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Suzuki V-Strom 1000 im Dauertest Neuzugang im MOTORRAD-Fuhrpark

Man muss lange zurückblättern in den MOTORRAD-Dauertestnotizen, bevor man auf eine Suzuki stößt. Doch jetzt geht es endlich weiter, und zwar mit der neuen Suzuki V-Strom 1000. Die wird die 50.000 Kilometer rasch hinter sich bringen – die Wette steht.

Der erste Eindruck ist ganz wichtig für die Beziehung Mensch–Motorrad. Doch wie sich dieser erste Eindruck manifestiert, das ist von Typ zu Typ verschieden. Der Ästhet etwa wird mit der neuen Suzuki V-Strom 1000 vermutlich niemals richtig warm werden. Allein wegen des vorderen Kotflügels, der zuverlässig eines der unattraktivsten Bauteile ist, die jemals an einem Motorrad verbaut wurden. Dazu ein eher zufälliges Arrangement von Lufthutzen, Tankflanken und Entenschnabel in gedecktem Plastik-Schwarz. Nein, es gibt schönere Motorräder. Aber sei’s drum: Wer den MOTORRAD-Dauertestfuhrpark nutzt, ist in der Regel eher Pragmatiker denn Schöngeist, und diese Spezies wird an der V-Strom mit Sicherheit ihren Spaß haben. Schon allein deshalb, weil sie vom ersten Meter an so herrlich unprätentiös daherkommt. Beispiele gefällig?

(Kalt)Start zur dreitägigen Alpentour mit alten Freunden, einfach nur fahren. Der erste Reisepartner, die KTM 1190 Adventure, orgelt am Start, dass einem Angst und Bange wird, während die BMW R 1200 GS schon beim Druck aufs Knöpfchen infantil die Drosselklappen aufreißt. Und die Suzuki V-Strom 1000? Setzt Kolben, Wellen und Zahnräder ganz dezent und mechanisch unauffällig in Bewegung, schnurrt beinahe vor sich hin. Dieser 1037-Kubikzentimeter-V2 – die Botschaft kommt unmissverständlich an – muss und will es niemanden mehr beweisen. 100 PS, aber ein schönes, früh anliegendes Drehmomentplateau – damit will die V-Strom weder Vergleichstests gewinnen noch Rekorde einreißen. Sie will einfach nur funktionieren.

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Sitzbank gut gepolstert, Fahrwerk straff gedämpft

Wem das jetzt langweilig erscheint, der war noch nie in den Alpen. Egal, ob der verregnete Fernpass oder das Timmelsjoch bei Sonnenschein am nächsten Tag: Die Suzuki V-Strom 1000 leuchtet trotz ihrer matten Farbe wie ein heller Stern. Sitzposition: bequem. Sitzbank: Hier hält man es stundenlang aus, gut gepolstert. Windschutz: Gut, der während der Fahrt einstellbare Neigungswinkel der Scheibe ist pfiffig. Rückspiegel, Armaturen: übersichtlich. Motor: unspektakulär, mit ganz feiner Gasannahme und ausreichend Schub. Fahrwerk: straff gedämpft, speziell die Gabel, was auf dem schlechten Belag des Jaufenpasses für mächtig Gerüttel sorgt. Dafür aber neutral und fein ausbalanciert, was auf Gourmet-Asphalt viel Freude macht. Bremse: guter Biss, feine Dosierung, dazu ABS und gut funktionierende Traktionskontrolle. Hoppla, so einfach kann Motorradfahren sein. Diese Suzuki V-Strom 1000 fährt einen sauberen Strich, trotz der angejahrten Bridgestone BW 501/502-Bereifung. Großes 19-Zoll-Vorderrad, schmaler 150er-Schlappen hinten. Das hilft schon. Ein 170er-Hinterrad braucht hier kein Mensch, ebenso wenig die Zusatz-Power speziell der KTM.

Gestern, auf der Autobahn, war das eher ein Thema. Aber anders als gedacht. 180, mal 190 km/h, Autobahn-Reisetempo. Auch das schüttelt die Suzuki V-Strom 1000 locker aus dem Ärmel. Viel lockerer jedenfalls als die KTM, die mit Koffern am Heck so angsteinflößend pendelt, dass man freiwillig nicht schneller fahren möchte. Okay, die Suzuki hat nur ­eine Gepäckrolle auf der Soziussitzbank, weil die teuren Original-Koffer (880 Euro) noch nicht lieferbar sind. Aber derart eiern wird sie in 1000 kalten Wintern nicht. Garantiert! Dafür muss die V-Strom immer als Erste an die Tanke. 20 Liter – das ist nicht so richtig viel, zumal wenn man sich so wohl im Sattel fühlt. Gefühle von Mangel angesichts der potenten Mitreisenden? Bestenfalls aus den engen Kehren heraus, die im ersten Gang genommen werden. Da fehlt ihr im zweiten und dritten Gang ein wenig der Punch, was damit zu tun haben könnte, dass die zweite Drosselklappe des Suzuki-Systems verzögert öffnet, um das weiche Ansprechverhalten des V2 zu ermöglichen. Für die wilde Alpenhatz ist das vielleicht nicht ideal. Für die Fernreise, den Berufsverkehr und den Wochenendausflug jedoch ist es ein weiterer Sympathiepunkt. Einer von vielen.

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MOTORRAD Messwerte

Fahrleistungen

 Messung nach 1264 km
Beschleunigung
0–100 km/h                           3,8 sek
0–140 km/h                           7,0 sek
0–200 km/h                          26,2 sek

 

 Messung nach 1264 km
Durchzug
60–100 km/h                           4,1 sek
100–140 km/h                           4,7 sek
140–180 km/h                           6,8 sek
Foto:
So soll sie aussehen, die Leistungs- und Drehmomentkurve einer Reiseenduro. Linear, mit fettem Drehmomentplateau schon ab 3500/min, das sich dann über die nächsten 3000/min erstreckt. Die Fahrleistungen reichen locker aus.
So soll sie aussehen, die Leistungs- und Drehmomentkurve einer Reiseenduro. Linear, mit fettem Drehmomentplateau schon ab 3500/min, das sich dann über die nächsten 3000/min erstreckt. Die Fahrleistungen reichen locker aus.

Leistungsdiagramm

So soll sie aussehen, die Leistungs- und Drehmomentkurve einer Reiseenduro. Linear, mit fettem Drehmomentplateau schon ab 3500/min, das sich dann über die nächsten 3000/min erstreckt. Die Fahrleistungen reichen locker aus.

Technische Daten Suzuki V-Strom 1000

Technische Daten Suzuki V-Strom 1000 (DD)
Modelljahr 2014
Motor
Zylinderzahl, Bauart 2 , V-Motor
Bohrung/Hub 100,0 / 66,0 mm
Hubraum 1037 cm³
Ventile pro Zylinder vier Ventile pro Zylinder
Verdichtung 11,3
Leistung 73,5 kW ( 100,0 PS ) bei 8000 /min
Max. Drehmoment 103 Nm
Zahl der Gänge Sechsganggetriebe
Hinterradantrieb O-Ring-Kette
Fahrwerk, Räder, Bremsen
Rahmen Brückenrahmen
Federweg vorn/hinten 160 mm / 160 mm
Reifen 110/80 R 19 , 150/70 R 17
Bremse vorn/hinten 310 mm Vierkolben-Festsättel / 260 mm Einkolben-Schwimmsattel
ABS Ja
Maße und Gewichte
Radstand 1555 mm
Lenkkopfwinkel 64,5 °
Nachlauf 109 mm
Leergewicht vollgetankt k.A.
Sitzhöhe 850 mm
Zulässiges Gesamtgewicht 440 kg
Höchstgeschwindigkeit 205 km/h
Preis
Neupreis 12290 Euro

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