Test Sintermetall-Bremsbeläge für BMW F 650 GS Haltmeister

Die Vorderradbremse der BMW F 650 GS gehört zu den besten Einscheibenanlagen auf dem Markt. MOTORRAD beantwortet die Frage, wie gut sich Zubehör-Sintermetallbeläge im Vergleich zu den BMW-Originalstoppern schlagen.

Dass sich Motorräder mit nur einer Bremsscheibe im Vorderrad zuverlässig und vehement verzögern lassen, bewies der Top-Test der Schwestermodelle BMW F 650 CS und F 650 GS in MOTORRAD 26/2001. Mit einer mittleren Bremsverzögerung von über 10 m/s² stehen die Bikes bei einer Vollbremsung aus 100 km/h bereits nach wenig mehr als 38 Meter – ein absoluter Spitzenwert. Die von BMW verwendeten Bremskomponenten, scheinen mit den von Brembo gelieferten Sintermetall-Bremsbelägen bestens zu harmonieren. Kein Grund also, anderweitig nach Ersatz zu suchen – wäre da nicht der happige Preis von 45,70 Euro pro Paar. Da bietet der Zubehörmarkt wesentlich günstigere Exemplare. Fragt sich nur, ob die ebensogut funktionieren.
MOTORRAD ließ sechs Sintermetall-Kandidaten der Anbieter Alpha Technik, Brembo, Carbone Lorraine, EBC, Ferodo und Lucas zu Preisen zwischen 25 und 35 Euro gegen die BMW-Original-Stopper antreten. Um klare Aussagen zur Lebensdauer und damit zum Preis-Leistungs-Verhältnis treffen zu können, gehörten aufwendige Verschleißfahrten zu den Testkriterien (siehe auch Kasten auf Seite 151). Sieben F 650 GS schlängelten sich eine Woche lang im Konvoi über rund 4600 Kilometer in sportlich flotter Kurvenhatz durch den Appennin.
Hochgerechnet überzeugen die BMW-Beläge mit der höchsten theoretischen Lebensdauer von knapp 38000 Kilometer und dem geringsten Bremsscheibenverschleiß. Pfennigfuchser – oder Centfuchser, wie es jetzt wohl heißen muss – sind deshalb mit den Original-Stoppern bestens bedient. Mit noch geringeren Kilometerkosten überzeugen nur die Beläge von Carbone Lorraine und Ferodo.
Quasi zur Ehrenrettung aller Beläge sollte an dieser Stelle ausdrücklich darauf hingewiesen werden, dass die Beanspruchung während der Verschleißfahrten wesentlich höher war als sie im durchschnittlichen Alltag einer F 650 GS auftritt. Bei täglich zehn Stunden intensivem Kurvenwetzen und ständigen Bremsmanövern auf den letzten Drücker kann man fast schon zuschauen, wie die Beläge abnehmen. Die ermittelte Lebensdauer der Testbeläge stellt daher das Minimun dar – im Regelfall sollte sie locker das Doppelte betragen.
Wichtiger als die Haltbarkeit sind nach Meinung von MOTORRAD die Bremseigenschaften bei Trockenheit und Nässe. Was nutzt es schließlich, wenn die Beläge zwar 100000 Kilometer halten, aber bei einer Vollbremsung oder bei Regen ihren Dienst versagen? Um die Funktionskriterien zu beurteilen, wurde ein weiteres Paar Bremsbeläge pro Teilnehmer eingefahren und entsprechende Testreihen durchgeführt. Sämtliche Ergebnisse finden sich in den zugehörigen Datenkästen wieder.
Unter Berücksichtigung aller Werte entpuppen sich in diesem Testfeld die Originalbeläge von BMW als »Haltmeister« – schließlich stoppen sie die F 650 GS jederzeit zuverlässig und überzeugen trotz des hohen Preises dank der höchsten theoretischen Lebensdauer aller Testteilnehmer mit einem prima Preis-Leistungs-Verhältnis. Knapp dahinter folgen die sehr bissigen EBC-Beläge vor den Brembo-Stoppern.

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