Dauertest-Abschlussbilanz: Aprilia NA 850 Mana 50000 Kilometer mit dem Automatik-Bike

Mana mana, badibidibbi: Wer die Sesamstraße kennt, erinnert sich auch an den gleichnamigen, witzigen Song von 1969. Rund 40 Jahre später kombiniert Aprilias 850er-Mana Motorrad-Design mit Roller-Antriebstechnik. Klappt der Spagat, hält das Automatik-Bike auf Dauer durch?

Foto: Archiv
Der Bandit-Fahrer am Motorradtreff ist sich seiner Sache sicher. "Zu faul zum Schalten, was?" "Nein", entgegnet der Aprilia-Pilot trocken, mustert der Suzuki-Besitzer von oben bis unten. Hat mit Faulheit nichts zu tun. Doch sein Gegenüber hat auch recht: Stimmt, auf der Mana muss man nur noch Gas geben, ganz ohne Kupplung. Und stimmt nicht. Denn neben drei Automatik-Modi (Regen, Sport, Touring) stehen sieben feste, per Fuß- oder Handschaltung (Tiptronic) wählbare Schaltstufen zur Wahl. Dazu die Option, die getriebelose 850er auch im Automatik-Betrieb jederzeit einen "Gang" runterschalten zu können. Etwa vor Kurven. Doch am Anfang dominieren die Vorurteile gegenüber der "Manapulation". Vagabundierende Ängste vor Entmündigung und Kontrollverlust durch die stufenlose Variomatik. Eine reizvolle Ausgangsbasis für einen Dauertest von MOTORRAD über 50000 Kilometer. Zumal die ungewohnte Technik neugierig macht. Halten die Bauteile aus dem Roller-Reich? So oder so fand die individuelle 850er in Deutschland bislang nur knapp 300 Käufer. Auch in der Redaktion standen sich Verächter und Verfechter des neuen Konzepts gegenüber, wobei die Zustimmung überwog. "Tolles Motorrad, komfortabel und extrem reisetauglich", bilanzierte der Autor dieser Zeilen nach einer 5850-Kilometer-Rundreise zum Schwarzen Meer.
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"Klasse, die Mana macht richtig Spaß" schrieb ein Kollege ins Fahrtenbuch. Besonders begeistert war Roller-Experte Werner Enzmann: "Das Handling ist klasse, die Fahrstabilität reicht völlig aus und die Automatik ist ein Gewinn. Im Vergleich zu Rollern bietet die Mana durch den intensiveren Kontakt zum Fahrzeug (Knieschluss!) ein viel intuitiveres Fahr-Erlebnis, inklusive mehr Vertrauen beim Bremsen." Die Kritiker der Roller-Gene mokierten hingegen ironisch den jaulenden Scooter-Sound: "Endlich ein toller Roller - mit gutem Fahrwerk."

Der wassergekühlte 90-Grad-V2 mit Vierventilköpfen und Doppelzündung stammt, erweitert um die Schaltoption, aus dem Gilera-Roller GP 800. 76 PS soll er leisten. Davon kommen zwar nur maximal 59 PS am Hinterrad an. Doch bereits bei Tempo 60 traben 48 Pferde an: Die Variomatik hält die Drehzahl stets in einem optimalen, mittleren Bereich. Im Touring-Modus stürmt die oft unterschätzte Mana einfach so, per Dreh am Gasgriff, in nur 2,7 Sekunden von 60 auf 100 km/h - das ist Supersport-Niveau! Moderate 5,3 Liter Super bleifrei je 100 Kilometer genehmigte sich die Italienerin über 50000 Kilometer. Dabei wurde sie viel über Autobahnen gescheucht, oft mit optionalem Koffersystem samt Topcase. Und das baut breit beziehungsweise hoch.
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Die Mana machte sich käfermäßig, sie lief und lief und lief. Kam alle 10000 Kilometer zur Inspektion, brauchte kein Öl zwischendurch. Tribut der Rollertechnik: Alle 20000 Kilometer ist turnusmäßig der Antriebsriemen zu erneuern. Kosten: 130 Euro plus Montage. Ebenfalls alle 20000 Kilometer sind die Gleitschuhe der Antriebs-Riemenscheibe und die vier Zündkerzen zu wechseln. Ansonsten knauserte die 229 Kilogramm schwere Aprilia mit Verschleißteilen: Der Kettensatz hielt volle 30000 Kilometer; diese Distanz spulte die Mana flugs in den ersten sechs Monaten des Dauertests ab. Ein wartungsarmer Zahnriemen hätte das clevere Konzept mit großem Staufach in der Tank-Attrappe noch getoppt - der Sprit bunkert im Heck, der Einfüllstutzen liegt unterm klappbaren Soziussitz. Wie bei Harley prangt der Luftfilter neben dem V2, hier auf der linken Seite. Der Filter-Einsatz zu 13,60 Euro musste lediglich einmal gewechselt werden. Auch andere Aprilia-Ersatzteile fallen bemerkenswert günstig aus: Die nach 27659 Kilometern erneuerte hintere Dichtung des vorderen Auspuffkrümmers kostet ohne Einbau 22,95 Euro. Nicht hoch sind auch je 31,50 Euro für neue, einstellbare Hand- und Fußbremshebel nach einem Umfaller im Stand. Allerdings bemängeln etliche Mana-Fahrer (siehe Seite 42) Aprilias Lieferfähigkeit bei Zubehör, Sturz- und Verschleißteilen.

Je zwei Mal waren während des Dauertests die Bremsbeläge hinten (30,40 Euro) und vorn (Satz zu 70,50 Euro) zu erneuern. Und ein Paar Beläge der Parkbremse. Kurios: Verschleiß bei einer Bremse, die nur Wegrollen im Stand verhindert? Ob da ein Schelm die Feststellbremse beim Losfahren vergessen hat? Letztlich alles Bagatellen.
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Kaum überzeugen konnte die Erstbereifung: Der Dunlop Qualifier haftet mäßig bei Nässe und Kälte, fährt nicht neutral und rubbelt sich schnell runter. Viel besser fährt der famose Dunlop Roadsmart. Ebenfalls eine Empfehlung: Metzeler Z6 Interact und Pirelli Diablo Strada - siehe Dauertest-Zwischenbilanz in MOTORRAD 24/2008. Fast unauffällig spulte die Mana die Distanzen ab, hätte da nicht der Gaszug nach 10556 Kilometern gehangen. Gefährlich bei einem Motorrad, bei dem man nicht auskuppeln kann. Aprilia reagierte umgehend mit einem neuen Drosselklappenkörper und einer Rückrufaktion: Eine Abdeckung schützt seither vor Dreck am Seilzug. Im Winter 2008/2009 machten Startprobleme einen Tausch der Batterie erforderlich. Anschieben verbietet sich ja. Auch ging der bereits gestartete Motor hin und wieder beim Ausrollen auf den ersten Metern wieder aus. Lästig, da zum Starten eine Bremse betätigt werden muss. Beim Dauertest-Exemplar noch ohne ABS. Mittlerweile verkauft Aprilia in Deutschland überwiegend Mana mit ABS, inklusive der halb- verkleideten GT-Version. Kurz vor Testende schlug der Defekt-Teufel richtig zu. Die Öldruck-Kontroll-Leuchte flackerte hin und wieder im Teillastbereich trotz korrekten Ölstands. Kompliziert: die Ölstandskontrolle mit Schauglas fürs Ablesen von "Maximum" und separatem Peilstab für "Minimum".

Dazu nervten zum Schluss Quietschgeräusche beim Anfahren. Vermutlich erste Indizien für tiefe Spuren in den Riemenscheiben der Variomatik und zu viel Spiel an deren Führungsschuhen: Die Rollertechnik zeigt nach 50000 Kilometern Verschleiß.
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Noch vor deren Ablauf musste die Mana unters Messer: MOTORRAD-Fuhrparkleiter Rainer Froberg hörte zusätzlich tickernde Geräusche aus dem Motor. Nach 41918 Kilometern wurde der V2 daher zur Kontrolle zerlegt. Und siehe da: Der Kolbenbolzen des hintern Zylinders war oval. Er zeigte, wie das obere Pleuelauge, deutliche Laufspuren. Extrem schade. Denn auf dem echten V-Motor mit einem Hubzapfen sitzen die einteiligen Pleuel auf einer verpressten Kurbelwelle. Für ein neues Lager muss alles raus: Zwei neue Pleuel plus eine neue Kurbelwelle. Preis: akzeptable 630 Euro plus Einbau. Der Motorschaden kostet die Mana in der Dauertest-Wertung fünf Punkte, wirft sie auf den 17. statt des sonst erreichten neunten Platzes zurück. Immerhin noch vor der BMW R 1200 GS. Also: Mana-mana. Auch ohne badibidibbi.
Zeichnung: Archiv

Messwerte

 Anfangs-/Abschlussmessung2777 km 49213 km
 Beschleunigung  
 0-100 km/h
 5,4 sek
 5,8 sek
 0-140 km/h
 10,4 sek
 10,7 sek
 Durchzug 
 
 60-100 km/h
 2,8 sek 2,7 sek
 100-140 km/h
 4,8 sek 4,8 sek
 Durchschnittlicher Kraftstoffverbrauch über 50000 km
  
 Kraftstoff (Super)
  5,3 l/100 km
 Motoröl  -
Zeichnung: Archiv

Bilanz nach 50000 Kilometern

ZUSTAND

Zylinderkopf:
Alle Auslassventile sowie drei Einlassventile sind undicht, die Auslassventilsitze deutlich verbreitert. Die Ventilführungen und -schäfte zeigen dagegen kaum Verschleiss. Nockenwellenlager und -profile in gutem Zustand.


Zylinder/Kolben:
Am hinteren Zylinder ist erhöhter Druckverlust wegen fehlerhafter Kolbenringmontage festzustellen, das Stoßspiel der zweiten Kolbenringe befindet sich am Ende der Betriebstoleranz. Die Zylinder zeigen kaum Verschleissspuren, allerdings haben die Kolben ihre Verschleissgrenze erreicht.


Kurbeltrieb:
Die Kurbelwelle wurde wegen eines defekten Pleuellagers nach 41918 Kilometern getauscht. Die Lagerspiele der Hauptlager befinden sich am Ende der Betriebstoleranz, das linke Hauptlager weist eine tiefe Riefe auf, verursacht durch einen Span. Kolbenbolzen und Pleuellager sind in Ordnung.


Kraftübertragung:

Antriebs- und abtriebsseitige Riemenscheiben weisen deutliche Vertiefungen auf, die Druckfeder der beweglichen Riemenscheibe hat sich zu stark gesetzt, die Führungsschuhe der Antriebsriemenscheibe weisen zu hohes Spiel auf. Der Innendurchmesser der beweglichen Riemenhalbscheibe befindet sich an der Verschleissgrenze.


Rahmen/Fahrwerk:

Am Rahmen und am Motorgehäuse ist stellenweise die Lackierung abgescheuert bzw. abgeplatzt, ansonsten ordentlicher Zustand von Anbauteilen, Schwinge und Fahrwerk. Die hintere Bremsscheibe ist verschlissen.

Foto: Archiv

Aprilia nimmt Stellung

...zum unnötig breiten 180er-Hinterreifen und zum Verzicht auf einen Zahnriemen.
Der gewählte Kettenantrieb entspricht dem üblichen Standard für Motorräder in dieser Leistungsklasse. Die Bereifung unterstreicht optisch den Motorrad-Charakter der Mana.

...zu Startproblemen bei kaltem Motor.
Diese könnten eventuell durch ein unpassendes, nicht speziell auf die Roller-Antriebstechnik abgestimmtes Motoröl verursacht sein. Schließlich muss das Motoröl weder Kupplung noch Getriebe schmieren. Es ist unbedingt ein dünnflüssiges Leichtlauföl der Viskosität 5W-40 erforderlich. Aprilia empfiehlt Agip TEC 4T oder andere Markenöle, deren Eigenschaften mit der Spezifikation CCMC G-4 konform sind.

...zum mitunter absterbenden Motor beim Ausrollen vor einer Ampel.

Solche Probleme soll das Software-Update 8/08 beheben. Dies bekommt der Kunde spätestens bei fälligen Inspektionen auf die Motorsteuerung aufgespielt, auf Wunsch auch zwischendurch.

...zu den auf Garantie gewechselten, weil rubbelnden Bremsscheiben.

Die Lebensdauer der Bremskomponenten hängt naturgemäß sehr von der Fahrweise ab. Konstruktionsbedingt fällt bei der Mana das Motorbremsmoment gering aus, insbesondere im Touring-Modus. Dies geht bei sportlicher Fahrweise zu Lasten der Bremsscheiben. ...zur gegen Testende mitunter aufleuchtenden Öldruckkontrollleuchte.
Da dieser Effekt offenbar erst nach der Motordemontage (nach Kilometerstand 41918) auftrat, könnte hier eventuell eine Leitung oder der Öldruckschalter defekt gewesen sein.

...zum mitunter hängenden Gaszug.
Schmutz am Drosselklappenkörper konnte zum Verhaken führen. Aprilia reagierte auf diesen sicherheitsrelevanten Umstand mit einer Rückrufaktion. Im Zuge der Umrüstaktion wurden die Seilzugführungen mit Kappen gegen Schmutz gekapselt.

...zur Ursache des Schadens am Pleuellager.
Der Motor hat auf jeden Fall genügend Öl bekommen: Schmier- und Kühlsystem waren komplett in Ordnung. Eventuell kam eine wenig taugliche, dickflüssige Ölviskosität zum Einsatz, die auch schon zu den aufgetretenen Startproblemen geführt haben könnte. Die Kurbelwelle geht jedenfalls zur Begutachtung ins Aprilia-Werk nach Italien. Ein solcher Schaden trat bei keinem anderen Motor auf.

...zum klemmenden Blinkerschalter.

Da könnte Feuchtigkeit in das Blinkrelais im Cockpit eingedrungen sein. Daher raten wir auch von der Motorradwäsche mit einem Dampfstrahler ab: Die Multistecker könnten empfindlich auf eingedrungene Feuchtigkeit reagieren.
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Kosten und Wartung

Betriebskosten auf 50000 Kilometer:

13 Liter Öl à 15,79 Euro 205,27 Euro
5 Ölfilter à 6,88 Euro 34,40 Euro
1 Luftfilter à 13,6 Euro 13,60 Euro
8 Zündkerzen à 11,57 Euro 92,56 Euro
1 Paar Zündkerzenstecker 10,49 Euro
2 Satz Bremsbeläge hinten à 28,61 Euro 57,22 Euro
2 Satz Bremsbeläge vorn à 35,24 Euro 70,48 Euro
1 Satz Bremsbeläge Feststellbremse 29,04 Euro
2 Keilriemen à 140,2 Euro 280,40 Euro
1 Kettensatz 280,40 Euro
1 Batterie 89,00 Euro
Bremsflüssigkeit 8,63 Euro
Kleinteile, Schmierstoffe 19,64 Euro
Dichtungen 22,95 Euro
Inspektionen und Reparaturen 898,13 Euro
Reifen (inkl. Montage, Wuchten und Entsorgen) 2180,00 Euro
Kraftstoff 3673,61 Euro
Gesamtkosten 7965,82 Euro
Anschaffungskosten 8985,00 Euro
Wertverlust 4485,00 Euro
Schätzpreis (Händlerverkaufspreis) 4500,00 Euro
Kosten pro Kilometer (ohne Wertverlust) 15,9 Cent
Kosten pro Kilometer (mit Wertverlust) 24,9 Cent
Wartung und Reparaturkosten (Kilometerstand):

Blinkerschalter-Rückstellung "hängt" 395
Reifen hinten erneuert Metzeler Sporttec M1 6320
Reifen vorn erneuert Metzeler Sporttec M1 8613
Verschmutzten Drosselklappenkörper gereinigt 10296
Gaszug hängt, Reifen vorn und hinten erneuert, Dunlop Qualifier 10556
Drosselklappenkörper erneuert (Garantie) 14200
Reifen vorn und hinten erneuert Michelin Pilot Road 2 16840
Kerzenstecker und Antriebsriemen erneuert 19849
Motor geht beim Bergabfahren aus 20191
Reifen vorn und hinten erneuert Metzeler Roadtec Z6 23736
Undichte Krümmerdichtung erneuert 27659
Bremsbeläge vorn und hinten,
Feststellbremsbeläge und Kettensatz erneuert 30134
Reifen vorn und hinten erneuert, Continental Motion 30901
Rückstrahler erneuert 30917
Bremsbeläge, Bremsscheiben (Garantie),
Batterie und Antriebsriemen erneuert 37741
Reifen hinten erneuert Dunlop D 220 ST 40476
Reifen vorn erneuert Dunlop D 220 ST 41547
Pleuellagerreparatur (Garantie) 41918
Foto: Archiv

Lesererfahrung

Im Stammhirn sitzen Instinkte und Gewohnheiten, dort fallen Entscheidungen für den Motorrad-Kauf. Aber nur selten für die individuelle Mana. An den Instinkten kann es nicht liegen: Wenn die Automatik an jeder Ampel vollkommen ruckfrei hochschaltet, bleiben kuppelnde Kollegen im Rückspiegel. Fluchtinstinkt befriedigt. Und die Gewohnheiten? Einfach ohne Kupplung Gas geben? Das Großhirn, Sitz von Intellekt und Individualität, weiß, dass man trotzdem schalten könnte, doch in der Praxis funktioniert die Automatik einfach zu gut. Einzig beim Bergabfahren auf steilen Passstraßen wünscht man sich mehr Motorbremse. Die Mana wechselt dabei plötzlich in den Leerlauf. Durch den Tank im Heck hat die Mana einen sehr tiefen Schwerpunkt. Die Mana hat richtig Sex-Appeal - und das gefällt auch dem Stammhirn!
Christian Bauer, Wien

Nach mehreren BMW durfte es etwas anderes sein. Und das Design der Mana gefiel mir. Mittlerweile 4000 Kilometer gesammelt auf Alpen-pässen und kurvigen Landstraßen, teils zu zweit. Die Hinterrad-Felge könnte schmä-ler sein, Bremsen sind ausreichend und gut dosierbar. Und die Automatik! Besser kann keiner schalten! Der Touring-Modus stimmt immer. Nur wenn Abwechslung ins Fahrgeschehen kommen oder der Sound sich ändern soll, empfehle ich den SportGear-Modus. Daumen und Zeigefinger flippern die Gänge rauf und runter. Etwas gewöhnungsbedürftig ist das Auskuppeln beim Schiebebetrieb bei niedrigen Geschwindigkeiten unter etwa 25 km/h. Vielleicht, aber keineswegs sicher, könnte eine routinierte Kupplungshand die Kehren kleiner Alpenpässe noch besser meistern - bergab bei Nässe, durch feinfühliges Einkuppeln und Gas geben. Ein Drehzahlmesser fehlt, dafür gibts ein Außenthermometer. Ein Ärgernis: Ersatzteile dauern und dauern...Fußrastenhalter seit elf Wochen nicht lieferbar. Defekte? Bislang keine.
Wolfgang Gröger, Prien a. Chiemsee

Ich kam zur Mana, da ich zunehmend Probleme mit der Kupplungshand hatte (Daumen-Sattelgelenk). Also meine Fazer verkauft und eine Mana ABS gekauft: Ein Vorführer von 2009 mit nur 120 Kilometer gelaufen, für gerade mal 7000 Euro. Ein echtes Schnäppchen, denn der Listenpreis ist recht hoch. Die Automatik löst mein Problem mit dem Kuppeln. Doch bin ich auch vom Fahrverhalten, der bequemen Sitzposition, der Leistung und der Verarbeitung der Mana völlig überzeugt. Im Stadtverkehr gibt es nichts Vergleichbares: Wenn andere noch ihre Gänge einlegen, bist du schon längst weg. Auch auf langen Touren bleibt man relaxt. Das Handling ist okay, und mit Dunlop Roadsmart statt des serienmäßigen Dunlop Qualifier noch viel besser. Ein 160er-Hinterreifen würde es auch tun. Die Bremsen sind Spitze. Nicht konsequent ist die pflegeintensive Kette, hier wäre ein Riemen die ideale Lösung.
Wolfgang Schmid, Kornwestheim

Da dieses Automatik-Motorrad mit niedriger Sitzhöhe und noch moderatem Gewicht auch für meine Frau geeignet schien, kaufte ich im April 2009 eine Aprila Mana mit ABS. Ob zu zweit in der Stadt oder solo auf langen Touren mit viel Gepäck vermittelt sie viel Fahrfreunde: Keine Lastwechselreaktionen, extrem weiche Gasannahme, schalten können mitten in der Kurve bei Vollgas. Die vier Schaltprogramme der Automatik sind einfach super. Den Schalthebel habe ich demontiert, er stört nur beim Erreichen des Seitenständers. Die Blinkerbedienung ist wegen der ungünstigen Platzierung nahe der Bordcomputertaste ein Ärgernis. Nach 500 Kilometern traten unten am Motorgehäuse Ölspuren auf. Zum Beheben dieses Fehlers benötigte mein Händler rund acht Wochen, ich musste zirka fünfmal mit der Mana vorfahren. Zur Reparatur wurde der Motor komplett zerlegt, der Dichtring der Ölpumpe erneuert sowie das Motorgehäuse neu abgedichtet. Nach nun 7000 Kilometern traten keine weiteren Defekte auf. Ganz toll finde ich das elektrisch zu öffnende Staufach mit Innenbeleuchtung und Steckdose, auch wenn es nicht jeden Helm fasst. Die Mana haben Menschen konstruiert, die selbst viel Motorrad fahren.
Bernd Huhnt

Mein zusätzliches Motorrad sollte völlig anders sein, als die seit 17 Jahren stets perfekt funktionierende ST 1100 Pan European oder meine KTM LC 4 SC. Meine Erlebnisse nach 5000 Kilometern mit der ABS-Mana sind durchweg positiv: Der "Schluchtenflitzer" fürs Wochenende fährt einfach prima, nur völlig anders. Immer wieder gut ist der fragende Blick wenn das Gepäckfach geöffnet wird. Dazu gibt's gern Diskussionen, wenn der fehlende Kupplungshebel bemerkt wird. Oft wird das Moped als "Behindertenmoped" bezeichnet, bis zur ersten Probefahrt, denn der starke Durchzug des Mopeds ist völlig unerwartet für den Rest der Bikerwelt. Völlig unzureichend ist allerdings das Händlernetz. Service und Preise sind okay, die Verfügbarkeit von Zubehör nicht: Kofferträger und Koffer gibt's zur Zeit nicht.
Ingo Weiland, Gleichen

Seit Februar 2009 hat meine Mana 4000 Kilometer auf dem Tacho. Mit ABS und Tageszulassung (0 km) lag der Preis rund 3000 Euro unter Liste. Pirelli Diablo Strada statt der serienmäßigen Dunlop Qualifier machen das Fahrverhalten traumhaft, ein nachgerüsteter Hauptständer erleichtert den Service. Zuverlässigkeit, Lack- und Verarbeitungsqualität stimmen. Der Spritverbrauch liegt bei zirka fünf Liter/100km, Ölverbrauch nicht messbar. Meine Frau fühlt sich als Sozia an alte TR1-Zeiten erinnert, bequem ohne Ende. Die Tiptronic benutze ich nur innerorts, weil mir das Drehzahlniveau im Vollautomatikmodus zu hoch ist. Trotz eher enttäuschenden Sounds fasziniert das "vollautomatische Kurvensurfen". Schon vor der 1000er-Inspektion machte die Vorderradbremse Ärger. Heißgebremst blieben die Beläge an den Scheiben anliegen, aufgebockt ließ sich das Vorderrad per Hand kaum noch drehen. Doch weder Werkstatt noch Aprilia Deutschland kannten angeblich dieses Problem. Nun warte ich seit sechs Wochen auf eine neue Bremspumpe mit geänderter Bestellnummer...
Claus Schäfer, Grevenbroich

Im November 2008 kaufte ich meine Aprilia NA 850 Mana ABS. Jetzt steht die 10000er-Inspektion an. Der hintere Reifen ist nun fällig. Die Auspuffkrümmerdichtung hatte sich einmal herausgeschoben, erledigte meine Werkstatt auf Kulanz. Sonst gab es mit der Mana nichts als Spaß. Die Automatik ist genial, vor allem bei dichtem Stadt-Verkehr: Kein Spielen mit der Kupplung, nur Gas geben und mit nahezu konstanter Drehzahl davonziehen. Überholvorgänge brauchen keine Vorbereitung, nur Gas geben und mit maximalem Drehmoment vorbeiwedeln. Der Verbrauch liegt bei 5,2 Liter/100 km. Das Helmfach nimmt alles auf, was ich für eine Tagestour brauche. Die Mana ist ein schönes und technisch pfiffiges Motorrad.
Hans-Jürgen Golembiewski, Höchstadt a. d. Aisch

Nach 30000 Kilometern auf dem Aprilia-Roller Sportcity 250 kaufte ich im Oktober 2008 eine gebrauchte Mana dazu. In den Dolomiten fuhr ich zunächst im Touring Modus mit händischem Runterschalten. Doch in den Bergen ist die Einstellung "Sport Gear" besser. Die Mana lässt sich damit gleichmäßiger um die Kurven bewegen (auf Michelin Pilot Power 2CT!), die Schaltstufen bleiben eingestellt und werden nicht automatisch bei leichtem Beschleunigen hoch geschaltet. Der schwitzende Bremsflüssigkeitsbehälter vorn wurde auf Garantie komplett mit Pumpe getauscht. Demnächst wird die beschlagene Tachoeinheit getauscht. Das zu schmale Hinterradschutzblech lässt Gischt bis zum Helm hoch spritzen. Abhilfe bringt der zusätzliche Spritzschutz der Mana GT.
Michael Lehner, München
Zeichnung: Archiv

Dauertest-Wertung

Die Wertungstabelle gibt einen Überblick der MOTORRAD-Dauertestmaschinen der letzten Jahre. 100 Punkte können maximal eingefahren werden, eingeteilt in fünf Abschnitte. Zu den Kosten pro Kilometer zählen Ausgaben für Inspektionen, Ersatz- und Verschleißteile, Reifen und Kettensätze. Grundlage für die Bewertung des Benzinverbrauchs ist der Durchschnittsverbrauch über die gesamten Testkilometer. ­Der Wertverlust basiert auf einer DAT-Schätzung.Bewertet wird die Relation zum Listenpreis bei Beginn des Tests. Außerordentliche Werkstatt­besuche führen zum Abzug von jeweils einem Punkt. Pannen, bei denen ­das Motorrad nicht weiterfahren konnte, werden mit fünf Punkten Abzug bestraft. Beim technischen Zustand ­fließen die Verschleißmaße sowie der optische Zustand der Einzelteile ein.

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