Dauertest-News Neues aus dem Fuhrpark

Während Honda Fireblade und KTM 690 SM dem Ende der Testdistanz entgegeneilen, halten einige der übrigen Dauerläufer Tester und Werkstatt auf Trab, andere die Fahrer bei Laune.

Foto: Biebricher

Zuerst zu den freudigen Ereignissen. Die Dauertest-Familie hat mal wieder Zuwachs bekommen. Nach der Suzuki Gladius 650 (MOTORRAD 11/2009) bereichert mit der Yamaha XJ6 Diversion eine weitere Vertreterin der Mittelklasse die Schar der Dauerläufer. Vom Vergleichstest aus Heft 14 bog die bordeauxrote, mit ABS ausgestattete 600er schnurstracks ab in den MOTORRAD-Fuhrpark. Dort hat die BMW K 1300 GT seit ihrem Dienstantritt vor acht Wochen bereits mächtig Kilometer gesammelt. Und zunächst jede Menge Lob ob ihrer Qualitäten als Langstreckenmotorrad. Kritische Worte über lautstarke Gangwechsel, spürbare Lastwechsel und prägnante Vibrationen bei 7000/min finden sich aber ebenfalls im Fahrtenbuch des Reisedampfers. Und wenn jemand eine Reise tut, dann kann er ja bekanntlich was erzählen. Im Falle der BMW vom in letzter Zeit ebenso regen wie kuriosen Eigenleben der Elektronik. So stellte sie sich bei einem Kollegen statt zu starten tot, um tags darauf wieder klaglos anzuspringen. Chefredakteur Michael Pfeiffer erlebte anschließend mit der GT die erste Hupe, die beim Bremsen ertönt und im Takt des Blinkers hupt. Zuvor hatte sich bereits der Blinker nur über die Warnblinker-Taste ausschalten lassen.

Wenig später musste die BMW per Transporter in die Werkstatt geschickt werden. Nachdem die Elektronik beim Einschalten der Zündung auf Dauerhupe gestellt hatte, sprang die K 1300 GT letztlich gar nicht mehr an. Testredakteur Rolf Henniges hatte schon nach einer früheren Ausfahrt lapidar notiert: „Blinkerschalter spinnt total, Elektrik teilweise auch.“ Nach Austausch beider Lenkerarmaturen läuft die GT inzwischen wieder. Während eine andere Kilometerfresserin, die Aprilia Mana, derzeit zum wiederholten Mal in der Werkstatt steht. Zwar sind ihre rubbelnden Bremsscheiben inzwischen gegen neue getauscht, doch die lästigen Anfahrgeräusche konnten auch im Rahmen der 40000er-Inspektion nicht beseitigt werden. Deshalb nimmt sich nun der Importeur der Sache an. Derweil spult die Honda Fireblade, nachdem ihre harzig arbeitende Kupplung durch einen neuen Zug zu alter Leichtgängigkeit zurückgefunden hat, munter und ausdauernd wie ein Tourer Kilometer ab. Außer dem inzwischen merklich rauer gewordenen Motorlauf gibt der Sportler keinen Grund zur Klage.

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Foto: Künstle

Mit kräftiger mechanischer Geräuschkulisse seines Einzylinders, rubbelnder vorderer Bremsscheibe und gelegentlich an der Ampel absterbendem Motor macht sich die KTM 690 an die letzten 4000 Kilometer der Testdistanz. Damit hat sie ihre zweizylindrige Markenschwester, die RC8, deutlich abgehängt. Die sammelt, obwohl im Rahmen der Reifentests bei der Verschleißfahrt mit auf Tour, nur schleppend Kilometer. Was gewiss nicht am eingerissenen Cockpit-Glas liegt. Trotz des druckvollen Motors und des präzisen Fahrwerks tauchen immer öfter kritische Bemerkungen zur schwergängigen Kupplung und Schaltung oder dem bockelharten Federbein auf. Deshalb bekam es probehalber eine Feder mit 95 N/mm Federrate eingesetzt (Original: 110 N/mm), was jener der RC8 R entspricht.

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Foto: Künstle

Vielleicht verblasst aber auch nur die Faszination großer Twins und ihrer doch speziellen Umgangsformen im spröden Alltag ein wenig. Denn die Ducati 1098 legt ebenfalls nur langsam an Kilometern zu. Ihr großer Durst bei kleinem Tank, die schwergängige und erst nach dem Wechsel von Korb und Belägen vom Rupfen und Kreischen weitgehend befreite Kupplung fordern vom Piloten Nehmerqualitäten. So ist die 1098 in der Geschichte der MOTORRAD-Dauertests die zweite Maschine, die während der 50000-Kilometer-Testdistanz zum TÜV musste. Derart durch den Dauertest gebummelt hat sich bislang nur eine: Vor ziemlich genau 20 Jahren musste die Suzuki LS 650 ebenfalls zur Prüfstelle. Während der kleine Chopper allerdings prompt durchfiel, bekam die Ducati ihre Plakette anstandslos aufs Nummernschild geklebt. Von all dem unbeeindruckt sammelt die Kleinste im Fuhrpark, die Yamaha YZF-R 125, munter und vergnügt weiter Kilometer.

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