzahl- und Leistungsbereich bewegt. Im Straßenverkehr reichen auch die knapp 99 kW des Sebring-Topfs voll aus. Entscheidender ist hier - spätestens bei der ersten Polizeikontrolle -, daß die Nachrüstdämpfer die Geräuschgrenzwerte einhalten.
Deshalb müssen alle zehn Anlagen Standgeräusch- und Fahrgeräuschmessungen über sich ergehen lassen (siehe hierzu auch Artikel »Homologation« auf Seite 154). Der Original-Dämpfer steht mit 92 dB (A) Standgeräusch und 79 dB (A) Fahrgeräusch in den Papieren. Die MOTORRAD-Messungen ergeben mit 93 dB (A) im Stand und 80 dB (A) beim Fahren leicht erhöhte Werte, die jedoch innerhalb der für das Testfahrzeug zulässigen Toleranz liegen. Die beträgt drei dB (A) im Stand und ein dB (A) beim Fahrgeräusch. 93 beziehungsweise 80 dB (A) sind somit auch die Grenzwerte für die getesteten Nachrüstanlagen
Bei denen erklimmt der Figaroli-Topf mit 99 dB (A) Standgeräusch und 85 dB (A) Fahrgeräusch den unrühmlichen Spitzenplatz und liegt in beiden Disziplinen weit außerhalb der Grenzwerte. Käufer dieses Dämpfers müssen damit rechnen, in der ersten Polizeikontrolle steckenzubleiben - EG-BE hin oder her.
Auch die Dämpfer von Bos, Harpoon, Shark und SR-Racing entsprechen mit Fahrgeräuschwerten zwischen 81 und 83 dB (A) nicht ganz den Vorschriften, liegen aber wie alle anderen beim Standgeräusch innerhalb der für Polizeikontrollen gültigen fünf dB (A)-Toleranz und sind lange nicht so unangenehm laut wie der Kandidat von Figaroli. Daß es durchaus möglich ist den zulässigen Fahrgeräuschwert von 80 dB (A) einzuhalten, zeigen die Töpfe von Remus, Sebring und Termignoni. Mit gerademal 78 dB (A) liegen die Dämpfer von Ixil und WMP sogar noch darunter.
Wem die getesteten Karbon-Töpfe zu schwarz oder zu kratzempfindlich sind oder einfach zu wenig gefallen, der hat bei den meisten Anbietern die Möglichkeit, aus dem reichhaltigen Angebot vergleichbare Dämpfer aus Aluminium, Edelstahl oder Titan sowohl in runder als auch ovaler Ausführung zu wählen. Schließlich heißt es nicht von ungefähr:«Jedes Deckelchen findet ein passendes Töpfchen.“

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