Triumph Thruxton R im MOTORRAD-Dauertest Erfahrungen über 50.000 Kilometer

Die Triumph Thruxton R durchläuft seit 1. Juli 2016 den MOTORRAD-Dauertest und hat seither 17.660 Kilometer gesammelt.

1.500 km: Dauertest-Begrüßung

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8.215 km: Winterreifen, Bremsen

Nachdem die leidige Diskussion um die Winterreifenpflicht noch immer nicht ausgestanden war, machten wir die Probe aufs Exempel. Anlass sind die als Winterreifen mit M+S-Kennung versehenen Winter Grip Plus-Gummis des türkischen Herstellers Anlas (Vertrieb: www.alphatechnik.de). Also flugs ein Pärchen für einen Selbstversuch mit der Triumph Thruxton R geordert.

Die hübsche Triumph ist aber auch abseits der Reifenfrage ein Diskussionsthema. Wie in einschlägigen Foren diskutiert, läuft bei einigen Maschinen die rechte vordere Bremsscheibe unangenehm dicht am Bremssattel vorbei, kann in Einzelfällen gar schleifen. Davon betroffen ist auch unsere Dauertest-Maschine, wobei hier die Bremsscheibe haarscharf am Sattel vorbei dreht.

Laut Triumph die Folge der unglücklichen Kombination verschiedener Toleranzen, die sich aufaddieren. Momentan sorgen die Händler durch Lösen und erneutes Festziehen der Achse, nachdem der entsprechende Gabelholm etwas nach außen gezogen wurde, für ausreichend "Luft". Endgültige Abhilfe soll das Ausmitteln des Rades mit anderen Distanzbuchsen schaffen. Eine sicher funktionale, wenngleich technisch nicht hochkarätige Lösung. Wann Triumph die Produktion umstellt, sodass beide Scheiben mittig durch die Zangen laufen, ist derzeit unklar.

8.830 km: Lichtmaschine durchgeschmort

Ein großer Defekt an der Triumph Thruxton R kam auf leisen Sohlen: Ende Februar ging die 1200er während der Fahrt zunächst einmal aus. Daraufhin gab es beim Händler ein neues Mapping. Doch mit neuer Software allein war es nicht getan. Kurz darauf fiel die Kilometeranzeige im Tachometer aus, dann blinkten die Warnleuchten für ABS und Traktionskontrolle, bis das gesamte Cockpit-Display den Dienst quittierte. Als Ursache des Elektrik-Tricks entpuppte sich nun eine durchgebrannte Lichtmaschine – die Wicklungen hatten tief im Inneren schon mächtig gekokelt. Brandgeruch bemerkte jedoch niemand. Nun, bei Kilometerstand 8830 gab es Ersatz mit frischem Kupfer.

Aus einem anderen Grund rief Triumph alle Maschinen der Typen Bonneville, Thruxton sowie Street Twin/Street Cup wegen Brandgefahr offiziell zurück. Die Isolation des Benzinpumpenkabels war durch einen vom Produktionswerkzeug verursachten Grat beschädigt worden. Die Folgen könnten fatal sein: "Benzin könnte durch die Isolierung zum Hauptkabelbaum gelangen und einen Kurzschluss verursachen, wodurch die Gefahr einer Brandentwicklung besteht." Unser Dauertester bekam das neue Kabel, gleichzeitig wurde das Vorderrad mittels neuer Dis­tanz­hül­sen exakt ausdistanziert: Bis dahin lief die rechte Bremsscheibe nur haarscharf am Sattel vorbei (siehe MOTORRAD 4/2017).

Foto: Wassermann
Um diese Bohrung in einem Steg am Motorgehäuse der Triumph Thruxton R geht es.
Um diese Bohrung in einem Steg am Motorgehäuse der Triumph Thruxton R geht es.

10.500 km: Mysteriöser Ölverlust

Die Triumph Thruxton R im MOTORRAD-Dauertest litt zuletzt an mysteriösem Ölverlust. Zunächst wurde eine Undichtigkeit am Anlasser-Flansch vermutet und der entsprechende O-Ring ausgetauscht. Kurz darauf gab es aber schon wieder Ölverlust.

MOTORRAD-Werkstattchef Gerry Wagner fand heraus, dass das Öl direkt aus dem Gehäuse quoll, und zwar aus einer Bohrung in einem Steg rechts auf dem Motorgehäuse unterhalb des Anlassers. Die Redaktion verdächtigte zunächst eine möglicherweise zu groß oder falsch ausgeführte Bohrung im Motorgehäuse. Diese etwa 8 Millimeter dicke Bohrung soll eigentlich dem Ablauf von Regen- und Spritzwasser dienen.

Überraschend war, dass diese Bohrung bei unserer Dauertest-Triumph Thruxton R größer ausgeführt ist (gut 8 mm) als bei anderen Testfahrzeugen dieser Modellreihe (etwa 6 mm). MOTORRAD hakte daher beim Importeur nach. Nach Rücksprache mit dem Hauptquartier in England gab es dazu nun folgende Antwort: Der Durchmesser der Ablaufbohrung in der laufenden Fertigung wurde geändert, um den Fertigungsprozess zu beschleunigen, denn dadurch wurde ein Werkzeugwechsel eingespart. Neuere Fahrzeuge besitzen also die kleinere Bohrung. Bisher sei es jedoch laut Triumph auch bei früheren Fahrzeugen mit der größeren Bohrung nicht zu Undichtigkeiten gekommen.

Unklar bleibt, warum ausgerechnet die Testmaschine undicht wurde. Möglicherweise kamen hier Fertigungstoleranzen unglücklich zusammen, oder es gab in diesem Bereich einen Lunker im Guss. Falls Leser bei ihrer Triumph ein ähnliches Problem haben, mögen sie sich bitte melden. Die Testmaschine wird zunächst provisorisch mittels eines Gewindeeinsatzes repariert, um den Dauertest ohne großen Zeitverlust fortsetzen zu können. Am Ende der Saison soll entschieden werden, ob das Gehäuse getauscht wird. Triumph stellt klar, dass in solchen Fällen bei Kunden selbstverständlich das Gehäuse auf Garantie getauscht würde.

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