Test Sintermetall-Bremsbeläge für BMW R 1150 GS

Stopp-Test

Acht Zubehörbremsbeläge auf Sintermetall-Basis für die BMW R 1150 GS treten gegen die Original-Stopper an und wollen zeigen, dass sie die beliebte Reiseenduro jederzeit sicher zum Halten bringen.

Seit vielen Jahren führen die GS-Modelle von BMW die Hitliste der beliebtesten Motorräder in Deutschland an. Die meisten GS-Besitzer sind Vielfahrer, Fernreisende, manche auch sportlich angehauchte Landstraßenräuber – die BMW kann nahezu alles. Zu den Voraussetzungen für ungetrübten Fahrspaß gehören ein bulliger Motor, ein komfortables, stabiles Fahrwerk und natürlich funktionelle Bremsen.
MOTORRAD testete deshalb, wie gut Nachrüstbremsbeläge mit der Reiseenduro harmonieren. Acht Sintermetall-Beläge aus dem Zubehörmarkt mussten ihre Qualitäten gegen die original BMW-Pads (ebenfalls Sintermetall) beweisen. Sämtliche Bremsbeläge besitzen selbstverständlich eine Straßenzulassung und können außerdem für viele weitere BMW-Modelle verwendet werden, beispielsweise R 850 R, R 1100 R, R 1100 GS, R 1100 RT, R 1100 S, R 1100 RS, R 1200 C, K 1200 RS, K 1200 LT und viele mehr. Als Testfahrzeug diente eine R 1150 GS, Modell 2001, mit Brembo-Zangen und ABS. Ab dem 2002er-Modell verwendet BMW bei der R 1150 GS eine modifizierte Bremsanlage mit japanischen Zangen und anderen Bremsbelägen.
Zunächst wurden alle Kandidaten ausgiebig eingefahren (siehe auch Kasten »Einfahren von Bremsbelägen« auf Seite 158). Anschließend mussten die Beläge aufwendige Funktionstests bei Trockenheit und Nässe absolvieren. Zur Aufzeichnung der Bremsdiagramme stand außerdem ein Tag auf einem abgesperrten Flugplatz auf dem Testprogramm. Sämtliche Bewertungskriterien finden sich in den zugehörigen Datenkästen der einzelnen Beläge wieder.
Das Ansprechverhalten gibt an, wie spontan die Beläge auf Bremsbefehle reagieren. Bei der Dosierung erhalten Beläge mit linearem Bremskraftverlauf bessere Bewertungen als beispielsweise ein stark progressiv reagierender Belag, bei dem die Verzögerung mit nur gering zunehmender Handkraft überproportional ansteigt. Diese Eigenschaft erschwert vor allem weniger geübten Fahrern exaktes Dosieren der Bremsleistung und führt deshalb zu einer geringen Abwertung (siehe EBC und Premier).
Das Kriterium Bremswirkung beurteilt jeweils eine Vollbremsung mit kalten beziehungsweise warm gefahrenen Belägen. Die hier erzielten Ergebnisse sind durchweg erfreulich. Selbst die im Vergleich am schlechtesten abschneidenden Beläge von Ferodo bieten im kalten und im warmen Zustand eine gute Verzögerung.
Beim Fading-Verhalten geht es um die Frage, ob die Bremsleistung nach fünf schnell aufeinanderfolgenden Vollbremsungen aus 100 km/h nachlässt. Fading tritt häufig bei sehr hoher Belastung auf der Rennstrecke oder bei zügigen Passabfahrten auf, wenn thermisch nicht stabile Beläge durch häufiges Bremsen überhitzen und an ihre Grenzen geraten. Die Diagramme in den Datenkästen zeigen jeweils die letzte der fünf Vollbremsungen des Fading-Tests im Vergleich mit der ersten Vollbremsung mit leicht angewärmten Belägen. Einige der Kandidaten aus dem Zubehör zeigen bei sehr hoher Belastung Reibwertschwankungen, die dazu führen, dass das ABS zu regeln anfängt. Bei einer Vollbremsung äußert sich dies durch starkes Ruckeln infolge der Regelzyklen. Da die Verzögerungswerte dennoch völlig ausreichen, bekommen die betroffenen Beläge im Kriterium Fading ein »gut«.
Die Funktionswerte bei Nässe ermittelten die Tester – so paradox das klingen mag – bei trockener Fahrbahn. Lediglich Bremsbeläge und Bremsscheiben wurden bewässert - die MOTORRAD-eigene Bewässerungsanlage, bestehend aus einem Tankrucksack, einem Wasserkanister mit Schließhahn und Zuleitungen zu den Bremssätteln, macht’s möglich.
Insgesamt können alle Kandidaten bei Trockenheit und Nässe überzeugen und liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Auch die beiden »nur« mit empfehlenswert beurteilten Beläge von Alpha Technik und Ferodo sind alles andere als schlecht. Bei den restlichen sechs Zubehörbelägen und dem BMW-Original sind bei den Funktionswerten kaum Unterschiede auszumachen.
Somit haben R 1150 GS-Besitzer die Qual der Wahl und überlassen die Entscheidung ihrem Geldbeutel oder ihrer Werkstatt. In jedem Fall stoppen die getesteten Sinter-Beläge die dahinbrummende BMW sicher und souverän.

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BMW Original

MIBA MD 512 HH
Anbieter: BMW, Telefon 089/382-0 Preis: 82,08 Euro (vier Beläge)Belagstärke: 4,8 MillimeterFunktion trockenAnsprechverhalten: gut bis sehr gutDosierung: sehr gutHandkraft: gut bis sehr gutWirkung kalt: gut bis sehr gutWirklung warm: sehr gutFadingverhalten: gut bis sehr gutFunktion nassAnsprechverhalten: gut bis sehr gutHandkraft: gut bis sehr gutBremswirkung: gut bis sehr gutFazit: Wer keine Experimente mag, liegt mit den sehr guten Original-Belägen richtig. Sie gehören zwar nicht zu den Schnäppchen, leisten sich jedoch in keinem Bereich Schwächen und gehören deshalb zur ersten Wahl. Auffällig: BMW-Prägung auf der Trägerplatte und die angeschrägten Belagflächen.MOTORRAD-Urteil: sehr empfehlenswert

Alpha Technik

AB 2430 12
Anbieter: Alpha Technik, Telefon 08036/300720 Preis: 78 Euro (vier Beläge)Belagstärke: 5,2 MillimeterFunktion trockenAnsprechverhalten: gutDosierung: gut bis sehr gutHandkraft: gutWirkung kalt: gut bis sehr gutWirklung warm: gut bis sehr gutFadingverhalten: sehr gutFunktion nassAnsprechverhalten: befriedigend bis gutHandkraft: gutBremswirkung: gutFazit: Ein für den Alltagsbetrieb und Tourenfahrer völlig ausreichender Belag, der seinen Kaufpreis mit der größten Belagstärke rechtfertigt. Besonders positiv: sehr gutes Fading-Verhalten. Die Verzögerung steigt rein gefühlsmäßig bei den letzten Vollbremsungen sogar noch progressiv an. MOTORRAD-Urteil: empfehlenswert

AP Racing

LMP 303 SF
Anbieter: France Equipement, Telefon 07222/22099 Preis: 68,08 Euro (vier Beläge)Belagstärke: 4,0 MillimeterFunktion trockenAnsprechverhalten: gut bis sehr gutDosierung: gut bis sehr gutHandkraft: sehr gutWirkung kalt: gut bis sehr gutWirklung warm: sehr gutFadingverhalten: gutFunktion nassAnsprechverhalten: gut bis sehr gutHandkraft: gut bis sehr gutBremswirkung: gut bis sehr gutFazit: Die leicht progressiven AP Racing zeigen sich wie in Vergleichtests vergangener Jahre funktionell wie immer. Lediglich bei den Fading-Tests kam es zu Reibwertschwankungen, die zu einer auffällig ruckartigen Verzögerung bei den letzten der fünf Vollbremsungen führten.MOTORRAD-Urteil: sehr empfehlenswert

Brembo

Sinter Strada 07BM06SA
Anbieter: Stein Dinse, Telefon 0531/210210 Preis: 74,86 Euro (vier Beläge)Belagstärke: 4,0 MillimeterFunktion trockenAnsprechverhalten: gut bis sehr gutDosierung: sehr gutHandkraft: gut bis sehr gutWirkung kalt: gut bis sehr gutWirklung warm: sehr gutFadingverhalten: gut bis sehr gutFunktion nassAnsprechverhalten: gut bis sehr gutHandkraft: gut bis sehr gutBremswirkung: gut bis sehr gutFazit: Die Brembo-Beläge harmonieren sehr gut mit der BMW. Sie zeigen keine Schwäche bei Trockenheit und Nässe, lassen sich sehr gut dosieren und bremsen tadellos. Ganz nebenbei bringen die Brembos auch noch etwas Farbe ins Spiel, wobei die rote Lackierung bei Überhitzung ankokelt und Bläschen bildet.MOTORRAD-Urteil: sehr empfehlenswert

Carbone Lorraine

2430 SBK 3
Anbieter: Spiegler Bremsentechnik, Telefon 0761/611010 Preis: 107,90 Euro (vier Beläge)Belagstärke: 4,8 MillimeterFunktion trockenAnsprechverhalten: gutDosierung: sehr gutHandkraft: gut bis sehr gutWirkung kalt: gut bis sehr gutWirklung warm: sehr gutFadingverhalten: gut bis sehr gutFunktion nassAnsprechverhalten: gut bis sehr gutHandkraft: gut bis sehr gutBremswirkung: gut bis sehr gutFazit: Die sportlichsten, straßenzugelassenen Beläge aus dem Hause Carbone Lorraine sind gleichzeitig die teuersten im Testfeld. Sie bieten touristischen und sportlichen GS-Fahrern reichlich Bremsreserven. Herauszuheben sind die sehr gute Dosierung und die Bremswirkung mit warmen Belägen. MOTORRAD-Urteil: sehr empfehlenswert

EBC

FA 246 HH
Anbieter: Matthies, Telefon 040/23725120 Preis: 58 Euro (vier Beläge)Belagstärke: 4,6 MillimeterFunktion trockenAnsprechverhalten: sehr gutDosierung: gutHandkraft: sehr gutWirkung kalt: gut bis sehr gutWirklung warm: sehr gutFadingverhalten: gutFunktion nassAnsprechverhalten: gut bis sehr gutHandkraft: gut bis sehr gutBremswirkung: gut bis sehr gutFazit: Sehr progressiv wirkende, preisgünstige Beläge, die äußerst geringe Handkräfte benötigen, sich allerdings nicht ganz einfach dosieren lassen. Bei den Fadingtests kommt es zu Reibwertschwankungen und einer etwas ruckartigen Verzögerung, ansonsten zeigen die EBC keine Schwächen. Auffällig: keine Drahtfederhalter für den Sicherungsstift. MOTORRAD-Urteil: sehr empfehlenswert

Ferodo

Sinter Grip FDB 2050 ST
Anbieter: Alpha Technik, Telefon 08036/300720 Preis: 88 Euro (vier Beläge)Belagstärke: 4,8 MillimeterFunktion trockenAnsprechverhalten: befriedigend bis gutDosierung: gutHandkraft: befriedigend bis gutWirkung kalt: gutWirklung warm: gutFadingverhalten: gutFunktion nassAnsprechverhalten: gutHandkraft: befriedigend bis gutBremswirkung: gutFazit: In manch anderem Test wären die Ferodo vorn mit dabei, doch diesmal müssen sie sich der starken Konkurrenz geschlagen geben. Bis auf das nicht so spontane Ansprechverhalten und die etwas höheren Handkräfte im Vergleich sind die Funktionswerte bei Trockenheit und Nässe völlig in Ordnung.MOTORRAD-Urteil: empfehlenswert

Lucas

MCB 680 SV
Anbieter: Lucas, Telefon 02631/9120 Preis: 62,40 Euro (vier Beläge)Belagstärke: 4,0 MillimeterFunktion trockenAnsprechverhalten: gut bis sehr gutDosierung: sehr gutHandkraft: gut bis sehr gutWirkung kalt: gut bis sehr gutWirklung warm: sehr gutFadingverhalten: gut bis sehr gutFunktion nassAnsprechverhalten: gut bis sehr gutHandkraft: gut bis sehr gutBremswirkung: gut bis sehr gutFazit: Mit hauchdünnem Vorsprung gehen die Lucas-Beläge durchs Ziel. Durch ihre durchweg sehr guten Funktionswerte in allen Testkriterien und den günstigen Kaufpreis sind sie eine echte Empfehlung für GS-Besitzer. Einziger Wermutstropfen: zusammen mit AP Racing und Brembo die geringste Belagstärke im Neuzustand. MOTORRAD-Urteil: sehr empfehlenswert

Premier

PH 229
Anbieter: Paaschburg & Wunderlich, Telefon 040/2482770 Preis: 57,80 Euro (vier Beläge)Belagstärke: 4,6 MillimeterFunktion trockenAnsprechverhalten: sehr gutDosierung: gutHandkraft: sehr gutWirkung kalt: gut bis sehr gutWirklung warm: sehr gutFadingverhalten: gutFunktion nassAnsprechverhalten: gut bis sehr gutHandkraft: gut bis sehr gutBremswirkung: gut bis sehr gutFazit: Sehr progressiv wirkende, preisgünstige Beläge, die mit äußerst geringen Handkräften überzeugen, allerdings nicht ganz einfach zu dosieren sind. Bei den Fadingtests kommt es zu Reibwertschwankungen und einer etwas ruckartigen Verzögerung, ansonsten zeigen die Premier keine Schwächen. Auffällig: keine Drahtfedern für den Sicherungsstift.MOTORRAD-Urteil: sehr empfehlenswert

Einfahren von Bremsbelägen

Bremsbeläge gehören zu den wichtigsten Bauteilen von Zweirädern, da sie wesentlich zur Verkehrssicherheit beitragen. Deshalb sollten Motorradfahrer sie pfleglich behandeln. Der richtige Umgang mit den Belägen beginnt in der Einfahrphase. Dass Neufahrzeuge auf den ersten 1000 Kilometern zunächst eingefahren werden müssen, weiß jeder. Dass auch Bremsbeläge erst nach sorgfältigem Einfahren die volle Funktion besitzen, ignorieren viele. Wer schon einmal mit neuen Belägen zu einer Notbremsung genötigt wurde, weiß, was gemeint ist: Beispielsweise neigen organische Beläge bei den ersten Vollbremsungen (sehr hoher thermischer Belastung) zu so genanntem Ausgasen, ein Effekt, der im Extremfall zum vorübergehenden Totalausfall der Verzögerung führt.Beim Einfahren der Beläge kommt es deshalb darauf an, die Bremskraft langsam zu steigern, ohne die Beläge zu überhitzen. Die Hersteller geben unterschiedlich lange Einfahrphasen an, die zwischen 100 und mehreren 100 Kilometern liegen. Doch viel entscheidender sind die in dieser Zeit durchgeführten Bremsungen. Wer 500 Kilometer ohne zu bremsen auf der Autobahn fährt, läuft Gefahr, über die gewünschte Ausfahrt hinauszuschießen. Am besten fährt man frische Beläge auf wenig benutzten Landstraßen ein. Zwischen den einzelnen Bremsmanövern sollten die Beläge genug Zeit bekommen, wieder einigermaßen abzukühlen. Nach kontinuierlichem Steigern des Bremsdrucks bis zu starke verzögerungen können die Bremsen dann normal beansprucht werden. Bei den ersten stärkeren Abbremsungen kann es durchaus zu den bereits erwähnten Ausgasungen kommen, was sich danach meist schlagartig bessert und nicht mehr auftritt.Wer seine Beläge zu vehement einbremst, riskiert, dass sie überhitzen und verglasen. Auch ältere Beläge, die beispielsweise auf rasanten Passabfahrten überhitzen sowie verschmutze Beläge neigen zum Verglasen. Die Folge ist eine merklich nachlassende Bremswirkung. Ist nur die Oberfläche betroffen, lässt sich diese – sofern noch genug Belagstärke vorhanden ist - mit grobkörnigem Schmirgelleinen abziehen. Tritt nach einer erneuten Einfahrphase keine merkliche Verbesserung ein, sind die Beläge reif zum Austauschen.

Bremsprobleme und mögliche Ursachen

Schlagartiger Verlust der Bremswirkung:- der Bremsbelag hat sich von der Trägerplatte gelöst- ein Leck im BremsleitungssystemTeigiger Druckpunkt am Bremshebel/-pedal:- Elastizität im Hydrauliksystem; eventuell alte Bremsschläuche aus Gummi- verschlissene Beläge- Luftbläschen in der HydraulikSchlechte Verzögerung trotz hoher Bedienkräfte:- Luft im Bremssystem- verschlissene oder verglaste Beläge- Bremskolben nicht freigängigRubbeln oder Pulsieren beim Bremsen:- verzogene Bremsscheiben- Gefügeveränderungen der ScheibenoberflächeHoher Scheibenverschleiß:- ungünstige Reibpaarung zwischen Scheibe und Belägen- Bremskolben sind nicht frei beweglichNachlassende Bremswirkung bei hoher Belastung:- durch die Reibungshitze bilden sich Luftbläschen im Hydrauliksystem- die Beläge neigen zum Verglasen- die Beläge ändern unter hoher Belastung ihren Reibwert, es tritt so genanntes Temperaturfading auf, das nach Abkühlen der Bremsanlage wieder verschwindet - durch erstmalige Erwärmung neuer Beläge können Ausgasungen auftreten, die zu so genanntem Initialfading führen – dieser Effekt verschwindet nach weiterer Beanspruchung der Bremse wieder

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