Wie schlug sich die R 1200 R über 50.000 Kilometer?

Dauertest-Abschlussbilanz BMW R 1200 R 50.000 Testkilometer später

Über 25.000 Kilometer hatte sich die BMW R 1200 R schon mal mustergültig geschlagen. Doch wie sieht es nach den vollen 50.000 Kilometern MOTORRAD-Dauertest aus?

BMW-Boxer und der MOTORRAD-Dauertest - eine Geschichte bislang ohne Happy End. Die Weiß-blaue Galionsfigur R 1200 GS patzte 2005 mit einem Schaden am Hinterradantrieb, und vor zwei Jahren endete der Langstreckentest der wassergekühlten BMW R 1200 GS mit Getriebedefekt. Was wohl ein Einzelfall war, weshalb der Wasserboxer eine zweite Chance bekam. So machte sich die BMW R 1200 R Anfang 2015 daran, diese Scharte auszuwetzen. Zur Halbzeitbilanz (MOTORRAD 1/2016) eilte sie mit Siebenmeilenstiefeln. Es dauerte gerade einmal neun Monate, dann hatte sie die ersten 25.000 Kilometer auf dem Tacho.

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Für unseren 50.000-Kilometer-Dauertest braucht es Ausdauer. Wie schlug sich die BMW R 1200 R über diese Distanz?

Original-Sitzbank vielen zu niedrig

Besondere Vorkommnisse bis dahin: keine, null, zero. Lediglich das defekte Navi wurde auf Garantie getauscht. Läuft allerdings unter Zubehör und kann der BMW R 1200 R nicht wirklich angelastet werden. Bis dahin hieß also die Devise tanken, Öl und Luft kontrollieren und weiter. Von Defekten wie einer undichten Gabel oder beschlagenem Scheinwerfer, wie sie vereinzelt in Leserzuschriften erwähnt werden, blieb unser Dauertest-Exemplar verschont. Auch monierte kaum ein Tester Kritikpunkt Nummer eins bei den Leserzuschriften, die Geräuschentwicklung beim Einlegen des ersten Gangs. Leser Reinhold Schmid orakelte gar: „Ich bin mir sicher, dass auf Dauer das Getriebe nicht standhält.“ Nun, dazu später mehr.

Entsprechend überschwänglich lesen sich bis dahin auch die Einträge in den Fahrtenbüchern. Nur die niedrige Original-Sitzbank der BMW R 1200 R fand bei Lesern wie Testern so gut wie keine Zustimmung, entsprechend oft wurde auf eine höhere Sitzbank nachgerüstet. Kostenpflichtig, versteht sich, für 257 Euro. Böse Zungen sprachen da auch schon mal von Verkaufshilfe für das hauseigene Zubehörprogramm. Sei’s drum, BMW ist dieses Umstands gewahr, hält an ihr als besten Kompromiss aber fest.

BMW R 1200 R gefragt für lange Reisen

Und weil auch die zweite und dritte Inspektion mit 273 respektive 387 Euro noch akzeptabel ausfiel, heimste die BMW R 1200 R zur Halbzeitbilanz ungeteiltes Lob ein. Nur Redakteur Peter Mayer hielt sich noch etwas bedeckt: „Ich mag sie, werde aber erst später jubeln. Dann, wenn die 50.000 Kilometer hinter ihr liegen – ohne Defekt, wenn sie nachweislich unversehrt auf der Werkbank liegt.“ Doch bis es so weit war, hatte sie ja noch 25.000 Kilometer vor sich.

Und die verliefen fast noch unspektakulärer und problemloser als die ersten. Nur dass die zweiten 25.000 Kilometer schon nach acht Monaten abgespult waren. Die BMW R 1200 R war gefragt für lange Reisen. Dank Koffersystem und Scheibe legte sie nämlich auch erstaunliche Tourerqualitäten an den Tag. Hohe Reiseschnitte waren mit ihr also ebenso drin wie ungetrübter Spaß bei der Landstraßenhatz. Das stabile, handliche Fahrwerk, der bullige Motor, die mit höherer Sitzbank bequeme Sitzposition, so sammelte sie dank ihrer enormen Vielseitigkeit Meriten als sportlicher Landstraßen-Begleiter und als Reiseuntersatz gleichermaßen. Einzige Kritik: Das mäßige Ansprechen der Gabel konnte nicht überzeugen, und Kollege Ralf Schneider attestierte ihrem Fahrverhalten eine gewisse Anfälligkeit für abgefahrene Reifen. Mit dem lautstarken Getriebe oder dem bei niedrigen Drehzahlen nicht sonderlich geschmeidig agierenden Schaltautomaten hatten sich die Fahrer längst arrangiert.

„Was für ein erschreckend perfektes Motorrad“, konstatierte FUEL-Frontmann Rolf Henniges. Kritik am schlecht ablesbaren Display, den etwas zu kurzen Spiegelarmen oder der bei Nacht und Fernlicht blendenden Verkleidungsscheibe kam auch bei Lesern auf, aber viel mehr war nicht anzukreiden. Zumal sich die BMW R 1200 R unterwegs gnädig zum Portemonnaie zeigte.

Verbrauch pendelte sich bei 5,6 Liter ein

Der anfänglich noch etwas hohe Verbrauch von über sechs Litern pendelte sich über die Gesamtdistanz auf 5,6 Liter ein. Das geht absolut in Ordnung. Auf ihrer letzten, knapp 8.000 Kilometer langen Tour durch Skandinavien füllte Marathon-Mann Tobias Dreißig lediglich 200 ml Öl nach. Ansonsten schlug sich die BMW R 1200 R bravourös, und die einzige Auffälligkeit war erneut dem Navi vorbehalten, das sich auf dieser Reise seines Schlosses entledigte. Ansonsten außer Spesen nichts gewesen.

Allerdings, die beiden letzten Inspektionen schlugen mit 492 und 613 Euro kräftiger zu Buche. Bei ersterer trieb der fällige Gabelölwechsel die Kosten in die Höhe, bei der letzten war ein Wechsel der vorderen Bremsbeläge fällig, mit denen die BMW ansonsten recht schonend umging. Konnte da viel Ungemach ans Tageslicht kommen? Auf dem Prüfstand zeigte sich die BMW R 1200 R bei der Abschlussmessung absolut bei Kräften, bei den Fahrleistungsmessungen ebenso. Und auch die Druckverlustprüfung der beiden Zylinder ergab keine Auffälligkeiten. Klingt fast schon nach Musterschüler, nicht wahr? Aber die ungeschminkte Wahrheit kommt ja erst beim Zerlegen auf den (Werkstatt-)Tisch. Schlussendlich lagen die Innereien von Motor und Getriebe sauber aufgereiht auf der Werkbank.

Der erste Blick galt dem Getriebe. Das Krachen beim Einlegen des ersten Gangs musste Spuren hinterlassen haben. Außerdem ist das Herunterschalten mit Blipper bei einem großen Twin eine ordentliche Belastung für das Getriebe. Jedoch, das Getriebe hätte auch gut aus dem Ersatzteilregal stammen können, so makellos präsentierte es sich. Leser Schmid kann sich also beruhigt zurücklehnen. Aller Geräuschentwicklung zum Trotz scheint die Schaltbox der BMW R 1200 R ausgesprochen robust. Wobei die 2017er-Getriebe durch Änderungen an Ruckdämpfer, Schaltwalzenbetätigung und Getriebewellen und -lagern (siehe auch MOTORRAD 23/2016) nun zumindest geräuschärmer funktionieren. Nachrüsten allerdings lassen sich diese Änderungen leider nicht. Einzig an der mittleren Schaltgabel fanden sich Laufspuren.

Nächste Haltestelle auf der Check-Liste: die Kolben der BMW R 1200 R. Haben sich tadellos gehalten. Nur minimale Ablagerungen auf den Kolbenböden, kaum Laufspuren an den Hemden. Selbst die reibungsmindernde Grafal-Beschichtung der Hemden ist bis auf eine winzige Stelle völlig unversehrt. Auch die Kolbenbolzen zeigen keinerlei Verschleiß. Einzige Auffälligkeit: Obwohl das Laufspiel absolut in der Betriebstoleranz liegt und trotz des guten optischen Zustands bewegen sich beide Kolben am Verschleißmaß. Kuriosität dabei: Für die GS, deren Motor baugleich ist und dieselben Kolben verwendet, gibt BMW ein anderes Verschleißmaß vor. Würde man dieses zugrunde legen, befänden sich die Kolben noch gut innerhalb der Toleranz. Laut BMW aber ein völlig normales Bild (siehe: „Der Hersteller nimmt Stellung“) und daher völlig unbedenklich.

Und wie sieht es in den Zylindern aus? An den Laufflächen sind noch die Honspuren von der Fertigung zu sehen. Aber auch senkrechte Laufspuren. Diese sind lediglich oberflächlich sichtbar und stellen keine Riefen dar. Sie rühren von den oberen Kolbenringen her, die gegen das Verdrehen mit einem Stift fixiert sind, sodass stets der Stoß der Ringe an derselben Stelle im Zylinder läuft, da sich die Ringe nicht mehr drehen können. Diese Maßnahme soll dem Blaurauch beim Starten vorbeugen.

Schadlos haben sich auch Nockenwellen, Zylinderköpfe und Ventile der BMW R 1200 R gehalten. Kein messbarer Verschleiß an Nocken, Lagern und Ventilschäften. Lediglich ein Auslassventilsitz des rechten Zylinders zeigte geringe Ablagerungen. Woraus eine minimale Undichtigkeit resultiert, die auch in der Druckverlustmessung abzulesen ist.

Ungeschickt platzierte Entlüftungsbohrung

Die überraschend kompakte Kupplung gibt keinerlei Anlass zur Kritik, die Reibscheiben besitzen noch annähernd ihre ursprüngliche Dicke. Ebenso wenig lässt sich an Ölpumpe und Schaltwalze aussetzen. Und die Kurbelwelle samt Hauptlagern kann gerade so wieder zurück ins Motorgehäuse.

Sichtbare Laufspuren vermelden nur die Pleuellager, sie liegen aber beide noch innerhalb der Einbautoleranz, ein Austausch ist laut BMW nicht erforderlich. Ansätze von Pitting zeigte dagegen der Kardanantrieb. Wobei Kegel- und Tellerrad noch problemlos für viele weitere Tausend Kilometer taugen.

Die in einer Leserzuschrift monierte Undichtigkeit der Wasserpumpe stellte sich als ungeschickt platzierte Entlüftungsbohrung heraus, wodurch beim Austritt einiger Tropfen Kühlflüssigkeit der Eindruck einer leckenden Pumpe entstehen konnte. BMW hat dies aber bereits durch Versetzen der Austrittsöffnung aus der Welt geschafft.

Hoher Reifegrad der BMW R 1200 R

Wie die Mechanik überstand auch die Peripherie der BMW R 1200 R den Dauertest ausgezeichnet. Oberflächen- und Lackqualität zeigten sich von einer Güte, die man angesichts des Kaufpreises auch erwarten darf. Und zumindest an unserer Testmaschine gab es keinerlei Probleme mit leckgeschlagenen Gabeldichtringen oder defekten Lenkerarmaturen. Das Sitzbankpolster ist straff wie am ersten Tag, Lenkkopf und Radlager präsentieren sich spielfrei, wie das Fahrwerk insgesamt noch einen sehr guten Eindruck macht.

So bleibt unterm Strich, der BMW R 1200 R einen hohen Reifegrad zu bescheinigen. Die Scharte ihrer boxenden Vorgänger hat sie damit souverän ausgewetzt, die in sie gesetzten hohen Erwartungen mehr als erfüllt. Und erklimmt nicht zuletzt aufgrund ihrer absoluten Zuverlässigkeit neben der Honda CBR 650 F die Spitze der Dauertest-Tabelle.

Messwerte

Normalerweise liefern Dauertest-Maschinen bei der Abschlussmessung eher etwas weniger Leistung und damit auch etwas schwächere Fahrleistungen ab als zu Beginn. Die BMW R 1200 R schafft das seltene Kunststück, sogar noch einen Hauch an Leistung über das gesamte Drehzahlband zuzulegen, und untermauert so das gute Ergebnis.

Die von uns ermittelten Messwerte inklusive Leistungsdiagramm, können Sie dem kompletten Artikel entnehmen, der Ihnen ganz unten als PDF zum Download zur Verfügung steht.

Bilanz nach 50.000 Kilometern

  • Zylinderköpfe: Ein Auslassventil ist geringfügig undicht, die Ventile und Ventilsitze sind in sehr gutem Zustand, nur sehr geringe Ölkohleablagerungen im Brennraum. Die Nockenwellen sowie die Ventilführungen zeigen kaum Verschleiß.
  • Zylinder/Kolben: Beide Kolben befinden sich an der Verschleißgrenze, zeigen aber bis auf eine kleine Ablösung der Beschichtung fast keine Laufspuren sowie nur sehr geringe Ölkohleablagerungen, auch die Zylinder und Kolbenringe sind in Ordnung.
  • Kurbeltrieb: Die Hauptlager haben unauffällige Laufspuren mit gleichmäßigem Tragbild, ein Pleuellager weist minimale Ausbruchstellen auf (Kavitation). Die Pleuelaugen und Kolbenbolzen sind in sehr gutem Zustand.
  • Kraftübertragung: Das Getriebe präsentiert sich bis auf geringe Anlaufspuren an einer Schaltgabel in sehr gutem Zustand, die Kupplung zeigt bis auf leicht verfärbte Stahlscheiben kaum Verschleiß. Am Tellerrad des Kardanendantriebs zeigen sich geringfügige Materialausbrüche.
  • Rahmen/Fahrwerk: Die Verarbeitung macht einen guten Eindruck, es sind bis auf minimale Lackabplatzer kaum Verschleißspuren vorhanden. Lenkkopf- und Schwingenlager sind in Ordnung.

Kosten und Wartung

Kosten

Gesamtkosten7.712,12 Euro
Betriebskosten auf 50.000 Kilometern
20 Liter Öl à 19,99 Euro399,80 Euro
5 Ölfilter à 17,45 Euro87,25 Euro
2 Luftfilter à 23,63 Euro47,26 Euro
4 Zündkerzen à 14,94 Euro59,76 Euro
1 Satz Bremsbeläge hinten à 81,82 Euro81,82 Euro
2 Satz Bremsbeläge vorne à 81,82 Euro163,64 Euro
Gabelöl19,61 Euro
Kleinteile, Schmierstoffe75,22 Euro
Dichtungen22,69 Euro
Inspektionen und Reparaturen1.079,44 Euro
Reifen (inkl. Montage, Wuchten und Entsorgen)1.858,00 Euro
Kraftstoff3.817,63 Euro
Anschaffungskosten12.950,00 Euro
Wertverlust5.470,00 Euro
Schätzpreis (Händlerverkaufspreis)7.480,00 Euro
Kosten pro Kilometer (ohne Wertverlust)15,4 Cent
Kosten pro Kilometer (mit Wertverlust)26,4 Cent

Wartung und Reparaturen (km-Stand)

Reifen vorne und hinten erneuert, Bridgestone Battlax T 30 Evo9.542 km
Reifen vorne und hinten erneuert, Metzeler Roadtec Z8 Interact15.456 km
Reifen vorne und hinten erneuert, Metzeler Roadtec Z8 Interact23.162 km
Bremsbeläge hinten erneuert29.883 km
Reifen vorne und hinten erneuert, Dunlop Roadsmart III31.257 km
Reifen vorne und hinten erneuert, Metzeler Roadtec Z8 Interact40.324 km
Bremsbeläge vorne erneuert40.335 km

Lesererfahrungen

Stefan Weidner: "Nach einer S 1000 R fahre ich nun über 7000 größtenteils sehr unterhaltsame und genussvolle Kilometer BMW R 1200 R. Gab mir der Vierzylinder oft das Gefühl, immer mehr und immer schneller fahren zu müssen, strahlt der Boxer eine Souveränität aus, die begeistert. Egal ob allein oder im Soziusbetrieb, auf der Hausstrecke oder auf ausgedehnten Touren durch die Alpen, der Druck von unten und die bequeme und gut kontrollierbare Maschine ist das, was ich gesucht habe, eine Fahrmaschine für alle Einsatzzwecke. Doch leider ist auch etwas Schatten bei dem sonst so leuchtenden Gesamteindruck. Bereits vor der Einfahrinspektion beschlug der Scheinwerfer bei niedrigen Temperaturen und wurde bei BMW moniert. Ernüchternde Antwort von BMW: Ist Stand der Technik, baulich bedingt, Scheinwerfer wird nicht getauscht. Auch der Tacho bildete in einer Ecke Kondenswasser. Alles in allem bleibt trotzdem ein sehr erfreuliches Bild der BMW R 1200 R, technische Schwierigkeiten oder Defekte traten nicht auf. Wäre die Sache mit dem Scheinwerfer nicht, wäre der Gesamteindruck perfekt."

Dr. Wolfgang Happel:"Habe mir im Tausch gegen eine S 1000 R Anfang 2016 eine BMW R 1200 R zugelegt. Mittlerweile stehen 9.300 km auf dem Tacho, bis dato ohne Defekt. Vor zwei Wochen habe ich mal 200 ml Öl nachgefüllt. Mit der Leistung bin ich (trotz Abrüstung von der S 1000 R) sehr zufrieden, die 125 PS reichen auch für schnelle Etappen vollkommen aus. Das Fahrwerk (ESA) ist im Ansprechverhalten zufriedenstellend, allerdings war das der S 1000 R deutlich sensibler. Das vielfach beklagte Problem mit dem Seitenständer – Maschine steht sehr steil – kann ich nicht nachvollziehen. Ein Ärgernis ist das Instrumentendesign. Wer will einen analogen Tacho mit kleinen Zahlen und Drehzahlmesser mit Balkendiagramm? Das hat Triumph schon vor Jahren besser gelöst: analoger Drehzahlmesser und Geschwindigkeit digital. Das übliche BMW-Problem, lautstarkes Einlegen des ersten Gangs, hat die BMW R 1200 R beibehalten. Insgesamt guter Kauf, insbesondere für diejenigen, die zu klein geraten oder Ästheten sind und für die deshalb eine GS nicht infrage kommt. Findet auch meine Enkelin."

Volker Bleil:"Seit April 2015 habe ich 23.000 Kilometer auf der wassergekühlten BMW R 1200 R zurückgelegt. Vorwiegend in sehr zügiger Gangart, oft in den Alpen, bei einem Durchschnittsverbrauch von 6,0 Liter. Probleme: null Komma null! Auch nicht beim Getriebe. Die BMW begeistert mich in allen Belangen durch die Kombination aus sportlichem Potenzial, Understatement und echter Tourentauglichkeit. Bin oft mit einigen KTM Super Dukes unterwegs und hatte auf der Landstraße trotz Mehrgewicht noch nie das Nachsehen, sondern eher leichte Vorteile durch ESA, einen Tick mehr Drehmoment von ganz unten und den herrlichen Schaltassistenten Pro. Wer nicht ins Gelände will, hat mit der wassergekühlten BMW R 1200 R den Eier legenden Wollmilch-Eber."

Torsten Geritz: "Habe mir im Juni einen lang gehegten Traum erfüllt und meine alte F 650 CS beim BMW-Händler gegen eine BMW R 1200 R LC eingetauscht. Ich hatte vorher schon viel über das neue Boxer-Modell gelesen, entsprechend hoch waren die Erwartungen. Sie wurden alle erfüllt oder, noch besser, übertroffen. Auf einer größeren Tour – Alpen und Norditalien – und vielen kleineren habe ich einfach die Freudenstrahlen gar nicht mehr aus dem Gesicht bekommen. Meine Alte war auch schon schön wendig und sehr zuverlässig, aber die Neue ist einfach nur Hammer. Leistung, Handling, Klang, Zuverlässigkeit – alles vom Feinsten. Einzige Reparatur bisher (Garantie) bei zirka 8.000 km: USD-Gabel vorn beidseitig undicht."

Michael Müller: "Nach Jahren mit Japanern und einer Triumph, BMW R 1150 R, der „alten“ R 1200 R mit ESA habe ich mich für die aktuelle BMW R 1200 R ohne ESA entschieden und den Wechsel bislang nicht bereut. Ein geschmeidiger Motor in einem tollen Fahrwerk. Der Abschied vom Telelever fällt leicht. Bislang absolut zuverlässig, ohne technische Defekte – sehr angenehm zu fahren. Das lautstarke und hakelige Schaltgeräusch ist allgemein bekannt – ich kann damit leben."

Foto: Yvonne Hertler
Die BMW-Delegation mit Rudi Probst, Jens Staebe und Bernd Scherer (v.r.n.l.) zeigte sich vom Zustand der BMW R 1200 R hocherfreut.
Die BMW-Delegation mit Rudi Probst, Jens Staebe und Bernd Scherer (v.r.n.l.) zeigte sich vom Zustand der BMW R 1200 R hocherfreut.

Der Hersteller nimmt Stellung

… zum Verschleißmaß der Kolben.

Der Kolbenhersteller fertigt unkritisch im unteren Bereich des Toleranzfelds. Die Kolben des Dauertestfahrzeugs zeigen ein normales Einlaufverhalten. Darüber hinaus passen sich die Kolben über die thermische Beaufschlagung an den Brennraum an. In Summe ergibt sich der von MOTORRAD festgestellte Kolbendurchmesser. Die Kolben sind völlig in Ordnung.

… zu den Laufspuren am Hinterradantrieb.

Das Tellerrad zeigt Abdrücke auf der Zahnflanken-Schubseite, die unbedenklich sind. Ursächlich dafür kann Stempeln im Schubbetrieb infolge einer sportlich-dynamischen Fahrweise sein. Kunden-Beanstandungen hinsichtlich Verschleißes am Hinterachsgetriebe kennen wir nicht.

… zu den von einigen Lesern reklamierten undichten Gabeln.

Die Dichtringe der Gabelholme werden bei der Montage mit einer Fettfüllung versehen. Im Betrieb kann es zur Ausbildung eines „Fettrings“ an den Gabelholmen kommen, was als Undichtigkeit interpretiert werden könnte. In diesem Fall hilft das Abwischen der Holme. Aus dem Kundenfeld sind uns nur sehr wenige wirklich undichte Gabeln bekannt.

… zum Getriebe

Priorität bei der Entwicklung des neuen BMW R 1200 Boxer-Antriebs lag im Ausbau des sportlich-dynamischen Charakters mit direktem Ansprechverhalten. Um der höheren Performance gerecht zu werden, wurde der Antrieb mit einer Ölbadkupplung ausgerüstet, die neben der notwendigen höheren Belastbarkeit auch eine höhere Drehzahlfestigkeit besitzt. Weiterhin konnte mit dem Nasskupplungskonzept die Handkraft nochmals deutlich reduziert werden. Das für derartige Kupplungsbauarten typische, im Gegensatz zur Trockenkupplung geringfügig schlechtere Trennverhalten führt beim Gangeinlegen und Gangwechsel speziell in den unteren Gängen zu einer nicht vollständig vermeidbaren Geräuschentwicklung.

… zu beschlagenen Scheinwerfern.

Je nach Witterungsverhältnissen kann es vorübergehend zum leichten Beschlagen des Scheinwerfers kommen. Beim Abstellen des Motorrads kühlt sich die im Scheinwerferinneren erwärmte Luft ab. Abhängig vom Grad der Sättigung mit Feuchtigkeit dieser im Scheinwerfer erwärmten Luft kann es bei kühlen Außentemperaturen zur Kondensation von Wasserdampf an der Abdeckscheibe kommen. Aufgabe der Scheinwerferbelüftung ist es, dass dieser Beschlag durch Luftaustausch wieder verschwindet.

Dauertest-Wertung BMW R 1200 R
Dauertest-Wertung BMW R 1200 R

Dauertest-Wertung

Die Wertungstabelle gibt einen Überblick der MOTORRAD-Dauertest-Maschinen der letzten Jahre. 100 Punkte können maximal eingefahren werden, eingeteilt in fünf Teilwertungen. Zu den Kosten pro Kilometer zählen Ausgaben für Inspektionen, Ersatz- und Verschleißteile, Reifen und Kettensätze. Beim Benzinverbrauch wird der Durchschnitt über die gesamten 50.000 Testkilometer gebildet. Der Wertverlust basiert auf einer DAT-Schätzung. Bewertet wird die Relation zum Listenpreis bei Beginn des Tests. Außerordentliche Werkstattbesuche führen zum Abzug von jeweils einem Punkt. Pannen unterwegs werden mit fünf Punkten Abzug bestraft. Keine unplanmäßigen Stopps oder Werkstattbesuche, mäßige Kilometerkosten, geringer Verschleiß und guter Allgemeinzustand bringen die BMW ganz nach oben.

1 ) ohne Wertverlust und Benzinkosten; 2)  Durchschnittsverbrauch über 50 000 km; 3)  laut DAT-Bewertung; 4 ) außerplanmäßige Werkstattbesuche; 5)  bewertet: Maßhaltigkeit, Verschleißbild, Ersatzteilbedarf; 6)  Minuspunkte wegen Motorschadens; *Nachbestellungen unter Telefon 07 11/1 82-12 29

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