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KTM 1190 Adventure im Dauertest Multitool aus Mattig­hofen

Bislang kränkelten die Maschinen von KTM gelegentlich in den MOTORRAD-Dauertests. Die mit viel Aufwand konstruierte 1190 Adventure könnte das angekratzte Image nachhaltig aufbessern. Seit August rollt die Neue im Redaktionsfuhrpark.

Der Eintrag im Fahrtenheft verwundert: „Endlich mal wieder ­eine Ducati Multistrada im Dauertest“, kommentierte Jung­redakteur Roman Engwer den Neuzugang im Fuhrpark – wohlgemerkt nach einer Tour mit der KTM 1190 Adventure. Dabei ist der schnippisch gemeinte Vergleich der KTM mit der Duc gar nicht so weit hergeholt. Immerhin schließen die Österreicher mit dem nominell 150 PS starken V2 als erster Hersteller überhaupt im Segment der Reise­enduros leistungsmäßig zum bisherigen Spitzenreiter, der ebenfalls 150 PS starken Multistrada, auf. 

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Auf asphalt­orientierte Qualitäten fokussiert

Und nicht nur das: Im Gegensatz zum rallyesportlich angehauchten Vorgängermodell, der 990 Adventure, fokussiert sich die KTM 1190 Adventure eindeutig auf die asphalt­orientierten Qualitäten. Neben den konventionellen Radgrößen (17/19- statt 18/21-Zoll) bieten der 23-Liter-Tank, der vollwertige Wind- und Wetterschutz und das elektronisch einstellbare Fahrwerk die in dieser Kategorie entscheidende Tourentauglichkeit.

Mit dieser Kombination überholte das neue Multitool aus Mattig­hofen mit dem zweiten Rang beim MOTORRAD-Reise­enduro-Vergleichstest (Heft 9/2013) fast die gesamte arrivierte Konkurrenz und katapultierte sich auch auf Platz elf der deutschen Zulassungsstatistik. Damit ist sie – hinter der BMW R 1200 GS – die am zweitbesten verkaufte Reiseenduro dieser Saison. Eine Tatsache, die gerade nach dem mit zwei Pleuellagerschäden unrühmlichen MOTORRAD-Dauertest des Supersportlers RC 8 (Heft 9/2011) zeigt, dass die Kundschaft der KTM-Qualitätssicherung mittlerweile mehr zutraut. Was den Dauertest der KTM 1190 Adventure umso spannender machen wird.

Wie über 90 Prozent der Kunden (Aussage KTM) orderte auch MOTORRAD die KTM 1190 Adventure mit dem 800 Euro teuren Elektronik-Paket (elektronische Fahrwerkseinstellung, Reifenluftdrucküberwachung, Hauptständer). Seit Anfang August bollert der Zweizylinder im offiziellen Redaktionsauftrag. Und jeder der seitdem gefahrenen 5000 Kilometer bestätigte die formidablen Testergebnisse dieses Frühjahrs. So positionierten die KTM-Produktplaner die Adventure mittig zwischen die Konzepte der sehr sportlich ausgerichteten Multistrada und der reiseorientierten GS. Während das üppige Platzangebot und die Peripherie eher der BMW ähneln, erinnert der druckvolle Auftritt des Zweizylinders in der Tat nicht nur Kollege Engwer an die Ducati. 

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Foto: KTM
Bislang kränkelten die Maschinen von KTM gelegentlich in den MOTORRAD-Dauertests. Die mit viel Aufwand konstruierte 1190 Adventure könnte das angekratzte Image nachhaltig aufbessern.
Bislang kränkelten die Maschinen von KTM gelegentlich in den MOTORRAD-Dauertests. Die mit viel Aufwand konstruierte 1190 Adventure könnte das angekratzte Image nachhaltig aufbessern.

Allerdings: Während KTM die ­1190 Adventure mit nominell 150 PS Spitzenleis­tung angibt und die Testmaschine im März von MOTORRAD mit 147 PS gemessen wurde, drückt die Dauertest-Maschine nur 141 PS. Selbst wenn die subjektive Wahrnehmung der spritzigen Leistungsentfaltung nicht darunter litt und auch die Fahrleistun­gen nicht schlechter ausfielen, drängt sich beim Thema Serienstreuung dennoch ein kritischer Blick auf. Vielleicht muss sich die Mechanik des bei Kilometerstand 2311
gemessenen V2 aber auch noch freifahren.

1000-Kilometer-Inspek­tion

Ein kritisches Auge wurde auch vom Mechaniker bei der 1000-Kilometer-Inspek­tion gefordert. Bei einzelnen Adventure-Modellen war die Belüftungsbohrung im Tank nicht vollständig durchgebohrt und musste nachgearbeitet werden. Auch die Befestigungsschraube des Lenkungsdämpfers hatte sich bei manchen Exemplaren ­gelöst. Das Dauertest-Bike zeigte sich in beiderlei Hinsicht in Ordnung. Auch eine Alu-Matte als Hitzeschutz wurde bei dieser Gelegenheit am Sitzbankboden angebracht. Über einen heißen Sitz hatte sich vom in dieser Hinsicht wohl gestählten MOTORRAD-Testpersonal allerdings noch niemand beschwert. Abgesehen von ­dieser gratis durchgeführten Nachrüstung schlug die Erstinspektion mit 196 Euro (Öl, Ölfilter, Arbeitszeit) zu Buche. Seitdem ist die KTM 1190 Adventure nur noch selten in der Redaktion anzutreffen. Verständlich, macht ja auch verdammt viel Spaß, die Multi­strada, äh Adventure.

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