MOTORRAD 19/2010 Dauertest News

Bewegung im Dauertest-Fuhrpark: Das Testende erreicht haben mittlerweile die BMW K 1300 GT und die Yamaha XJ6, neu gekommen sind die BMW S 1000 RR und die Kawasaki Z 1000. Sie gehen allerdings auch - und zwar mächtig voran.

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Die Neuen werden nicht lange geschont: Sowohl die BMW S 1000 RR als auch die Kawasaki Z 1000 mussten schon kurz nach Dienstantritt zum harten Einsatz beim Alpen-Masters. Für den Gesamtsieg hat es dabei zwar nicht ge-reicht, doch beide haben sich achtbar geschlagen, rollen ohne Ausfälle und ernten teils begeisterte Fahrtenbucheinträge. Sehr angetan zeigen sich die meisten Fahrer der S 1000 RR von der mächtigen, jedoch gut beherrschbaren Motorleistung und dem Handling einer 600er. Erste Änderung: Seit kurzem sind Sportfußrasten von Emil Schwarz verbaut.

In zwei Punkten sind sich bei der ebenfalls noch jungen Aprilia RSV4 R bislang alle einig: Die Italienerin ist zu laut (von nervig bis kriminell lauten die Kommentare), und sie säuft barbarisch. Sieben Liter auf 100 Kilometer sind die Regel, locker zweistellige Verbrauchswerte leistet sich die RSV4 bei flotter Autobahnfahrt. Gelobt werden jedoch das präzise, stabile Fahrwerk und das tolle Handling. Wenig Lob erntet die Verarbeitung - bereits nach kurzer Zeit blätterte der Lack vom klobigen Endtopf. Dieser wurde im Zuge der 10 000er-Inspektion ebenso (auf Garantie) ersetzt, wie die Bremsscheiben vorn, nachdem starkes Rubbeln zunehmend genervt hatte.

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Häufig moniert werden bei der Victory Hammer S die schwierige Leerlaufsuche bei warmem Motor und das ungehobelte Lastwechselverhalten. Kleinigkeiten, angesichts der ansonsten verlässlich laufenden und mit ihrer urwüchsigen Ehrlichkeit anmachenden Amerikanerin. Beunruhigende, nicht eindeutig zu lokalisierende Geräusche aus den Tiefen des Motors mahnten jedoch zu einem Besuch in der Werkstatt, wo der Mechaniker den Motor teilweise zerlegte. Sichtbare Schäden? Fehlanzeige. Lediglich ein ohnehin fälliger Tausch des defekten Reglers wurde vorgenommen, der mächtige V2 wieder zusammengebaut – und das Geräusch ist weg. Offenbar hatte der unter dem Motorgehäuse verbaute Regler die seltsamen Geräusche verursacht.

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Unbekümmert und ohne größere Schäden läuft die Triumph Thunderbird. Ein Scheinwerferglas (wegen Riss) und die Bremsscheibe hinten (wegen unachtsamerweise bis aufs Metall runtergebremster Beläge) wurden getauscht - das war alles. Also quietscht und zwitschert (der Zahnriemen gibt keine Ruhe) die Britin fröhlich der Dauertesthalbzeit entgegen. Bereits auf der Zielgeraden befindet sich die Suzuki Gladius. Außer Spesen (hie und da neue Reifen) ist auch hier nichts gewesen. Defekte leistet sich die Japanerin nicht, dafür häuft sich die Kritik am labberigen Fahrwerk. Auf ihre alten Tage bekommt die Gladius also bei knapp 43000 Kilometern noch Wilbers-Gabelfedern samt -Federbein spendiert. Mal sehen, ob sich Besserung einstellt.

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Die KTM 1190 RC8 sorgt immer für Beschäftigung. Der wegen eingerissenen Displays getauschte Tacho stellt hier das kleinste Problem dar, viel öfter werden die in kaltem Zustand schlecht trennende und rupfende Kupplung moniert. Echten Anlass zur Sorge gaben zuletzt starke Knarz-Geräusche vom Hinterrad. Nach Tausch der Lager des Kettenradträgers ist weitgehend Ruhe eingekehrt. Völlige Stille auch bei der BMW K 1300 GT. Die Bayerin hat nämlich den Dauertest beendet, wurde bereits zerlegt und harrt der abschließenden Beurteilung. Kurz vor Ende hatte sie noch Ratgeber-Mann Thorsten Dentges auf einer Berlin-Tour im Stich gelassen und diesem ein Krafttraining abverlangt. Wegen eines defekten Anlasserschalters und –relais war der Kollege zum Anschieben der bleischweren Fuhre verdammt und verlor zu allem Überfluss auf der Rückfahrt auch noch den linken Koffer. Der umfassende Abschlussbericht folgt in Ausgabe 21/2010.

Auch die Yamaha XJ6 Diversion hat die Dauertestdistanz nun geschafft. Nach überwiegend problemlosen Kilometern musste zuletzt nun doch noch eine gerissene Hinterradabdeckung und das schon länger hakende Zündschloss ersetzt werden. Zumindest für die letzten 1400 Kilo-meter hatte die lästige Schlüsselfummelei beim Start also ein Ende. Das Beste zum Schluss: Die Redaktion ist in freudiger Erwartung, der Dauertest-Fuhrpark bekommt Zuwachs. Die versprochene Ducati Multistrada 1200 S soll dieser Tage eintreffen, anfängliche Freitagnachmittag-Rangeleien um den Schlüssel werden wohl unvermeidlich sein.

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