Dauertest-Begrüßung Yamaha MT-09 Hurra, ein Drilling!

Endlich mal wieder ein Motorrad, bei dem nahezu die gesamte Redaktion Schlange steht, um es zu fahren. Freuen wir uns also auf den Dauertest-Neuzugang, die Yamaha MT-09.

Foto: jkuenstle.de

Als Testchef Gert Thöle von der Präsentation der Yamaha MT-09 zurückkehrte, war seine Begeisterung groß und sein Urteil positiv: Günstig, geil, gut – die Summe ihrer Qualitäten in Verbindung mit einem Einstandspreis von nur 7995 Euro machen die MT-09 zu einem echten Geheimtipp. Seit Ende Oktober steht dieser Geheimtipp nun also in der Redaktionstiefgarage, und der dazugehörige Zündschlüssel ist heiß begehrt. Doch gemach, jeder kommt mal dran, denn die Yamaha MT-09 muss sich fortan auf 50000 Kilometern im Alltag bewähren.

Bereits in den ersten Wochen wird die Maschine alles andere als geschont. Mit 480 Kilometern übernimmt MOTORRAD die Yamaha MT-09 vom Importeur in Neuss. Nach weiteren 700 Fahrkilometern muss es die Eingangsmessung über sich ergehen lassen. Das macht sie souverän: Die auf dem Prüfstand im A- und Standartmodus gemessenen 115 PS bei 10 000/min und 88 Nm bei 8400/min sind nahezu deckungsgleich mit den Herstellerangaben. Jedes Dauertest-Bike wird zu Beginn und zum Schluss der Marathondistanz auf den Prüfstand geschickt, darüber hinaus werden jeweils die Beschleunigungs- und Durchzugswerte ermittelt, um eine Veränderung über die Distanz zu dokumentieren.

Die Yamaha MT-09eilt auf ihren ersten 2000 Kilometern von einem Test zum nächsten. Spult ­allein 700 Kilometer für den Top-Test (MOTORRAD 24/2013) ab. Im Anschluss dar­an wird das Fahrzeug noch für den Vergleichstest in MOTORRAD 25/2013 und einen Vergleichstest im Schwesterblatt PS bewegt. Als die Yamaha MT-09 endlich für alle da ist und der Schlüssel am Brett baumelt, muss sie sofort zur Erstinspektion. Zwar hat man der MT-09 vor der Übergabe an MOTORRAD eine ausgiebige Durchsicht spendiert, doch die Erstinspektion wird erst jetzt – bei Kilometerstand 2100 – in der Fachwerkstatt durchgeführt.

Derart überprüft, steht die Yamaha MT-09 gewaschen und geschniegelt parat, um an alle das Erlebnis zu verschenken, das man zuvor in den Vergleichstests lesen konnte: Vom enormen Schub des Dreizylinder-Antriebs in ­allen Lebenslagen war die Rede. Von fulminanter Wendigkeit, unkompliziertem Fahrverhalten und einer unglaublichen Dynamik. Schließlich ist die zierliche 850er mit 192 Kilogramm vollgetankt ein Leichtgewicht. Eins mit zierlicher Taille, die in Verbindung mit nur 810 Millimetern Sitzhöhe Menschen mit kurzen Beinen einen sicheren Stand ermöglicht.

Doch nicht alle Fahrer sind mit dieser Ergonomie der Yamaha MT-09 glücklich. Vor allem Langbeinigen gefällt der arg geknickte Kniewinkel nicht. Die etwas höhere Sitzbank des Schwestermodells, der MT-09 SR, könnte da Abhilfe schaffen, doch die ist am Markt noch nicht erhältlich. Sie würde zudem auch ­einen weiteren Kritikpunkt ausmerzen: Testmitarbeiter Christian Vetter moniert den Abstand zwischen Sitzbank und Lenker. „Man sitzt tief, der Lenker ist zu hoch. Das ist touristisch und gar nicht so aktiv, wie man es sich wünscht“, notiert er.

Die Yamaha MT-09 verfügt über drei verschiedene Fahr-Modi, die über einen kleinen Knopf an der rechten Lenkerarmatur wählbar sind. Über eins sind sich bislang alle einig: Im Standard-Modus, der nach jedem neuen Start automatisch drin ist, geht der Dreizylinder recht forsch zur Sache. Der noch etwas schärfere A-Modus, bei dem unfreiwillige Wheelies fast unabwendbar sind, ist in der Innenstadt die ­völlig falsche Wahl. Wer auf zivilisierte Gas­annahme steht, wählt den B-Modus. Dabei wird die Spitzenleistung zwar um zehn PS gekappt, das ist im Alltag aber nicht entscheidend.

Testredakteur Andi Bildl notiert: „Durch die Tankform dauert das Volltanken ewig.“ Und tanken muss man die Yamaha MT-09 oft. 14 Liter fasst das formschöne Spritfass, erste Verbräuche im normalen Alltagsbetrieb, der ein Mix aus Stadtverkehr, einem Autobahnanteil und Landstraßensurfen darstellt, deuten auf einen Verbrauch von rund 6,3 Liter Super auf 100 km, was eine theoretische Reichweite von 222 km ergibt. ­Dieser Spritkonsum ist weitaus größer als die ermittelten 4,4 Liter/ 100 km auf der ­genormten MOTORRAD-Test­runde. Schauen wir mal, wie sich das auf den weiteren 48 000 km entwickelt.

Ebenso darf man gespannt sein, ob sich die hake­lige Schaltung der Yamaha MT-09 noch „einschleift“ oder der merkwürdig helle Singsang verschwindet, der bei 4000/min auffällt. Ob das Geräusch aus dem Motor oder der Verkleidung kommt, ist bislang nicht auszumachen. Aber es irritiert ein wenig. Ebenfalls auffällig: das Eigenlenkverhalten der MT-09. Vor allem bei niedrigen Geschwindigkeiten oder beim Wenden am Lenkanschlag nervt auch das kippelige Lenkverhalten sensible Fahrer.

Ob’s am Reifen liegt? Grundsätzlich ist der montierte Bridgestone S20 kein Kandidat für Nervosität. Ach, was soll’s? Schließlich haben wir noch 48 000 km Zeit, um andere Reifen auszuprobieren. Freuen wir uns lieber, dass die Yamaha MT-09 im Fuhrpark ist.

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