Die Suzuki GSX-S 1000 F ist seit September 2015 im Dauertest. Von 50.000 hat sie bisher 42.000 Kilometer abgespult (Stand Mai 2017).

Suzuki GSX-S 1000 F im Dauertest Erfahrungen über 50.000 Kilometer

Die Suzuki GSX-S 1000 F durchläuft seit 19. August 2015 den MOTORRAD-Dauertest und hat seither 45.000 Kilometer gesammelt.

2.102 km: Der erste Eindruck

Volle 14 Monate aufs Motorradfahren gepfiffen. Testjob geschmissen, was anderes probiert. Weder Zweirädern hinterhergeschaut noch draufgehockt. Mehr als ein Jahr den Hintern auf dem Bürostuhl platt gesessen. Das Leben kann so grausam sein. Die Frage nach den Gründen – ersparen wir sie uns. Wichtig ist doch nur: Herz und Hirn wollen endlich wieder Drehzahl, Druck und Schräglage.

Also mal ganz vorsichtig wieder bei den Ex-Kollegen angeklopft. Vielleicht haben die ja einen Job, der sich nicht im Büro abspielt. "Klar, wir hätten die Suzuki GSX-S 1000 F gerade neu im Fuhrpark. Nimm die mal und mach darüber einen Zweiseiter", bietet Testchef Gert Thöle an. Na, die haben Vertrauen, einen nach über einem Jahr Abstinenz auf solch eine Granate zu setzen.

Im Prinzip erging es dem Motor der Suzuki GSX-S 1000 F ähnlich wie dem Autor: Auch er musste sich in letzter Zeit langweilen, nämlich volle zehn Jahre im Teileregal in Hamamatsu. Erst kürzlich wurde das ehemalige GSX-R-Aggregat wiederbelebt. Ist doch eine nette Idee, nach so langem Stillstand gemeinsam Hirn und Drosselklappen wieder auf Durchzug zu stellen und die Vitalfunktionen auf Vordermann zu bringen.

Doch die ersten Einträge der Testfahrer im Fahrtenbuch der Suzuki GSX-S 1000 F mahnen den übermotivierten Hilfstester zur Vorsicht: "Für die Ausfahrt aus der Tiefgarage empfiehlt sich das Anlegen der Hinterradbremse", und: "Die Suzuki GSX-S 1000 F hängt ziemlich giftig am Gas."

Tatsächlich: Alle engagierten Versuche, das direkte Ansprechverhalten des Vierzylinders mit zarter Hand am Gasgriff zu kompensieren, scheitern. Die Suzuki GSX-S 1000 F kommt immer ziemlich heftig, das kann einen ungeübten Fahrer erschrecken. Zahmere Motor-Mappings stehen als Beruhigungsmaßnahme leider nicht zur Verfügung, die GSX-S steuert ihre Drosselklappen noch klassisch über Bowdenzüge.

Dass die 216 Kilogramm schwere Suzuki GSX-S 1000 F es dennoch faustdick hinter der breiten, aber nicht besonders gut vor dem Fahrtwind schützenden Frontverkleidung hat, beweisen die ersten Meter mit der Dauertestmaschine auf freier Strecke. Die Gänge sortieren sich herrlich geschmeidig, der Vierzylinder pumpt ab Standgas souverän Druck, die Übersetzung geriet erstaunlich kurz, und das aggressive Knurren des Triebwerks giert stets nach mehr Drehzahl.

Kurzum: Junge, geh die Sache piano an, sonst landest du in der nächsten Hecke! Zumal die Suzuki GSX-S 1000 F gerade erst von der Eingangsmessung auf dem Leistungsprüfstand kommt. Soll heißen: Jeder Dauertester muss am Anfang und am Ende seiner Laufbahn zeigen, was in ihm steckt. Bei der Suzuki GSX-S 1000 F sind es zu Beginn immerhin 5 PS mehr als versprochen. Der Motor kann die sportlichen Gene der GSX-R 1000 von 2005 einfach nicht verheimlichen. Und auch die Fahrleistungen sprechen dafür, dass die dreistufige Traktionskontrolle ihre Daseinsberechtigung hat. Die gemessenen Durchzüge im letzten Gang liegen auf astreinem Powerbike-Niveau. Selbst eine Yamaha Vmax erledigt das nur unwesentlich schneller.

Neben dem direkten Ansprechverhalten werden im Fahrtenbuch der Suzuki GSX-S 1000 F bereits jetzt harte Lastwechselreaktionen und ein störendes Konstantfahrruckeln bei 50 bis 70 km/h moniert. Für erfahrene Piloten vielleicht eine Frage der Gewöhnung, für den Wiedereinsteiger bedeutet das erhöhte Konzentration. Speziell die Knieschleiferfraktion innerhalb der Redaktion kann jedoch die Freude über den Neuzugang nicht verheimlichen. „Geiler Ofen mit klasse Handling“, tönt es da über den Flur. Die touristische Fraktion beklagt allerdings schon jetzt den mäßigen Windschutz auf langen Strecken, den unbequemen Soziussitz und fehlende Gepäckmöglichkeiten. Auch das Fahrwerk könnte durchaus etwas feiner ansprechen. Da bietet der Dauertest sicher viel Zeit und Gelegenheit, nach Verbesserungsmöglichkeiten zu suchen.

Prinzipiell stellt sich die Frage: Was genau ist die GSX-S 1000 F eigentlich? Suzuki tauft sie „ein Sportgerät reinsten Wassers“ und will von der Kategorie Sporttourer nichts wissen. Mit breitem Fatbar-Lenker und kommodem Kniewinkel hockt es sich jedoch ziemlich sporttourig auf der Suzi. Was also bleibt am Ende des Anfangs zu sagen? 14 Monate Abstinenz waren Blödsinn. Diesen klasse Motor zehn Jahre in der Ecke liegen zu lassen, war aber auch keine besonders gute Idee. Auf jeden Fall hofft der neue Ex-Redakteur, noch einige der bevorstehenden 48.000 Kilometer mit der Suzuki GSX-S 1000 F zurücklegen zu dürfen. Ein Anfang ist gemacht.

Fahrleistungen Suzuki GSX-S 1000 F (Messung nach 2102 km)

Beschleunigung

  • 0–100 km/h: 3,2 sek
  • 0–140 km/h: 4,7 sek
  • 0–200 km/h: 8,7 sek

Durchzug

  • 60–100 km/h: 3,1 sek
  • 100–140 km/h: 3,2 sek
  • 140–180 km/h: 3,4 sek
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6.744 km: Herbstausfahrt 2015

12.400 km: Select-Schaltereinheit gewechselt

Die Suzuki GSX-S 1000 F entpuppt sich im Dauertest als klar sportlich orientierte Maschine. Nachdem er bislang völlig problemlos lief, blieb nun plötzlich der Select-Schalter am linken Lenkerende hängen, sodass man nicht mehr durch das Bordmenü zappen konnte.

MOTORRAD-Werkstattchef Gerry Wagner konnte den Schalter zwar mit Bordmitteln, sprich Kriechöl, wieder gängig machen. Trotzdem wurde die Schaltereinheit beim folgenden Service vom Händler auf Garantie getauscht.

35.480 km: Winterbetrieb

Die Federelemente der Suzuki GSX-S 1000 F arbeiten bei Frost recht bockig. Dafür springt die Japanerin auch nach klirrend kalten Nächten zuverlässig an.

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