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Dauertest-Abschlussbilanz Vespa GTS 250 Vespa: Mädchen für Alles

Foto: Archiv
Eigenartige Geräusche aus dem hinteren Radkasten schwellen an und verschwinden wieder. So jedenfalls beschreibt es Testredakteur Rolf Henniges, der die knallrote Vespa GTS 250 i.e. am 25. September 2006 über das Timmelsjoch treibt. Der bildschöne Blechroller hat die Ehre, die traditionelle jährliche MOTORRAD-Herbstausfahrt zusammen mit fünf weiteren Dauertest-Maschinen zu bestreiten (MOTORRAD 23/2007). Von Suzuki Bandit 1250 S und KTM 690 Supermoto über Harley-Davidson Road King bis hin zu Yamaha R1 und Ducati 1098 sind sie alle gestandene Motorräder. Da muss man als Roller ganz schön fit sein – und jetzt das. Bei der Fahrt über den Jaufenpass wer­den die Geräusche noch schlimmer, sodass die Tester in Brixen beschließen, eine Werkstatt aufzusuchen.
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Foto: Archiv
Meister Karl Gasser nimmt sich der Vespa an. Ein Mechaniker zerlegt den Antrieb und stellt fest, dass sich nicht nur ein Radlager verabschiedet hat. Auch der Antriebsriemen und die Variorollen der Automatik sind ihrem Ende nahe. Die GTS hat 23137 Kilometer auf der Uhr. Bei der bald anstehenden 24000er-Inspektion wäre der Riemen turnusgemäß sowieso fällig gewesen. Also wird er jetzt nebst Rollen und Radlager getauscht.
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Foto: Sdun

Vorzüge des Rollerfahrens

Denn als die GTS in den Fuhrpark der MOTORRAD-Redaktion aufgenommen wurde, war die Mehrheit der motorradorientierten Tester noch recht skeptisch, manch einer äußerte sich sogar abfällig über den Neuzugang, sprach von der "Blechdose" mit Automatikgetriebe und ließ sie links liegen. Vorerst.

Da stand sie nun in ihrem hübschen, nostalgischen Outfit, fein herausgeputzt mit kleinem Windschild, Sturzbügeln, klappbarem Gepäckträger vorne und einem großen Topcase. Das praktische Zubehör aus dem Piaggio-Programm hebt den Preis der Vespa GTS 250 i.e. ABS von 4999 Euro auf insgesamt 5706 Euro an. Viel Geld für einen Roller, der mit seinem durchaus modernen, wassergekühlten 250er-Vierventil-Einzylinder-Viertakter, elektronischer Einspritzung und G-Kat 21,3 PS bei 8500/min erwirtschaftet.

Die GTS 250 könnte glatt als 125er durchgehen, was ihr Image in der Redaktion nicht gerade verbesserte. Doch Fuhrparkleiter Rainer Froberg pries die Vorzüge des Rollerfahrens, vor allem in der Stadt. Und hatte Erfolg. Harry Humke, geschäftsführender Redakteur bei MOTORRAD, war der erste, der im Fahrtenbuch vermerkt: In der Stadt einfach super! Motorrad-Mitarbeiter Christian Vetter notiert kurz darauf: "Eigentlich saupraktisch, so’n Roller".
Foto: Humke
Damit war das Eis gebrochen, die Vespa hat ihren Auftrag. Im verkehrsreichen Zentrum Stuttgarts geht es mit nichts flinker und unbeschwerter voran als mit der "roten Dose". Die Vespa ist handlich, wendig und ausgesprochen agil. Helm auf, Jacke und Handschuhe an, draufsetzen und los. Einkäufe sind schnell erledigt, Akten leicht transportiert. Selbst Modellflugzeuge für den Nachwuchs, verpackt in sperrigen Meter-Kartons, lassen sich auf dem klappbaren Gepäckträger vor dem Bug problemlos transportieren, stellt Testredakteur Norbert Kappes fest. Dass ins Staufach unter der Sitzbank kein Integralhelm passt, ist zu verschmerzen, weil ihn das Topcase bunkert, während der Fahrer durch die Fußgängerzone promeniert. Und so nebenbei lernt jeder Benutzer auch weitere Vorzüge eines Rollers schätzen: Dank Beinschild nie wieder schmuddelige Hosen und Schuhe bei regennasser Fahrbahn.
Foto: Archiv

Wartung und weitere Garantiefälle

Alle 6000 Kilometer muss sie zur Inspektion. War die erste mit 63,10 Euro noch erfreulich günstig, fällt die 12000er ganz schön happig aus. Laut Service-Plan muss der Antriebsriemen getauscht werden, auch Bremsbeläge sind fällig – macht 346,10 Euro. Wer bis jetzt glaubte, Rollerfahren sei ein billiges Vergnügen, der irrt. Auch defekte Tachowellen, manchem Motorradfahrer vielleicht noch aus den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts in vager Erinnerung, sind bei einer Vespa des Jahrgangs 2006 noch immer ein Thema. Nach gut 14000 Kilometern geht die erste zu Bruch, 6000 Kilometer später die nächste. Ein Garantiefall? Irrtum. Bei Piaggio lautet die Begründung: Verschleißteil. Stimmt eigentlich, aber so haben wir das noch nicht betrachtet. Dass der Ausleger des Seitenständers und die Federaufnahme am Hauptständer weggammeln und kostenlos ersetzt werden, überrascht uns deshalb. Auch der rostrote Endschalldämpfer, wie die Tachowelle bei vielen GTS-Fahrern ein Ärgernis, hat nach einem nicht allzu strengen Winter die besten Tage hinter sich. Dies ein Fall für die Garantieabteilung? Bedingt. Nur bis zu 10000 Kilometer Laufleistung innerhalb der Garantie tauscht Piaggio das Teil kostenlos. Schön sieht der Topf zwar nicht aus, aber er funktioniert noch. Wie auch die Vespa nach dem Boxenstopp in Brixen wieder prima läuft und sich bei der Hersbstausfahrt auf der Suche nach dem Passo Lavardet im Rudel gestandener Motorräder ganz wacker schlägt.
Noch tausend Kilometer darf sie nach der letzten Inspektion fahren. Kilometer, die schneller als erwartet runtergeritten sind. Der Motor fühlt sich so frisch an wie am ersten Tag. Nur das Federbein in der Vorderradschwinge hat spürbar an Dämpfung verloren. Nach 25000 Kilometern wird der Motor zerlegt. Bis auf ein undichtes Auslassventil, eine dazu konisch aufgeweitete Ventilführung und ein nahe der Verschleißgrenze liegendes Kurbelwellenlager erfreut er sich guter Kondition.

Für die Redaktion heißt es nun nach einem neuen Roller für den Dauertest-Fuhrpark suchen. Denn irgendwie hat sie Gefallen an dieser praktischen Art der Fortbewegung gefunden.
Foto: Sdun

Piaggio nimmt Stellung

... zu den defekten Tachowellen, die auch im Kundenkreis zum Ärgernis wurden.
Die Kosten für vereinzelte Tachowellenschäden, die uns bekannt sind, werden im Rahmen der Garantieleistung bis zu einer Laufleistung von 3000 Kilometer erstattet. Bei höheren Laufleistungen reagiert Piaggio auf Beanstandungen kulant.

... zum rostanfälligen Schalldämpfer.
Die uns bekannten Rostbeanstandungen an Endschalldämpfern werden bis 10000 Kilometer Laufleistung innerhalb der zweijährigen Garantiezeit selbstverständlich kostenlos reguliert.

... zum defekten Seiten- und Hauptständer.
Defekte am Ausleger des Seitenständers und an der Aufnahme der Rückholfeder am Hauptständer sind uns bislang nicht bekannt. Derartige Schäden werden im Rahmen der Garantieleistung erstattet.

... zu der nicht lieferbaren Schalldämpferdichtung.
Aufgrund einer Rückrufaktion kam es bei einzelnen Händlern zu kurzfristigen Lieferengpässen. Dabei handelte es sich um den Austausch der Auspuffschelle. Die neu dimensionierte Schelle verhindert ein mögliches Entweichen der Auspuffgase zwischen Krümmer und Endschalldämpfer, um eine mögliche Beschädigung der Bauteile in unmittelbarer Nähe des Auspuffsystems zu vermeiden.

... zu undichten Tachometern, Rückleuchten und Blinkern, die GTS-Besitzer beanstanden.
Die angesprochenen Bauteile sind grundsätzlich atmosphärisch nicht dicht. Hohe Luftfeuchtigkeit und Temperaturunterschiede können daher möglicherweise eine Kondensation auslösen. Das Kondensat verdunstet nach kurzer Zeit und stellt somit keinen Mangel dar.
In anderen Fällen werden Mängel durch Feuchtigkeitseinbruch aufgrund schadhafter Dichtungen selbstverständlich im Rahmen der Garantieleistung behoben.

... zu der ausgeschlagenen Ventilführung.
Probleme dieser Art sind uns nicht bekannt. Im Rahmen unserer Garantieleistungen würden wir den Zylinderkopf bei Reklamation ersetzen.

... zum rechten Kurbelwellenlager.
Die Laufspuren sind nur optisch unschön und beeinträchtigen die Funktion nicht. Wiederholte Volllastfahrten vor Erreichen der Betriebstemperatur können eine mögliche Ursache gewesen sein. Hinsichtlich der Maße sind Lager und Welle als unkritisch zu bewerten.

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