Dauertest-News Stand der Dauertest-Maschinen

Es ist wieder Zeit für eine Bestandsaufnahme: Wie haltbar und zuverlässig geben sich die derzeit sieben Maschinen im anspruchsvollen MOTORRAD-Dauertest über 50000 Kilometer? So gleichartig die Anforderungen, so unterschiedlich die Reaktionen der einzelnen Testkandidaten.

Foto: jkuenstle.de

Die Prozedur zu Beginn des Dauertests über 50000 Kilometer ist für die erwählten Kandidaten immer die gleiche: Zunächst verplomben die MOTORRAD-Techniker alle wichtigen Motorschrauben, dann messen sie Kompression, Leistung und Fahrleistungen. Erst jetzt geht es los auf die lange, beschwerliche Reise durch Städte und über Land, bei Sonne und Regen, Kälte und Hitze. Rein rechnerisch verläuft die Testfahrt in möglichst kurzer Zeit einmal um die Welt. Es gilt, technische Stärken und Schwächen herauszufinden, Reisetauglichkeit und Zubehör eingehend zu prüfen. Und natürlich wollen die Tester auf dem weiten Weg die Haltbarkeit und Zuverlässigkeit der Maschinen ermitteln.

Die Triumph Thunderbird ging, noch ganz frisch im Fuhrpark, mit auf die Herbstausfahrt 2009, die Tour der Dauertest-Maschinen zum Gardasee (MOTORRAD 24/2010). Früh zeichneten sich da erste Auffälligkeiten des Cruisers mit dem kultivierten 1,6-Liter-Reihenmotor ab: Der Donnervogel hat zwar standesgemäß einen tiefen, blubbernden Auspuffsound. Aber mitunter zwitschert er auch wie eine Rauchschwalbe. Offenbar verursacht der pflegeleichte Zahnriemen insbesondere bei Kälte und Regen Quietschgeräusche. Ebenfalls auffällig: das fummelige, schlecht zu bedienende Lenkschloss und der improvisiert wirkende Schalter für die Heizgriffe aus dem Zubehörprogramm.

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Foto: Schmieder

Untypisch für einen Cruiser ist die Handlichkeit und Dynamik der Thunderbird. Typisch hingegen sind die zweischneidigen Qualitäten des Nachrüst-Windschilds von Triumph: Es nimmt Winddruck, aber "ab 90 km/h wird es turbulent und laut", wie Redakteur Ralf Schneider vermerkt. "Ab Tempo 120 beutelt es den Helm so stark, dass die Sicht leidet." Früh irritierte die Thunderbird durch Kühlwasser-Spritzer hinter den Zylindern. Nach 5061 Kilometern wurde wegen Gewebebruchs ein Kühlwasserschlauch erneuert. Das ging auf Garantie wie der gleichzeitige Tausch der schwergängig gewordenen Gaszüge. Zuvor waren sie so ruppig wie bei einem alten Zündapp-Mofa.

Nach knapp 8000 Kilometern sind nun die hinteren Bremsbeläge am Ende. Schnee und Streusalz ließen die Triumph von Mitte Dezember 2009 bis Ende Februar 2010 eine Zwangspause einlegen, um ihren reichen Chromschmuck zu schonen.

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Foto: Schmieder

Auch der zweite Cruiser im Dauertest-Fuhrpark, die Victory Hammer S, wartete lange Zeit auf streusalzfreie Straßen, um das viele Metall nicht vorzeitig altern zu lassen. Zu spät. Noch vor dem harten Winter, Ende Oktober bei Kilometer-Stand 1500, fraß sich unschöner Rost an der Auspuffanlage fest. Dort hält er sich seither. Schade, denn das sonst so massiv wirkende US-Bike, mittlerweile mit Mini-Windschild bestückt, ist ein echter Hingucker und ruft bei jedem Stopp zahlreiche Bewunderer auf den Plan.

Bislang läuft das US-Bike problemlos wie ein Schweizer Uhrwerk. Doch "Vorsicht, fährt auch bei ausgeklapptem Seitenständer", steht als Warnung auf dem Tank mit den weißen Rallye-Streifen: Lediglich ein simpler Gummi am Seitenständer soll für Einschnappen in Linkskurven bei versehentlichem Losfahren sorgen. "Absolut TÜV-konform", sagt Victory. Fahrer, denen das nicht reicht, bekommen gratis einen Killschalter plug-and-play an die Bordelektronik nachgerüstet, der bei ausgeklapptem Seitenständer den Zündstrom unterbricht. Einen solchen soll das Dauertest-Exemplar zur 8000er-Inspektion erhalten.

Ansonsten ist die Victory ein cooles Bike, das feinste Fahrerlebnisse bietet: "Macht Laune und seinem Namen alle Ehre - einfach der Hammer", heißt es im Fahrtenbuch. Für den Kapitän passt die Sitzhaltung bestens. Der Soziussitz hingegen fällt unter die Folter-Konvention. Der trotz Zahnriemenantrieb stark lastwechselnde, 1731-cm3-V2 schiebt mächtig an. Weniger begeisternd sind die schlecht trennende, schwergängige Kupplung und das grobschlächtige Getriebe. Leerlaufsuche an der Ampel ist ein Glücksspiel. Trotz fetten 250er-Hinterreifens umrundet die Victory Kurven sehr manierlich. Läuft allerdings auch Spurrinnen lästig hinterher.

Foto: Schmieder

Die supersportliche KTM RC8 verkörpert das genaue Gegenteil der Victory: leicht, rasant, geboren für das Leben auf der Kante. Sie hat im Laufe ihrer 35380 Kilometer bei MOTORRAD schon allerhand erlebt. Kettenriss, Instrumente eingerissen, Spiegel und Kennzeichenhalter abgebrochen - alles nachzulesen in der Dauertest-Zwischenbilanz über 22700 Kilometer in Ausgabe 19/2009. Mittlerweile kam noch ein Motorschaden hinzu. Ein Pleuellager hatte gefressen. Auch mussten nach 33833 Kilometern die vorderen Radlager gewechselt werden. Zwischenzeitlich nervte der V2 durch starkes Konstantfahrruckeln, gelegentliches Absterben an der Ampel und harte Gasannahme.

Foto: Schmieder

Fast ohne technische Mängel spulen die beiden Japanerinnen ihre Kilometer ab. An beste XJ-Tugenden von unauffälligen Kilometerfressern knüpft die Yamaha XJ6 Diversion an, sofern man vom extrem schwergängigen Getriebe absieht. Als dann noch die Kupplung kaum trennte, waren nach 29926 Kilometern neue Beläge und Federn fällig. Reifenempfehlungen und alle anderen Erfahrungen zum "VW Golf auf zwei Rädern" stehen in der Dauertest-Zwischenbilanz in MOTORRAD 9/2010.

Foto: Schmieder

Auch die Suzuki Gladius fährt und fährt und fährt "ohne großartig aufzufallen", so Fuhrparkleiter Rainer Froberg. Umso mehr, da wegen des automatischen Kettenölers von CLS sogar der seltene Hinweis "Bitte Kette nicht schmieren" im Fahrtenbuch prangt. Dank geräumigen Gepäcksystems von Hepco & Becker mimt die 650er einen Low-Budget-Tourer, der durch die kernig-kurze Edelstahl-Auspuffanlage von Yoshimura gewinnt. Der V2 ist auch nach gut zehn Jahren Bauzeit einer der besten Mittelklasse-Motoren überhaupt. Dies lässt auch das defekte Lenkkopflager nach knapp 30000 Kilometern verschmerzen. Alles weitere steht in der Dauertest-Zwischenbilanz über 30000 Kilometer in MOTORRAD 4/2010.

Foto: Schmieder

Viel Kummer bereitete bislang die Dauertest-BMW K 1300 GT, vor allem durch zwei Motorschäden: Kupplung geplatzt nach 24766 Kilometern, Pleuellager am vierten Zylinder defekt nach 36770 Kilometern - MOTORRAD berichtete mehrfach. Beim dritten Motor fiel ein Elektronik-Defekt auf: Ein Fehler an der Lambdasonde führte zu mangelhafter Kraftstoffzufuhr und Leistungsverlust. Trotz Auslesens in der Werkstatt irritiert der Power-Tourer mitunter durch neue Auffälligkeiten: "Im Kaltstart dreht die K 1300 GT zirka 1800/min", berichtet Top-Tester Karsten Schwers. "Nach kurzer Dauer sinkt die Drehzahl ab und schwankt zwischen 1400/min und 800/min. Wenn die Drehzahl zu stark absinkt, geht der Motor aus. Außerdem ist das Getriebe ätzend laut." Und das Schloss des linken Koffers defekt.

Foto: jkünstle.de

Solche Unbill blieb der nagelneuen Aprilia RSV4 R während der ersten 1600 Kilometer bislang erspart. Lediglich ein Nagel zwang zu einem verfrühten Tausch des Hinterreifens.

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