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Triumph Trophy SE im Dauertest Jungfernfahrt bei 5 Grad und Regenwetter

Nach dem langen Winter trudeln die neuen Dauertestmaschinen im MOTORRAD-Fuhrpark ein. Den Anfang machte die Triumph Trophy SE, mit der Tester Stefan Kaschel die Jungfernfahrt unternahm - noch einmal bei tristem Schmuddelwetter.

Stuttgart, fünf Grad, heiter bis wolkig. Ostwestfalen, ebenfalls fünf Grad, leichter Regen. Dazwischen rund 500 Kilometer, auf denen es sicher auch nicht viel besser aussieht. Normalerweise ein Grund, Auto zu fahren. Aber verdammt, es ist eine Woche nach Ostern, und da sollte ich doch eigentlich Motorrad fahren können, ohne gesundheitliche Folgeschäden befürchten zu müssen.

Zum Glück liefert die neue Dauertest-Trophy gute Argumente für den ersten Frühjahrstrip. Zweistufige Heizgriffe (Aufpreis 185 Euro) zum Beispiel. Oder eine Sitzheizung (Aufpreis 298 Euro, Beifahrer 279 Euro) mit einstellbarem Temperaturbereich. Dazu eine mächtige Verkleidung mit elektrisch einstellbarer Scheibe, hinter der sich hoffentlich ein angenehmes Mikroklima einstellt. Womit sonst, wenn nicht mit diesem inklusive aller Extras rund 19 000 Euro teuren Reisedampfer, ließe sich dieser kühle Trip wagen? Zumal ich mit mehreren Schichten Funktionswäsche und einer wasserresistenten Textilkombi vorgesorgt habe.

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Die erste Sicherung war schon durchgebrannt

Doch vorher musste die Trophy wie jeder MOTORRAD-Dauertester das übliche Eingangsprozedere absolvieren. Das bedeutet: Prüfstandsmessung, Ermittlung der Fahrleistungen, Kompressionsdiagramm, Verplomben des Motors. Dabei staunte Werkstattmann Gerry Wagner nicht nur über das umfassende Sortiment von Plastikteilen, die es zu entfernen gilt, um an die versteckten und zur Messung erforderlichen Zündkabel zu kommen, sondern auch über die Form, die moderne Tanks haben können. Kein Wunder, dass es ewig dauert, um diese Skulptur an der Tankstelle bis zur Halskrause zu befüllen.

Samstagmorgen, drei Grad, der mächtige Triple springt klaglos an, noch einigermaßen gemütlich geht es von Stuttgart Richtung Norden. Zum Glück funktionieren die Heizgriffe (Aufpreis 185 Euro) wieder, denn die erste Sicherung war schon vor der Premierenfahrt durchgebrannt. Jetzt soll eine 15- statt der vorherigen Zehn-Ampere-Sicherung für zuverlässigen Betrieb sorgen. Bei der Sitzheizung dauert es eine ganze Zeit, bevor Wirkung zu spüren ist.

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Von intuitiver Bedienung kann keine Rede

Spürbar ist hingegen Shimmy in langsamen Kurven, also leichte Schwingungen um die Lenkachse. Das hatte die ebenfalls mit Pirelli Angel ST bereifte Testmaschine (siehe MOTORRAD 24/2012) nicht. Liegt’s vielleicht an einem Problem mit diesem Reifensatz, oder hat es mit den Temperaturen zu tun? Das wird der weitere Dauertest zeigen. Zum Glück verliert sich das Phänomen mit zunehmendem Tempo.

Auf der Autobahn fahre ich die Scheibe in die höchste Position, versuche, das Radio auszuschalten und das elektrisch einstellbare Fahrwerk (alles Serie bei der SE) dem Betriebszustand (eine Person mit Gepäck) anzupassen. Beides geht zunächst einmal schief, von intuitiver Bedienung kann keine Rede sein. Zumal man ständig den Kippschalter für das Elektronik-Menü mit dem für die Scheibenverstellung verwechselt.

Die Triumph Trophy im Top-Test.
Foto: Wagner

270 Kilometer später habe ich die Position der Schalter sowie die Menüstruktur allmählich kapiert, bin jedoch nicht mehr in der Lage, mich mit derlei Kleinigkeiten zu beschäftigen: Das Wetter macht mich fertig. Statt ein paar Wolken und fünf Grad bieten Rhön und Kasseler Berge frostige null Grad und äußerst unerquicklichen Schneeregen. Immerhin: Der Wetterschutz bei hochgefahrener Scheibe ist toll. Doch bräuchte man eigentlich beidseitig einen Scheibenwischer, weil die hinten und vorn nasse Scheibe jeden Durchblick vereitelt. Weitere Erkenntnisse des ersten Trips: Schön, dass die Trophy selbst mit dem mächtigen Topcase gut geradeaus läuft.

Weniger erfreulich, dass man zum Öffnen des Topcase immer den Zündschlüssel braucht. Die Bremse vorn benötigt Temperatur, daher nutzt man bei diesen Bedingungen am besten das Verbundbremssystem und bremst grundsätzlich mit dem Fuß mit, um ordentliche Verzögerungen zu erreichen. Die elektronische Fahrwerkseinstellung funktioniert dummerweise nur im Stand.

Foto: jkuenstle.de

Der Verbrauch pendelt auf der Autobahn zwischen sieben und neun Litern auf 100 km, was angesichts von 26 Litern Tankinhalt für rund 300 Kilometer reicht.

Insgesamt also nicht gerade ideale Bedingungen für eine erste Kontaktaufnahme. Beim nächsten Mal werde ich beim Blick ins Internet-Wetter nicht nur Abfahrts- und Zielort, sondern auch die Regionen dazwischen berücksichtigen. Und im Sommer mit der Trophy noch mal richtig reisen - bei einem stabilen Azorenhoch.

Foto: Archiv

Messwerte

Der mächtige Triple liefert 132 PS Spitzenleistung und von 3500 bis 8500/min über 110 Newtonmeter Drehmoment. Allerdings haben die mit rund 400 Kilogramm Gewicht (inklusive Fahrer) auch kein leichtes Spiel.

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