Integralbremse Integralbremse

Es gehört viel Motorraderfahrung dazu, um Hand- und Fußbremse gleichzeitig so zu dosieren, daß die optimale Verzögerung erreicht wird.

Es gehört viel Motorraderfahrung dazu, um Hand- und Fußbremse gleichzeitig so zu dosieren, daß die optimale Verzögerung erreicht wird. Schon weil der Mensch im Fuß mehr Kraft hat als im Arm, betätigt er bei Schreckbremsungen automatisch die Hinterradbremse stärker als die Vorderradbremse. Es kommt leicht zum Blockieren des Hinterrads, zumal sich beim Bremsen das Gewicht des Motorrads auf das Vorderrad verlagert.

Das Konzept, durch geeignete Koppelung von Vorderrad- und Hinterradbremse die Bremskraftverteilung an die Verzögerung anzupassen und somit das Überbremsen eines Rads zu verhindern, ist auf dem Automobilsektor schon lange gebräuchlich.
Schon in den dreißiger Jahren gab es vereinzelt Verbundsysteme, bei denen versucht wurde, über mechanische Bauteile die gewünschte Bremskraftverteilung zu erreichen.


1974 griff Moto Guzzi diesen Gedanken auf und entwickelte zusammen mit dem italienischen Bremsenhersteller Brembo das erste hydraulisch betätigte Integral-Bremssystem. Bei dieser Anlage wird über den Fußbremshebel sowohl die hintere Scheibe, als auch die linke vordere Scheibe betätigt. Der Handbremshebel verzögert dagegen nur die rechte vordere Scheibe und ist eigentlich mehr als Notbremse gedacht. Dies ist erforderlich, da der Gesetzgeber zwei unabhängig voneinander wirkende Bremssysteme vorschreibt.


Die Bremskraft am Hinterrad wird durch ein Druckregelventil dosiert. Es reduziert den vom Hauptzylinder kommenden Druck um über 70 Prozent, was der idealen Verteilung der Bremskräfte rechnerisch schon recht nahe kommt. Das Guzzi-Bremssystem bietet vor allem weniger routinierten Fahrern größere Sicherheit, weil es das Überbremsen des Hinterrads fast unmöglich macht.

Andererseits paßt es sich nicht den verschiedenen Beladungs- und Fahrbahnzuständen an, weshalb sich BMW nach anfänglichem Interesse der Entwicklung eines Antiblockiersystems zuwandte.

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Sowohl die hintere Scheibe als auch die linke vordere Scheibe werden beim Guzzi-Verbundsystem mit dem Fußbremshebel betätigt.

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