Marken-Neuheiten: Triumph gegen BMW Der Markenvergleich: Deutschland gegen England
Im Fußball sind Deutschland und England gleichermaßen füreinander Angstgegner. Im Motorradbau könnte es Triumph für Europas Platzhirsch BMW bald werden. Erst recht mit diesen beiden neuen Modellen für 2012.
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BMW F 800 GS, BMW R 1200 GS, Triumph Tiger 800
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Als im November 2010 auf dem Messestand von Triumph auf der Mailänder Eicma die Hostessen die Tücher von der neuen Tiger 800 und ihrer Geländeschwester XC zogen, dürften so einigen BMW-Verantwortlichen die Gesichtszüge gefroren sein. Dass der neue Reiseenduro-Dreizylinder auf die erfolgreiche Zwei-zylinder-F-800-Reihe zielte, war zwar schon klar gewesen. Doch dass sich die Briten in Sachen Motorleistung, Offroad-Auslegung, Ausstattung, Design und technische Details so nah an der F 800 GS orientieren würden, das kann für die Bayern nur eines gewesen sein: really shocking! Die „ADAC Motorwelt“, mit fast 14 Millionen auflagenstärkste Zeitschrift in Deutschland, schrieb in ihrer Juni-Ausgabe, dass man schon „sehr genau hinsehen“ müsse, um die beiden zu unterscheiden (den Vergleichstest gewann die BMW mit hauchdünnem Vorsprung). Und ein englisches Motorrad-Blatt titelte, als es beide Modelle nebeneinander abbildete, sinngemäß: Finde den Unterschied (siehe dazu auch S. 20).
Der erste Schachzug einer in Richtung BMW zielenden Triumph-Modelloffensive ist gemacht. Und er war gut. Erlkönigfotos, die MOTORRAD von Lesern zugespielt wurden, belegen, dass Triumph an zwei weiteren Fronten BMW in dessen Kernkompetenz angreifen wird: bei gro-ßen, perfekt ausgestatteten Reisetourern und, das könnte die Münchner am meisten schmerzen, bei der großen GS, der heiligen (Cash-)Kuh der Bayern.
Schon sehr bald könnte die Trophy 1200 aus den Werken in Hinckley in Richtung Händler rollen. Im Juni sind bereits zum zweiten Mal Fotos aufgetaucht, die einen großvolumigen Reisetourer auf Testfahrt in Südeuropa zeigen: mit großflächiger Doppelscheinwerfer-Front, in wind-abweisende Spoiler integrierten vorderen Blinkern und Rückspiegeln, offensichtlich (und wohl elektrisch) verstellbarer Scheibe, Kombibremse, ABS, Einarmschwinge mit Parallelogrammabstützung und Kardan-antrieb sowie großen, optisch ins Heck integrierten Koffern. Wären da nicht der Reihen-Dreizylinder anstelle des Boxermotors und der Kardan auf der anderen, nämlich der linken Seite, das schwarze Schiff könnte glatt als R 1200 RT durchgehen. Die große, noch unbekannte Triumph scheint in Sachen technische Fahrtests schon in einem sehr fortgeschrittenen Stadium. Anbauteile wie Scheibe und Verkleidung machen einen sehr ausgereiften Eindruck.
Rein rechnerisch kommt für den neuen Dreizylinder ein Hubraum von 1227 Kubik infrage. Nämlich dann, wenn Triumph bewährte Teile wie die Kurbelwelle aus dem 1050-Motor einsetzt, mit dem bei Tiger, Sprint GT und Speed Triple verwendeten Hub von 71,4 mm. Dieser neue -Drilling wird wohl auch in einem weiteren Modell Verwendung finden: der Tiger 1200. Mit ihr bläst Triumph nach dem erfolgreichen Start des F-800-GS-Konkurrenten Tiger 800 zum Angriff auf die R 1200 GS. Doch neben den aufgezeigten Anhaltspunkten in Sachen Motor, der dreh-mo-ment-optimiert in einer großen Reiseenduro für 125 PS gut sein dürfte, sagen die wenigen, meist unscharfen Prototypen-Fotos sonst noch nicht viel über den GS-Konkurrenten aus. Er wird Kardan haben und einen Rohrrahmen, welcher dem der Tiger 800 ähnelt. Denkbar, dass Triumph auch die große Tiger in einer eher straßentauglichen Variante mit Alugussrädern und als XC (Kreuz = Cross und C für Country) mit längeren Federwegen und Draht-speichen--rädern anbieten wird. Sehr wahrscheinlich wird sie Ride-by-Wire-Technik nutzen, also Gasgeben via Elektronik, unterschiedliche Fahrmodi und neben ABS noch weitere Assistenzsysteme bieten.
Ob die Engländer den Bayern das Wasser werden reichen können? Schließlich ist die große GS seit der 1150er im Jahr 2002 bis heute in Deutschland, seit einigen Jahren auch in Italien und zeitweilig sogar in England das meistverkaufte Motorrad. Sicher scheint nur: Die Festung Boxermotor, seit 31 Jahren hauptverantwortlich für das GS-Gesamtkonzept, ist noch nicht in Gefahr.