Indian Chief Vintage im MOTORRAD-Dauertest Erfahrungen über 50.000 Kilometer

Die Indian Chief Vintage durchläuft seit 10. November 2014 den MOTORRAD-Dauertest und hat die 50.000 Kilometer erreicht.

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8.500 km: Gepäckträger und Sissybar

Die Indian Chief Vintage schleppt zwar schon serienmäßig zwei Ledertaschen inklusive Fransen herum. Um noch tourentauglicher zu werden, trägt sie seit neuestem zusätzlich eine Sissybar mit Gepäckträger aus dem Originalzubehörprogramm.

Kurz bevor die Indian Chief Vintage aus dem MOTORRAD-Dauertest-Fuhrpark zur 8000-km-Inspektion musste, meldete Onliner Manuel Fuchs für eine Gardasee-Tour an. Und dass dafür ein zusätzlicher Gepäckträger hilfreich wäre, weil die 6,8 Kilogramm Zuladung pro Lederfransentasche knapp werden könnten.

Zum Glück gibt es für die Indian Chief Vintage ein umfassendes Zubehörprogramm: die Sissybar für 439 Euro (unverbindliche Preisempfehlung), den mit 3 Kilogramm belastbaren Gepäckträger für 299 Euro (UVP). Bestellt war schnell, geliefert nicht viel langsamer, und montiert hatte es Gerry Wagner auch im Handumdrehen. "Mit alles und vollgetankt" wiegt die Indian Chief Vintage jetzt 395 Kilogramm. Zulässiges Gesamtgewicht laut Papieren: 573 Kilogramm. Ähem.

Dass die Rückenlehne den Weg über den Brenner und zurück ungepolstert zurücklegen musste (Lederpolster: 382,22 Euro UVP) - Schwamm drüber. Indian und Manuel haben die 2.300-Kilometer-Runde gut überstanden. Trotz Schneefalls südlich von Innsbruck auf dem Hinweg.

Besondere Vorkommnisse: Bei Kilometerstand 10.395 kreuzten zwei Rehe am Monte Baldo den Weg der Indian. Das erste Reh blieb stehen und guckte, Manuel blieb auch stehen und guckte zurück.

Das zweite Reh war darob verwirrt, suchte den Weg quer über die Indian, streifte Manuel knapp, strampelte sich irgendwie wieder herunter und von dannen. Manuel bestätigt, was wir schon immer ahnten: "Rehbäuche sind weich und haarig".

Die Scheibe der Indian Chief Vintage hat vom rechten Hinterlauf eine unbedenkliche Macke davongetragen. Das Reh war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

12.385 km: Pirelli Night Dragon montiert

Die Erstbereifung Dunlop American Elite der Indian Chief Vintage im MOTORRAD-Dauertest wurde bei Kilometerstand 12.385 getauscht, auch wenn die Profiltiefe es noch nicht nötig gemacht hätte. Diejenigen, die den Fransencruiser auf nassen Straßen bewegten, hatten wenig schmeichelhafte Kommentare ins Poesiealbum (vulgo: Fahrtenbuch) notiert: "Die Reifen können bei Nässe gar nix" ist vielleicht aus der unmittelbaren Erfahrung etwas zugespitzt niedergeschrieben, trifft aber den generellen Tenor. Es raint zwar never in Southern California ... aber rund um Stuttgart eben doch öfter mal.

Außerdem wollen einige Fahrer beim Einlenken gelegentlich ein pulsierendes Vorderrad gespürt haben. Nachdem auch zweimaliges Nachwuchten dies nicht in den Begriff bekommen hat, steht die Indian Chief Vintage jetzt auf Pirelli Night Dragon.

Was in einem lapidaren Satz gesagt ist, war für Chefschrauber Gerry Wagner eine Geduldsprobe. Ein Rad auszubauen macht vielleicht bei Einarmschwingen mit Zentralmutter noch so etwas wie Spaß. Wenn man aber zuvor meterlange Chromrohre demontieren und dann hinter einer ausladenden Radverkleidung halbblind rumfummeln muss ... nun ja. Und als das Rad mit frischem Gummi auf der Achse saß, das Ganze natürlich auch wieder retour.

Erster offensichtlicher Wermutstropfen der Pirelli Night Dragon: Die Weißwandoptik der Dunlop American Elite können sie nicht bieten. Hoffen wir, das dies das einzige Manko bleibt.

Foto: Fuchs
Leicht gebleicht: Das Leder an der Dauertest-Chief Vintage hat ziemlich Farbe gelassen.
Leicht gebleicht: Das Leder an der Dauertest-Chief Vintage hat ziemlich Farbe gelassen.

13.500: Leder bleicht aus

Der deutsche Sommer geht der Indian Chief Vintage im MOTORRAD-Dauertest heftig ans Leder: Sattel und Taschen der Indian Chief Vintage haben in den letzten Wochen massiv Farbe verloren - trotz regelmäßiger fachmännischer Behandlung mit Original Indian-Werkslederpflege durch Fuhrparkleiter Rainer Froberg.

Im Foto ist der Überwurf-Deckel der Ledertaschen leicht aufgestellt, sodass der Farbunterschied zwischen bedeckten und nicht-bedeckten Lederflächen deutlich zutage tritt.

Wir haben Indian das Problem mit dem Leder an der Dauertest-Chief Vintage in einer Mail geschildert. Hier die Antwort von Detlef Wursthorn, Customer Support & Technical Training Manager für Indian:

MOTORRAD online: Ledersattel und -taschen unserer Dauertest-Vintage haben in den letzten Wochen massiv Farbe verloren - trotz regelmäßiger fachmännischer Behandlung mit Original Indian-Werkslederpflege durch Fuhrparkleiter Rainer Froberg. Wieso passiert das?

Detlef Wursthorn: Leder ist ein Naturprodukt und kann sich unter Witterungseinflüssen stark verfärben, dies ist durch das Material gegeben. Beeinflussen, in wie weit dieser Prozess sich vollziehen kann, kann man dies durch die Art und Weise der Lederbehandlung (beim Fertigungsprozess). Das Leder von Modelljahr 2014 ist von anderer Struktur und der Fertigungsprozess ist gegenüber dem Modelljahr-2015-Leder auch unterschiedlich. Modelljahr-2015-Leder weißt eine Verfärbung in diesem Sinne nicht mehr auf.

MOTORRAD online: Nichts gegen den deutschen Sommer, aber wenn man sich vorstellt, dass Motorräder mit diesen Taschen auch zwischen Flagstaff und Albuquerque rumfahren, müssten die doch eigentlich mehr Sonne aushalten -wenn sie schon nicht ordentlich regendicht sind. Mit welchen Mitteln/Verfahren bekommt man die ausgebleichten Lederflächen wieder in Schuss?

Detlef Wursthorn: Speziell für die Modelljahr-2014-Lederteile haben wir ein "Refresh-Kit", der die Oberfläche wieder entsprechend "schön" macht. Hier ist natürlich zu beachten, dass bei einer solchen Behandlung der Grundton des Leders sich entsprechend verdunkelt. Was allerdings auch normal ist aufgrund der Struktur von Leder generell. Sollte eine nicht vertretbare Verfärbung innerhalb der Garantiezeit auftreten so wird dies über Garantie abgewickelt, also für den Kunden ohne weitere Kosten.

Das mitgelieferte Lederfett (ihr Foto) dient der Oberflächenbehandlung bezugnehmend auf Brüche wegen Feuchtigkeitsmangel. Der Refresh-Kit ist eine Grundbehandlung die je nach Einsatz und Nutzung vollzogen werden muss.

20.000 km: Zwischenprotokoll

Überraschend schnell sammelt auch die Indian Chief Vintage Kilometer, wobei deren Durchschnittstempo bauartbedingt etwas niedriger ausfällt. Der dicke Cruiser bewegt sich in großen Schritten auf die 24.000er-Inspektion zu.

Damit sich die Kilometer bis dahin noch angenehmer gestalten, erhielt die Indian Chief Vintage neue Reifen. Die Alten wären zwar noch für etliche Touren gut gewesen, haben aber unter den Gesichtspunkten Vertrauen, Feedback und Nasshaftung nicht überzeugt. Pirellis Night Dragon können das besser, obwohl auch mit ihnen beim Nassgrip noch mehr ginge.

Fast das Optimum erreicht – das gilt für den Sitzkomfort in der zweiten Reihe auf dem großen Indianer. Möglich macht das eine Sissybar samt kleinem Gepäckträger. Der Preis fürs Wohlfühlen beim Mitfahren: 738 Euro für beide Teile.

Weniger schön ist, dass das Leder von Sitzbank und Taschen völlig ausgeblichen ist. Eine Behandlung mit einem originalen Pflegemittel brachte zwar etwas mehr Glanz, aber der Farbunterschied zwischen abgedeckten und der Sonne ausgesetzten Teilen blieb. Wohlwollend könnte man das auch "Patina" nennen.

24.000 km: Aktuelles aus dem Dauertest

Der mächtige Cruiser spult tapfer seine Kilometer ab und hat nun bald die Halbzeit des Dauertests hinter sich. Im Winter gab es Kritik an der hohen Scheibe, die bei Nässe die Sicht beeinträchtigt. Der Austausch der Erstbereifung gegen Metzeler Marathon brachte erheblich mehr Grip und bessere Kontrolle, vor allem bei Kälte und Nässe.

Die Satteltaschen der Indian Chief Vintage hatten sich ja bereits nach kurzer Zeit unter Sonne und Licht stark verfärbt. Das kann man sicher unter Patina laufen lassen, jedoch machte der Händler den Vorschlag, das Leder aufzubereiten. Das würde normalerweise über 500 Euro kosten. Die Frage bleibt ­natürlich, ob sich das rentiert. Auf jeden Fall ist ein Unterschied klar erkennbar.

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